Onkel Fipsis Mitmachzirkus

Gelsenkirchenern, die als Kinder mit Elter 1 und Elter 2 in den damaligen Ruhr-Zoo gegangen sind, ist ONKEL FIPSI natürlich ein Begriff. Für die Jüngeren sei gesagt: Onkel Fipsi, mit bürgerlichem Namen Franz Lukaszewski, lebte in Gelsenkirchen und war ein Clown, der auf Schiffsfahrten, bei Stadtteilfesten und Feiern, aber eben auch in der Arena des Ruhr-Zoos auftrat. Kein Zoo-Besuch ohne Onkel Fipsi, der eine ganze Palette von Clowns-Späßen und kleinen artistischen Nummern abspulen konnte. Und wer Glück hatte, durfte in der Arena mitmachen. Und welches Kind wollte das nicht gerne? Einmal im Rund der Arena vor vielen Zuschauern mit Onkel Fipsi auf der Bühne stehen!
Onkel Fipsi ist nicht mehr – aber er lebt als Legende weiter in den Erinnerungen der Älteren!


Aber auch für die jüngeren Generationen unter uns gibt es fröhliche Mitmachangebote. Ein schon fast ritualisierter Knaller im Programm ist der Kampf gegen den Faschismus. Gut – jetzt nicht so wirklich und in echt! Also nicht gegen stiernackige Prügelhorden in braunen SA-Uniformen und mit Hakenkreuzbinden und Schlagstöcken! Nicht gegen paramilitärisch organisierte Schläger, die glatzköpfig sind und aus rauen Kehlen Nazi-Parolen schreien! Hier haben wir die Light-Version des Antifaschismus! Wir haben den harten Kampf gegen kreuzbrav ausstaffierte AfDler in Anzug und mit Krawatte, nicht gerade gewaltbereit und rhetorisch nicht unbedingt in der 1. Liga spielend, mehr oder weniger bürgerlich an der Grenze zum Belanglosen. Die aber trotzdem (oder gerade deshalb) bei der letzten Wahl in Gelsenkirchen mehr Stimmen bekommen haben (wenn auch nicht mehr Sitze im Rat der Stadt) als die GRÜNEN!
Und gegen diese Volkstanzgruppe galt es nun am letzten Wochenende den antifaschistischen Kampf zu führen, so berichtet jedenfalls die Seite „Antifaschistisches Gelsenkirchen.“*
Bei diesem harten antifaschistischen Kampf haben dann auch einige Jugendliche mitgemacht, letztlich aber „wieder nur (die) üblichen Verdächtigen“*, also Menschen aus den Reihen der „VVN-BdA, der Bündnisgrünen, der Jusos, der Falken, der DIE LINKE und von Fridays for Future“.* Wobei ich natürlich sagen muss: Bei so vielen Organisationen, die mitgemacht haben, waren 60 Anwesende* nicht wirklich viele, die aktiv gekämpft haben. Alleine bei FFF sind es ja sonst Tausende, die auf die Straße gehen. Aber vielleicht lag es daran, dass diese Mitmachaktion am Samstag stattgefunden hat, und da können oder dürfen die Freitagskinder natürlich nicht auf die Straße. Jedenfalls waren es leider weitaus weniger, als ich es von den Aktionen mit Onkel Fipsi in Erinnerung habe.
Nicht, dass Ihr mich jetzt falsch versteht! Erfolgreich war die Sache schon. Das Motto lautete ja: „Rettet die (Innen-) Stadt vor der AfD!“ * Und ich bin am Sonntag (am Samstag konnte ich nicht) extra in die Stadt gegangen, und sieh an: Die AfD war weg und die Stadt war noch da!
Also: zwei Aspekte haben mir nicht so gut gefallen. Einerseits das Gebimmel der Altstadtkirchen-Glocken. Wenn die zum Gebet rufen, dann ist das in Ordnung. Aber dieses zusätzliche Gebimmel hat bestimmt Irritationen ausgelöst, weil man denken konnte, es sei schon Zeit für den Sonntagsgottesdienst. Und auch die evangelische Kirche verliert wie ihre katholische Schwesterorganisation immer mehr Mitglieder. Da sollte kein Gebimmel unnötig erfolgen! Im Gegensatz zum Redakteur der Seite „Antifaschistisches Gelsenkirchen“ kann ich mich darüber also nicht freuen!
Was ich aber wirklich übel finde, sozusagen chauvinistisch, frauenfeindlich und männlich-arrogant, ist die Bezeichnung einer AfD-Stadträtin als „Schlumpfine“. Wenn man auch noch den Migrationshintergrund der Frau in Rechnung stellt, bekommt diese als Abwertung zu verstehende Kategorisierung sogar einen rassistischen Hautgout!
Aber gut! Sehen wir darüber hinweg! Hauptsache ist doch, dass die versammelten Antifaschisten nach der Aktion ein gutes Gefühl hatten. Das Gefühl, dem Faschismus mal wieder so richtig die Fresse poliert zu haben! Und dann als Sahnehäubchen noch das 4:2 gegen die Portugiesen! Das war dann schon fast so geil, wie die Nachmittage im Ruhr-Zoo mit Onkel Fipsi!
Aber eben nur fast!
*https://antifaschistischesgelsenkirchen.wordpress.com/category/rechts-aussen/afd/

