Über klammheimliche Freuden, pfiffige Mordaufrufe und Dinge, die man einfach nicht tut

Irgendwann im Deutschen Herbst 1977 führte die österreichische Politrockgruppe Schmetterlinge ihr mit Kultstatus versehenes Oratorium „Proletenpassion“ im Audimax der Ruhr Uni Bochum auf. Die bundesdeutsche Gesellschaft war zu dieser Zeit gespalten, die meisten lehnten die Morde der RAF ab, wenngleich manche eine „klammheimliche Freude“ über die Erschießung des Generalbundesanwaltes Buback nicht verhehlen konnten.

In diese Stimmung hinein intonierten die Schmetterlinge im überfüllten Audimax minutenlang vor einem gebannten Publikum instrumental die ersten Takte der Manhatten Transfer Version von „Tuxedo Junction„. Die Spannung steigerte sich von Minute zu Minute, niemand ahnte, worauf das hinaus laufen sollte. Schockstarre, als die Vokalisten mit dem „Boop Bop, Boop Bop“ einsetzten, durch eine kleine Lautverschiebung war es zu einem „Buback Buback“ geworden. Ein genialer Regieeinfall, ebenso genial umgegesetzt.

Das Publikum brauchte einige Zeit, um sich zu verhalten. Die ersten Klatscher entschieden dann, dass man diese Form des politischen Nachrufes goutieren könne.

Ich war nicht amüsiert, musste allerdings anerkennen, dass die Inszenierung, das Spiel mit dem Publikum und der angeheizten gesellschaftlichen Stimmung, das ausreizen der Schmerzgrenzen, beneidenswert war.

Jahrzehnte später verschreckte die „Partei“, der ich bei der Kommunalwahl aus Gründen meine Stimme schenkte, mit dem Plakat „Nazis töten.“ den flüchtigen Leser. Ich finde es interessant, wenn Wähler intellektuell vom Kandidaten herausgefordert werden.

So weit, so gut.


Heinz Niski

Handwerker, Rentner,

11 Gedanken zu „Über klammheimliche Freuden, pfiffige Mordaufrufe und Dinge, die man einfach nicht tut

  • 23. Februar 2021 um 18:36
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    „Nazis töten.“ Ist übrigens eine Beschreibung dessen, was Nazis tun. Keine Aufforderung, Nazis zu töten. Dass ihr die AfD mit Nazis gleichsetzt, ehrt euch. Eure Kritik an der sehr guten Partei Die PARTEI ist nicht nachvollziehbar.

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    • 23. Februar 2021 um 18:42
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      Tach Rene, geschenkt, einige Familienangehörige sind durch oder wegen Nazis gestorben. Du hast garantiert den von mir mit zitierten Punkt gesehen, weist also, dass ich sowohl die Urteile kenne und diesen Teil der Show gut finde. Was nicht korrekt ist: ich habe an keiner Stelle die (Gelsenkirchener) AfD mit Nazis gleich gesetzt. Da berufe bzw. beziehe ich mich auf mehrere Hinweise von dir/euch. Ihr habt das so analysiert und rechtfertigt damit, wenn auch ironisch gebrochene, fragwürdige Empfehlungen. Noch mal: draußen – okay. Im Parlament (oder den Büros) – Kacke. Inflationiert diesen „Nazi“ Begriff nicht.

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  • 24. Februar 2021 um 11:56
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    @Rene: Du hast oben geschrieben:
    „Nazis töten.“ Ist übrigens eine Beschreibung dessen, was Nazis tun. Keine Aufforderung, Nazis zu töten.

    Zunächst einige inhaltliche Anmerkungen: Heinz N. hat bereits angemerkt, dass es auch darum geht, den Nazi-Begriff nicht inflationär zu verwenden. Soweit in dem Slogan das Wort „Nazi“ gebraucht wird als Kurzform für „Nationalsozialisten“ (NSDAP), ist der Slogan, so wie er jetzt oben interpretiert wird, eine Verharmlosung des Nationalsozialismus. Wir sprechen in diesem Zusammenhang nicht von Tötungen (Nazis töten), denn die passieren täglich bei uns, auch nicht einmal nur von Morden, sondern von einem geplanten, fabrikmäßig organisierten Massenmord. In Bezug auf die Geschichte ist der Slogan also unbrauchbar, falsch, verharmlosend!
    Ich vermute aber mal, dass der Begriff in die Gegenwart reichen soll. Da wird er anders verwendet. Dushan Wegner schreibt dazu:
    „Wer einen anderen Menschen »Nazi« nennt, der will wehtun. Wer »Nazi« sagt, der will abgrenzen und spalten. Er selbst ist der »Gute«, der andere ist der »Nazi«.“ Und weiter: „Der Begriff »Nazi« ist moralisch als größtmögliches Übel belegt. Selbst einem Mörder werden eher Grundrechte wie Würde und Unversehrtheit zugestanden als einem »Nazi«.“
    (Quelle: https://www.dushanwegner.com/nazi/)
    So gesehen ist der Spruch eine moralische Selbstüberhöhung. Durch eure satirische Selbstbezeichnung als „sehr gute Partei“ vermeidet ihr wunderbar eine solche Selbstüberhöhung, durch den Plakat-Slogan aber schlagt ihr diesen satirischen Ansatz mit einer übergroßen Moralkeule kaputt und stilisiert euch selbst zu Moralaposteln! Ihr seid die Guten, die die Moral für sich reklamieren – was nicht so ganz hinhaut, wie der Streit zwischen N. Semsrott (inzwischen ausgetreten) und M. Sonneborn verdeutlicht hat.
    Zur sprachlichen Gestaltung:
    Beim Slogan „Nazis töten.“ haut es mit der oben zitierten Antwort noch halbwegs hin, weil die sprachliche Gestaltung Doppeldeutigkeiten zulässt.
    Der Punkt als Satzzeichen vermeidet das Ausrufungszeichen als Signal für einen Imperativ, die elliptische Verkürzung des Satzes (Verzicht auf den bestimmten Artikel) lässt offen, ob NAZI hier Subjekt ist, also wie in deiner Interpretation (Wer tötet?), oder Objekt: Tötet Nazis (wer soll getötet werden?).
    In Bezug auf die Fußmatte vor dem Fraktionsbüro wird es allerdings klarer: Man tritt sich die Füße ab, hier tritt man sich die Füße symbolisch an Nazis ab. Man tritt sich die Füße ab an etwas oder an jemandem, das bzw. der auf dem Boden liegt. Eine Gewaltphantasie, eine unmenschliche Handlung. Halt so, wie es Wegner oben beschreibt: Selbst einem Mörder werden eher Grundrechte wie Würde und Unversehrtheit zugestanden als einem »Nazi«.
    Das Ganze aber mit dem Gefühl, ein guter Antifaschist zu sein. Ein Antifaschist mit einer billigen Fußmatte!

