Erst der Hammer – dann der Tanz?

Zu einem noch nicht offiziell bestätigten  Strategiepapier des Innenministeriums

Am 19.März veröffentlichte der Wissenschaftler Tomas Pueyo seinen Beitrag „The Hammer and the Dance. What the next 18 months can look like, if leaders buy us time“. In diesem Text, Umfang 33 Seiten in englischer Sprache, berechnet Pueyo drei Szenarien im Umgang mit dem Corona Virus. Das erste Szenario beruht auf der Strategie „Do nothing“ und zeigt natürlich katastrophale Auswirkungen; die zweite Strategie ist die der „Mitigation“ (Dehnung, Maßnahmen zur Schadensminderung) und entspricht in etwa der Phase, in der wir uns in Deutschland im Moment befinden , also einer Phase mit Kontaktbeschränkungen, einem Herunterfahren des öffentlichen Lebens und der Einschränkung bürgerlicher Freiheiten (z.B. Versammlungsverbot). Die dritte Strategie nennt Pueyo „The Hammer and the Dance“. Diese Strategie beruht auf Phasen der Einschränkung in Kombination mit Testausweitungen, Kommunikationsmaßnahmen und digitaler Kontrolle (location tracking), so wie sie etwa China, aber auch Südkorea praktiziert bzw. praktiziert hat.

Offensichtlich hat das Innenministerium, basierend auf den Berechnungen und Überlegungen Pueyos, nun eine Strategieempfehlung entwickelt, die diese Szenarien für Deutschland durchspielt. Offiziell bestätigt sind die Überlegungen des Papiers noch nicht, die Existenz der Empfehlungen  wird aber auch nicht dementiert, jedoch schon in der Medienlandschaft kommuniziert.

Das Papier geht bei der Annahme eines WORST CASE von rund 1,2 Millionen Toten in rund zwei Monaten aus, bei einer Strategie  der „Dehnung“ – bei  Pueyo „Mitigation“ – von etwa 200 000 Toten in sieben Monaten.

Eine Senkung dieser Opferzahlen sowie eine Vermeidung von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verwerfungen größerer Art seien nur durch die dritte Strategie (Hammer und Tanz) möglich, so das Papier.

Diese Strategie ergänzt die jetzt bereits ergriffenen Maßnahmen wie Schulschließungen, Ausgangsbeschränkungen, Herunterfahren des Öffentlichen Lebens um –

– massenhafte Tests/Ausweitung des Umfangs der Tests bis Ende April auf  200000 Tests pro Tag (im Moment etwa 40 000)

–  eine konsequente Isolierung Infizierter bzw. positiv Getesteter (zu Hause oder in Quarantäne-Einrichtungen)

– Aufspüren von Personen, die mit positiv Getesteten in Kontakt waren, auch durch „location tracking“

– Mobilisierung und Sensibilisierung der Bevölkerung durch eine andere Kommunikationsstrategie, nämlich die Verdeutlichung des Ernstes der Gesamtsituation und der möglichen Folgen der Epidemie, also Vermittlung des „worst-case-Szenarios“.

Unter der Voraussetzung, dass die bisher erfolgten Einschränkungen und eingeführten Verhaltensregeln zu einer deutlichen Senkung der Fallzahlen führen und die Massentests organisiert werden können und dann zu den genannten weiteren Maßnahmen gegriffen werden kann (Isolierung), könne auf die Hammer-Phase die Tanz-Phase folgen, also die (allmähliche) Lockerung der Ausgangsbeschränkung, die Wiedereröffnung von Schulen und anderen Einrichtungen und die Ingangsetzung des wirtschaftlichen Lebens – bei gleichzeitiger Nachverfolgung von Kontakten, bei Isolation Infizierter  und weiterem intensiven Testen. Diese Tanz-Phase könnte, unter günstigsten Umständen, etwa im letzten Aprildrittel einsetzen.

Das Dokument geht davon aus, dass die dritte Strategie sowohl die Opferzahlen als auch die wirtschaftlichen Verluste gering halten kann, besonders aber dazu führt, dass die Stabilität der Gesellschaft insgesamt gewahrt bleibt. Beim WORST CASE geht das Innenministerium von einem Einbruch des BSP von etwa 30% und großen gesellschaftlichen Verwerfungen aus!

 

LINK zum Text von T. Pueyo

 

 

 

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Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

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