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Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

19 Gedanken zu „Onkel Fipsis Mitmachzirkus

  • 21. Juni 2021 um 13:42
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    muß es nicht „Rettet die Stadt (-Innen) vor der AfD!“ heißen? 🧐

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    • 21. Juni 2021 um 15:14
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      Meine Antwort auf Ihre Frage ist eine vorläufige, also so eine Art Arbeitshypothese: Nach dem gegenwärtigen Stand des Genderismus (Mainstream-Gender) wäre in der Tat zu erwarten: Stadt-Innen oder Stadt*Innen. In Gelsenkirchen hat sich allerdings in bestimmten politischen Kreisen, besonders bei den GRÜNEN, die „Bestimmungswort-Variante“ durchgesetzt. Zur Erläuterung: Im Grunde besteht Stadt-Innen, wie sonst auch bei Komposita üblich , aus einem Grundwort und einem Bestimmungswort. Das ist bei Innen-Stadt oder Innen*Stadt im Grunde nicht anders, nur dass Grund- und Bestimmungswort die Plätze tauschen. Der deutsche Begriff „Bestimmungswort“ signalisiert aber bereits, was sich ändert:das sprachliche Signal, hier Innen, der Bestimmung rückt auf die erste Stelle vor, wird durch die Spitzenstellung dominant. Wenn ich in Abweichung vom üblichen Satzbauplan anstelle von „Ich verreise heute“ sage „Heute verreise ich“ betone ich durch die Spitzenstellung die Zeitadverbiale (HEUTE). So ist es in der gewählten Variante auch der Fall:Das INNEN wird betont, also die Komponente der Feminisierung. Meiner Meinung ist das von Ihnen gegebene Beispiel keine einfach sprachliche Unzulänglichkeit oder Liederlichkeit, sondern Ausdruck eines ( im Moment noch) sprachlichen Machtanspruchs. Es ist ja wohl nicht zufällig so, dass diese Sprachvariante auftaucht, als auch die Forderung nach mehr Frauen(namen) auf Straßenschildern erhoben wird !
      Aber, wie gesagt: das ist nur eine Arbeitshypothese.
      Danke für Ihre sprachliche Aufmerksamkeit und Sensibilität.

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      • 22. Juni 2021 um 8:39
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        Boa ey……

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  • 21. Juni 2021 um 13:43
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  • 21. Juni 2021 um 14:03
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    Bin enttäuscht – von der gesamten Social-Media-Gemeinde. Kein Video, kein Podcast – nirgends – nicht mal vom Glockengebimmel – übrigens auch nicht von der katholischen „BRUDERSCHAFT“ – soviel Zeit muss sein.
    Nur die Infozentrale hat im Telegrammstil aus dem Bauch heraus nacherzählt…

    https://twitter.com/InfozentraleGE/status/1406165524434853888

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    • 21. Juni 2021 um 17:51
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      Interessante Wortwahl der Berichterstatter – Jörg Schneider (AfD) hält Wutrede, schreit weiter rum, es gibt rassistische Hetze, Steuerquatsch, Öde, Blabla, Gefasel, Preis im Rumschreien, Selbstständiger erntet Gelächter, weil er nicht weiß wie es weiter gehen soll, Rumgeschreie, Rumgeheule, rassistische und antiziganistische Hetze, Pfiffe, Nazis raus Rufe.
      Das wäre spannend, zu dem Bericht die entsprechenden Originaltöne und Bilder zu haben. Es liest sich, als wenn die alle den Hitzler trainiert oder eine Goebbelsche Sportpalastrede gehalten hätten.

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      • 21. Juni 2021 um 19:05
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        hach…wieso gibts da keine Webcam auf dem Platz? Das bisschen was da fotografiert wurde, auf beiden Seiten ist ja eher besser zum schnell wieder vergessen…das traurige Dutzend…

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    • 22. Juni 2021 um 9:16
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      Wir sollten der „Infozentrale“ ein passendes „Branding“ geben (..ja, ja, ich weiß um den blöden Anglizismus, aber ist bei mir tief im Werber-Thalamus verankert). Was meinst Du? Etwas mit internationalem Flair? Oder eher in der Tradition der sozialistischen Bruderstaaten? …“Infozentrale 401″???