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    • 24. Februar 2021 um 12:49
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      zu „Nazis töten.“ hatte ich mich ja schon geäußert. Dass „Nazis abtreten!“ so semantisch falsch „verstanden“ werden kann, hätte ich nicht gedacht. Nazis haben in den Parlamenten unseres demokratischen Systems nichts zu suchen. Deshalb sollen sie abtreten. Das ist damit gemeint. Am Rande: Zum Glück haben Nazis nicht mehr die Macht, Genozide durchzuführen. Trotzdem gibt es auch heutzutage Nazis. Auch solche, die töten. Diese haben abzutreten. Was faselt ihr von Gewaltfantasien und Moralkeule? Ein Letztes: Antifaschist ist übrigens jeder Mensch, der sich zur Demokratie bekennt. Was ist daran falsch, Antifaschist zu sein?

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      • 24. Februar 2021 um 12:56
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        Der Duden über „faseln“:
        unüberlegt, wirr, meist weitschweifig und ohne genaue Sachkenntnis von etwas reden oder über etwas schreiben; Unsinn von sich geben; daherreden

        Gebrauch
        umgangssprachlich abwertend

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      • 24. Februar 2021 um 15:51
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        @Ren.Dom
        Verstanden: in dem einen Slogan (Nazis töten) wird das TUN beschrieben, beim ABTRETEN ist es nun doch, auch ohne Ausrufungszeichen, ein Imperativ, also die Aufforderung abzutreten. Oder ist es vielleicht doch umgekehrt?

        dann die Sätze: Antifaschist ist übrigens jeder Mensch, der sich zur Demokratie bekennt. Was ist daran falsch, Antifaschist zu sein?
        a)Nichts ist daran falsch, Antifaschist zu sein, ganz im Gegenteil. Das steht aber auch nicht im Beitrag von Heinz oder einem der Kommentare, sondern es wird die antifaschistische Pose kritisiert! (Fußmatten-Antifaschismus!)

        b) Da die AfD sich zur Demokratie und zum Grundgesetz bekennt, jedenfalls in ihrem Grundsatzprogramm, müsste sie also „antifaschistisch“ sein. Aber vielleicht nimmt sie es da mit der Sprache und den von ihr getragenen Inhalten nicht so genau.

        dann zur Aussage: Trotzdem gibt es auch heutzutage Nazis. Auch solche, die töten. Diese haben abzutreten.
        Ja, es gibt auch heute noch Anhänger des Nationalsozialismus. Und unter denen gibt es auch Mörder (!). Von was sollen denn diese LEUTE, wie etwa die vom NSU „abtreten“, oder auch andere Mörder, etwa der des Politikers Walter Lübcke oder der der Menschen in Hanau. Abtreten kann man doch nur von einer Funktion, einem Amt (oder grundsätzlich vom Leben).
        An wen richtet sich also das im Stile eines Dekrets vorgetragene „Abtreten“ genau? Ich fände es gut, wenn du politisch erläutern würdest, woran du fest machst, ob jemand ein Nazi ist!

        Ich bin jedenfalls lernbereit!

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  • 24. Februar 2021 um 13:01
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    Manchmal entsteht der Reflex, Maskennazis mal kräftig die Fresse zu polieren, nur um auszuprobieren ob Mund und Nase auch vom Mund-Nasen-Schutz auch geschützt werden.

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  • 24. Februar 2021 um 13:11
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    vielleicht sollten wir das abkürzen. wer eine differenzierte betrachtungsweise fordert, betreibt „green“ oder „white“ washing für nazis (hier afd) und gehört deshalb nicht mehr zum kreis der anständigen / demokraten / antifaschisten.

    erspart viel hin und her geschreibe.

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    • 24. Februar 2021 um 13:37
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      diesen abkürzen den Kommentar verstehe ich nicht. Gehöre ich also deines Erachtens nicht mehr zum Kreis der DemokratX? Was für ein fabuliertes Gefasel…. zumindest, wenn das gemeint sein sollte.

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      • 24. Februar 2021 um 13:39
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        Gib mir bitte einen Tag Zeit darüber zu meditieren, ob du ein satirisches Tänzchen machst oder ob nur Verständigungsprobleme vorliegen.

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        • 24. Februar 2021 um 16:39
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          wenn Meditation hilft, immer gerne. Nimm Dir alle Zeit der Welt.

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