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Fragen eines Irritierten

Vielleicht bin ich auch kein Irritierter, sondern ein Irrer, zumindest ein Irrender, ein Irrläufer, einer mit Irrtümern.
Kann alles sein oder auch nichts davon! Dennoch bleiben Fragen!

Zunächst diese:

Gibt es eigentlich noch eine Friedensbewegung, so eine richtig tolle, wie damals – gegen den NATO-Doppelbeschluss? Mit der größten Kundgebung , die der Bonner Hofgarten je gesehen hat (an die 300000 Menschen am 10.10.81). Mit Sitzblockaden vor militärischen Einrichtungen. Mit Ständen in der Innenstadt – mit Abenden, an denen Menschen aller Altersgruppen, Geschlechter, Konfessionen und was es sonst noch für Merkmale gibt, sich in Gemeindesälen, Sporthallen, Privatwohnungen oder städtischen Jugendheimen trafen, um Transparente und Plakate zu malen. Wo in den Sonntagspredigten die Menschenliebe und der Wille zum Frieden bekräftigt wurden. Wo der Aufkleber mit der weißen Taube auf blauem Grund mit der „Atomkraft? Nein danke!“-Sonne um die höhere Verbreitungszahl konkurrierte.

Und war uns Generalmajor Gert Bastian nicht ein Friedensheld in Militärunform?

Damals war der Einsatz von Mittelstreckenraketen mit atomaren Sprengköpfen eine strategische Option und eine taktische Variante. Heute ist ein bewaffneter Konflikt an der ukrainisch-russische Grenze ein realitätsnahes Szenario. Aber Friedensbewegung?

Wohin sind all diese Friedensbewegten verschwunden?

Liegt das Verschwinden daran, dass die Rollenverteilung so eindeutig ist zwischen GUT und BÖSE, dass ein Aufruf zum Frieden eine Art Gotteslästerung wäre? Ja, dass selbst eine abweichende Meinung am besten nicht ausgesprochen werden sollte, vor allem nicht von einem Militär, der, das sei angemerkt, einige „unglückliche Formulierungen“ verwendet hat? Wäre ein Stolpern in einen Krieg weniger „unglücklich“?

Wären uns Militärs mit „unglücklichen Formulierungen“, die der Aussage, die Freiheit Deutschlands müsse jetzt auch am Hindukusch verteidigt werden, deutlich, laut und öffentlich widersprochen hätten, rückblickend auf 20 Jahre Afghanistan-Einsatz, heute nicht lieber?
Feiern wir heute nicht zu recht Militärs, die ihrem Oberbefehlshaber nicht nur widersprochen haben, sondern sogar versucht haben, ihn zu beseitigen?
Würden wir Offiziere, gleich welchen Ranges, nicht auf einen Sockel stellen, wenn sie ihrem Befehlshaber und ihren Vorgesetzten bei der Durchführung der Angriffskriege im 2. WK  und der Vernichtung von Millionen Juden in den Arm gefallen wären?

Und wie war das eigentlich noch einmal in den Tagen vor der Wiedervereinigung? Hat man die Zustimmung Moskaus nun unter der Zusicherung bekommen, die NATO nicht weiter gen Osten und Russland zu schieben, oder nicht? Und hat die NATO dieses Versprechen gebrochen oder nicht? Oder ist das Framing, ein Narrativ, eine Legende? Und wie auch immer die Antwort lautet: Kann man dem Zaren vom Roten Platz nicht dennoch sagen, dass ihm das kein Recht gibt, die Souveränität eines anderen Staates zu bedrohen und mit dem Säbel zu rassen!

Ich weiß es nicht! Ich stelle nur Fragen und bin irritiert über das laute Schweigen angesichts der aktuellen Bedrohung des Friedens in Europa!

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7 comments

Heinz NiskiHeinz Niski says:

du bist kein Irrer / Irritierter, du bist einfach nur aus der Zeit gefallen. Mehr iss nich. Die Leute heute sind so, so anders.

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Clem.Gedön. says:

die Menschen sehnen sich so nach Eindeutigkeit, dass sie sie auch gern ungetrübt von verschiedenen Perspektiven der Sachlage schnell und fröhlich herstellen so, wie andere Kastanienfigürchen basteln – ohne Aufwand

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Ax.Opp. says:

…sogar eine Stadt im südlichem Münsterland.

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Clem.Gedön. says:

komm mich nich mit Fakten, Axel 🤡

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Pet.Teut. says:

Mir wurde noch aus erster Hand berichtet, wie der deutsche „Vormarsch“ durch das Baltikum bis Leningrad ablief. Da kann ich mich über deutsche Soldaten und Waffen
in dieser Region nicht freuen.
Frieden schaffen mit weniger Waffen gilt nach wie vor – alles andere ist aus der Zeit gefallene Kanonenbootpolitik.
Oder wird gerade mal wieder ein neues, „heisses“ Versuchsfeld gebraucht ??

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Konteradmiral says:

Wohlstandsversorgt (nicht aus eigener Kraft), geschichtsvergessen und kulturlos (sehr wohl aus eigener Kraft) wird die woke Blase in den Gräben sitzen und die Haubitz*innen abfeuern.

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Fra.Pre. says:

Erlaube mir den Hinweis auf das Femininum bei „Haubitze“. Um woke zu sein sollte es „…und die Haubitzen*er“ lauten

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