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      • 22. Juni 2021 um 9:36
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        GE-Prawda – Nachrichten ohne genetische Fesseln, Frau im Spiegel – gentle Nachrichten aus der Stadt der 1000 Queeren (feministisches Pictogram) na na… alles nicht so zündend, aber die merken nicht, dass ein feministisches Zeichen große Bevölkerungsgruppen ausschließt.

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        • 22. Juni 2021 um 9:42
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          WOW! Da haben wir es doch: GE-Prawda. Die Subline „Freie Nachrichten ohne genetische Zensur“ ist die perfekte Abgrenzung zur Konkurrenz der WAZ Gelsenkirchen, dem Stadtspiegel, dem Vorwärts, der TAZ u.a.

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          • 22. Juni 2021 um 10:00
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            @Fra.Prez. Find ich gut!

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          • 22. Juni 2021 um 10:10
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            @Redaktion HerrKules Seitdem ich gestern im CDU-lustigen-Ruhrbarone-Blog den Artikel über trans-was-auch-immer-Sportskanonen las und ihre Option zu Goldmedaillen, bin ich nicht mehr so sicher, was ich von diesem Geschlechter-Hopping halten soll…

            https://www.ruhrbarone.de/transgender-athleten-im-leistungssport-nur-etwas-fuer-impfgegner-und-trumpisten/199846

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            • 22. Juni 2021 um 10:13
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              Vorsicht, alleine schon das Nachdenken über die Problematiken bringt dich in gefährliche Nähe eines unbelehrbar:In Ewig-Gestrig:In – kurz: das ist Reaktionär.

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              • 22. Juni 2021 um 10:16
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                Sch*🥳egal! Ausnahmen bestätigen nach wie vor die Regel!

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          • 22. Juni 2021 um 10:30
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            wer bietets denn den protagonisten an – die kostenlose branding-entwicklung?😁

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  • 22. Juni 2021 um 8:41
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    Köstlich zu lesen. Danke!

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  • 22. Juni 2021 um 8:48
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    Finde auch, der oder die Aufzeichner von der Infozentrale haben ein gewisses, humoriges Talent.

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  • 22. Juni 2021 um 10:51
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    Namensvorschlag:
    VADEMECUM FÜR POLITISCHE ÄSTHETIK!

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  • 22. Juni 2021 um 12:53
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    Ergänzendes Material zum Beitrag „Onkel Fipsis Mitmachzirkus“

    Die folgenden Aufgabenstellungen sollen der Wahrheitsfindung dienen. Das Material zu den Aufgaben ist den beiden unten genannten Quellen entnommen (Zitate). Bitte bearbeiten Sie die Aufgaben und stellen Sie ihre Lösungen hier ein!

    1. Themenbereich: Anzahl der Teilnehmenden

    A) NoAfD und Gegenkundgebung starten langsam. Bei der AfD sind etwa 30 Leute, bei der Gegenkundgebung etwas mehr.

    B) Etwa 60 Teilnehmende fanden sich trotz kurzfristiger Mobilisierung zur Gegenkundgebung auf dem Neumarkt ein(..) Die AfD konnte etwa 30 Personen einsammeln.

    Geben Sie einen Erklärungsansatz dafür, dass die Angaben über die Teilnehmerzahl bei der AfD-Veranstaltung identisch sind (30), bei den Angaben zur Gegenkundgebung aber beträchtlich voneinander abweichen (A etwas mehr, B etwa 60)!

    2.Themenbereich: Qualifizierung des Publikums

    A) Gegenkundgebung scheint aber zum Parteiauflauf zu verkommen.

    B) Die Breite des Bündnisses wurde in der Auswahl der Redner:innen deutlich, nach dem Bündnissprecher Paul Erzkamp sprachen unter anderem Vertreter:innen der VVN-BdA, der Bündnisgrünen, der Jusos, der Falken, der DIE LINKE und von Fridays for Future.

    Bewerten Sie vor dem Hintergrund von Quelle B) die Einschätzung in Quelle A (zum Parteiauflauf verkommen)!

    Themenbereich 3: Sprache als Mittel der Gedankenlenkung

    Quelle B) formuliert, dass sich bei der Gegenkundgebung „Personen einfanden“, über die AfD-Veranstaltung heißt es, der AfD gelang es „wieder nur die üblichen Verdächtigen einzusammeln“.

    Nehmen Sie begründet zu der Frage Stellung, ob die Quelle B) hier manipulativ einzuwirken versucht!

    Fakultative Aufgabe (Extra-Punkte): Konfrontieren Sie in einem „post“ die Verfasserinnen (Quelle A) und den Verfasser des Beitrags (Quelle B) mit Ihren Arbeitsergebnissen und fordern Sie eine Rückmeldung ein!

    Quelle A: https://twitter.com/InfozentraleGE/status/1406176210435125249
    Quelle B: https://antifaschistischesgelsenkirchen.wordpress.com/

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