Beruf und Berufung: Reinigungsmann – Cleaner – Beschöniger

In dem Film „Nikita“ von Luc Besson aus dem Jahre 1990 taucht ein „Cleaner“ auf, gespielt von Jean Reno. Der Cleaner, in der Übersetzung stellt er sich als „Reinigungsmann“ vor, wird gerufen, um Sauereien, die andere (beim Töten) hinterlassen haben, zu entfernen, wegzuputzen, eben zu reinigen. Im Film geschieht das dadurch, dass der „Cleaner“ Leichen in die Badewanne legt und sie mit Säure übergießt, um sie aufzulösen und wegzuspülen.*
Auch bei facebook gibt es „cleaner“: „Acht Sekunden hat ein Content Moderator, um zu entscheiden: Darf dieses Bild, dieses Video auf Facebook oder einem anderen sozialen Netzwerk bleiben, oder muss der Beitrag gelöscht werden? Acht Sekunden, um zu erkennen: Ist das Satire oder Beleidigung, Kunst oder eine kriminelle Handlung? Was dürfen die Nutzer sehen, was nicht? Cleaner werden die Menschen genannt, die als Ausputzer für Facebook und andere Internetkonzerne tätig sind.“ **
Neben diesen beiden Cleaner-Typen, also den „Reinigungsmann“ und den „Content Moderator“, tritt in letzter Zeit verstärkt ein dritter Typus: der Beschöniger. Er arbeitet nicht im Bereich der (organisierten) Kriminalität oder für einen Internetkonzern. Nein, er arbeitet aus eigenem Antrieb, im Dienste einer guten Sache, für höhere Weihen und eine bessere Welt. Er ist ein Berufener! Indem er tut, was er tut, erhöht er zugleich sich selbst, anverwandelt sich das höhere Andere, nimmt also eine Haltung ein, die die „Blues Brothers“ im gleichnamigen Film so herrlich unkorrekt auf die Hörner nehmen, wenn sie behaupten, sie seien im „Namen des Herrn“ unterwegs (und sie wollen ja tatsächlich ihr altes Waisenhaus retten)! Nur dass der Beschöniger es kaum parodistisch meint, sondern es sakral ernst nimmt. Das Sakrale braucht natürlich einen Widerpart – wie Gott einen Widerpart im gestürzten Engel Lucifer benötigt, um seine eigne Existenz nicht nur zu behaupten, sondern sie zur Notwendigkeit erklären zu können. Für den Beschöniger ist der Widerpart nichts anderes als die Wirklichkeit selbst. Aber in verzerrter Gestalt, in Transformationen und verschiedenen Erscheinungsformen des Satans! Denn der ist bekanntlich ein Gestaltwandler, der Orte und Zeiten durchschreitet (wie ihn uns die “Stones” beschreiben):
I stuck around St. Petersburg
When I saw it was time for a change
Killed the Czar and his ministers
Anastasia screamed in a vain
I rode a tank, held a generals´s rank
When the Blitzkrieg raged and the bodies stank
(Strophe 2, Sympathy for the devil)
Wenn also, um ein Beispiel zu bringen, die Bewohner eines Gelsenkirchener Stadtviertels bis in die Nacht lärmende Zugezogene beklagen, Drogenhandel und die Vermüllung von Straßen und Plätzen monieren, Zügel- und Regellosigkeit kritisieren, sagen, dass nachbarschaftliche Orte zu Angsträumen geworden sind und die städtischen Ordnungskräfte und die Polizei nicht für Abhilfe sorgen, sondern lediglich beschwichtigend und abwehrend reagieren, dann sieht der Beschöniger hier nicht die ernst zu nehmenden Sorgen von Mitbürgern, sondern den Teufel in Gestalt von Rassisten bei dem Versuch, die Wirklichkeit zu verzerren, um Unfrieden zu stiften, gegen andere Kulturen zu hetzen, ohne Empathie für andere Lebensweisen und ihre Kultur zu sein und schlichtweg die Situation völlig zu überzeichnen. Die Wirklichkeit ist für den Beschöniger eine Phantasmagorie, eine Spukerfindung des Satans, weil „ so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf.“ (Morgenstern, Die unmögliche Tatsache). ***
Geleitet wird er also nicht von dem, was ist, sondern von dem Idealbild dessen, was seiner Meinung nach sein sollte. Er tritt dabei wie eine dieser ambulanten Verkaufskanonen auf Mittelalter-Märkten auf, die eine dieser Pasten anpreisen, die den Schmutz auf wundersame Weise in Windeseile beseitigen und blitzblanke Oberflächen hinterlassen. Die Pasten, die der Beschöniger anpreist, heißen z.B. „ proaktive Sozialarbeiterpaste“, „ Probleme lösende Jugendtreffpaste“, „Konfliktbeseitigungs-Gesprächspaste“„Verständniszeigen-Paste“. Wobei Probleme nicht die machen, die sie erzeugen, sondern die, die Probleme als solche benennen! Das gilt aber nur, wenn die Problembenner solche sind, die, um Merkel zu zitieren, „schon länger hier leben“. Alle anderen stehen unter dem Schutz des Beschönigers. Denn sie zu verteidigen, ist gerecht und Teil seines Kampfes um die höheren Weihen.
So meint er! Und ist mit sich und der Welt zufrieden! Und geht, verzückt über sich selbst, noch eine Runde schwimmen – in seinem eigenen Geschwurbel!

