Die geheimen Tagebücher der K.W. (21)

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Liebes Tagebuch!
Der Platz vor dem Hans-Sachs-Haus war voller Menschen. Immer wieder Rufe, allerdings manchmal in Geschrei übergehend, viele Fahnen, Transparente, Musik, manchmal auch Gesang. Lautes Klatschen, wie ich es vorher noch nie vor meinem Büro gehört habe! Selbst beim Karneval nicht!
Nein, nein! Ich schreibe nicht von der Nacht der Glückseligkeit, dem Freudentaumel über den Wiederaufstieg des FC Schalke 04 in die erste Liga nach einem Jahr des Abstiegs. Wenn das mal mit der Stadt auch so ginge – der Aufstieg in die 1. Liga – neben Hamburg, Frankfurt, München, Düsseldorf. Da gehören wir doch eigentlich hin, wie doch auch Schalke in die 1. Liga gehört.
Nein, diese zehntausend Menschen, Beschäftigte in KiTas und in städtischen Jugendämtern, versammelten sich nicht, um den Wiederaufstieg zu feiern. Sie klatschten nicht für mich. Aber ihre Pfiffe, die galten mir! Nein, nicht Schalke! Ich schreibe von der Verdi-Veranstaltung, der zentralen Streikversammlung. Und ich bekomme den Ärger ab – nur weil ich Präsidentin der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände bin. Als wenn ich bestimmen würde, welches Angebot den Beschäftigten gemacht werden soll. Sich ausgerechnet in dieser armen Stadt, für die ich Tag für Tag kämpfe, zu versammeln, um dann nach mehr Geld zu rufen, das ist doch geschmacklos, das ist frivol, das ist zynisch!
Die wissen doch überhaupt nicht, wie es um die Stadt steht. Dass wir bisher noch nicht einmal eine Nachfolgelösung für das Restaurant im Hans-Sachs-Haus gefunden haben, das sagt doch fast alles. Ein Rathaus, aber kein Restaurant, noch nicht einmal ein Bistro oder ein Café für unser schönes Foyer. Dabei könnte das doch ein place to be sein! Aber dafür haben wir ja mitten in der Stadt eine riesige Hanfplantage gehabt mit 1200 Pflanzen. Vielleicht nehmen wir aus dem Wappen die Buersche Linde weg und setzen eine Hanfpflanze rein. Dann weiß jeder gleich, wo er dran ist!
Und weißt du, was ich befürchte, wo die Zurgiebel bald weg ist? Da wird die schräge Marketing-Trulla noch mehr aufdrehen, diese Lady Falke, die die Tage hauptsächlich damit verbringt zu posten, was sie wieder toll an den Start gebracht hat. Fehlstarts vielleicht!
Für mich war es jedenfalls bisher keine tolle Woche! Eher unterirdisch! Aber immerhin: die Sonne scheint – auch über dieser Stadt und auch für mich!
Und es gilt:
Ego sum, qui sum!
Für den Moment aber erst einmal:
Schlaf gut, liebes Tagebuch!
Auf bald!

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Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

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Heinz Niski

Holla die Waldfee, demnächst also statt Zurgiebel Mode-Gezicke, alltags-philosophische Selbstvergewisserungsschnappschüsse? Ick freu mir. Wobei…. gibt es keine Männer, an denen Frau sich reiben kann?

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