* https://www.youtube.com/watch?v=4ZCaCk2rzeo
** https://www.zeit.de/kultur/film/2018-05/the-cleaners-dokumentation-facebook?utm_referrer=https%3A%2F%2Fmetager.de%2F
***https://www.textlog.de/17451.html

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Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

15 Gedanken zu „Beruf und Berufung: Reinigungsmann – Cleaner – Beschöniger

  • 15. Oktober 2021 um 13:31
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    OMG.
    Alles NAZIS.
    Auch diese Heidenreich. Diese alte Schrapnelle.
    Wo bleiben die Tatortreiniger?
    Die JUNGEN? GRÜNEN? WOKEN? GEGENDERTEN?
    https://ansage.org/heidenreichs-heilsamer-zorn-mischt-nicht-nur-lanz-auf/

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    • 15. Oktober 2021 um 13:47
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      Der Beitrag von ANSARGE.ORG begeistert mich. Und ich dachte schon, nur ich sei verwirrt aus der Zeit gefallen

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  • 15. Oktober 2021 um 13:40
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    Klasse Text!

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    • 15. Oktober 2021 um 14:06
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      @Fra.Prez.

      so sieht das die 1983 geborene Blitzbirne Mirco Schmid – in der FR. Schade um die alte FR…
      https://www.fr.de/kultur/tv-kino/markus-lanz-zdf-elke-heidenreich-sarah-lee-heinrich-juergen-trittin-tv-kritik-news-91049087.html

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  • 15. Oktober 2021 um 13:44
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    💙

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  • 15. Oktober 2021 um 13:53
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    Wie die Geschirrberge in meiner Küche verraten, neige ich bei Problemen wegzuschauen. Dafür kann ich aber auch hinterher von mir behaupten, ich hätte ja von gar nichts gewusst.

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    • 15. Oktober 2021 um 13:55
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      Du meinst Dein Statement als Hauptdarsteller einer dieser “Messi-Ausräum-Soaps” im Trash-TV, wenn Deine Spüle mit einer Baggerschaufel ausgeräumt wird?

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  • 15. Oktober 2021 um 13:57
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    Das Tragische ist, dass niemand von diesen Dummschwätzern überhaupt in der Nähe solcher Ghettos wohnen muss.

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    • 15. Oktober 2021 um 14:05
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      @Ro.Bie.

      …oder je auf Tuchfühlung zu dieser (….hach, was traue ich mich nur zu schreiben????) Mischpoche gewesen

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      • 15. Oktober 2021 um 14:08
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        @Fra.Prez.
        Ebend. Wir werdens nicht mehr erleben..die wundersame Wandlung – fürchte ich…

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  • 15. Oktober 2021 um 23:21
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    Meine Mutter hat vor 15 Jahren schon nach einem Besuch des Waltroper Parkfestes gesagt, dass die Jungen aber extrem spießig seien.
    Ansonsten spiegeln wir in unserem Verhältnis zu Tieren ja uns selbst wider: es gibt Schoßhündchen, wenn die Besserbürger beißen, ist man versichert, andere haben ja kein Geld für einen Anwalt – und Schlachtvieh, das sind die ohne Anwalt und ohne Schutz der Besserbürger. Das gleiche dann noch einmal in der Variante für Rechtsextreme. Auf jeden Fall stark ausgerichtet an den Bedürfnissen von Egozentrikern, die entweder die Moral oder die Nation gepachtet haben, obwohl das Geld in die andere Richtung fließt.

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    • 16. Oktober 2021 um 7:34
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      Zitat Ho.Ke.Ada.: “Auf jeden Fall stark ausgerichtet an den Bedürfnissen von Egozentrikern, die entweder die Moral oder die Nation gepachtet haben, obwohl das Geld in die andere Richtung fließt.”

      Schräg ist, dass die Freunde der “Moral”, nachdem ihr Versuch, die Produktionsmittel zu vergesellschaften gescheitert ist, sich im Überbau breit gemacht haben und dort Entwicklungen ausbremsen und nicht zu vergessen, eifrige Förderer der Freunde der Nation sind. Die AfD wäre nix, wenn sie nicht durch Beschwichtiger, Verdränger, Realitätsleugner gepampert würde.

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      • 16. Oktober 2021 um 8:14
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        Alles schon da gewesen: Ihr habt kein Brot? Esst Kuchen!

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  • 16. Oktober 2021 um 10:20
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    In der Regel sind diese Beschöniger durchschnittliche Leute, auf überdurchschnittlich dotierten oder relevanten Posten, und sobald im Amt, völlig vom Ehrgeiz verlassen!

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  • 17. Oktober 2021 um 14:37
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