ELEVATOR´S GOING UP! (63)

Heute mit: Zeichen der Zeit und Zeichen der Energiewende
Allüberall wird geraunt, die Zeichen stünden auf Ampel, die Sondierungen hätten Fahrt aufgenommen, der Koalitionszug sei schon fast auf dem Gleis und dergleichen Metaphern mehr. Aber kaum jemand beschäftigt sich mit dem Wesen einer Ampel. Klar, die hat drei Farben – rot, gelb, grün. Und sie hat eine Rot-Phase, eine Rot-Gelb-Phase, eine Gelb-Phase und eine Grün-Phase. Ja, drei Farben, vier Phasen. Dahinter steckt auch eine alte Fahrschullehrerfrage: Welche Farbe folgt auf Rot? Nein, nicht Gelb! Auf Rot folgt Rot-Gelb. Nach Rot-Gelb kommt Grün. Nach Grün wird es Gelb. Dann Rot. Aber was wichtiger ist: Die Phasen sind unterschiedlich lang! Rot- und Grün-Phasen werden nämlich für die einzelnen Kreuzungen – also je nach Bedarf bzw. Verkehrsaufkommen – individuell programmiert, bei festgelegten Mindestzeiten allerdings. Die Gelbphase dagegen richtet sich nach der an der Kreuzung zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Glauben Sie nicht? Bitte schön: Hier der entsprechende Abschnitt aus der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung (VwV-StVo zu § 37 /17/IX):
„Besonders sorgfältig sind die Zeiten zu bestimmen, die zwischen dem Ende der Grünphase für die eine Verkehrsrichtung und dem Beginn der Grünphase für die andere (kreuzende) Verkehrsrichtung liegen. Die Zeiten für Gelb und Rot-Gelb sind unabhängig von dieser Zwischenzeit festzulegen. Die Übergangszeit Rot und Gelb (gleichzeitig) soll für Kraftfahrzeugströme eine Sekunde dauern, darf aber nicht länger als zwei Sekunden sein. Die Übergangszeit Gelb richtet sich bei Kraftfahrzeugströmen nach der zulässigen Höchstgeschwindigkeit in der Zufahrt. In der Regel beträgt die Gelbzeit 3 s bei zul. V = 50 km/h, 4 s bei zul. V = 60 km/h und 5 s bei zul. V = 70 km/h. (…)“ *

Ist schon klar, was das politisch aussagt? Fast alles! Grün ist selbstständig, Rot ist selbstständig. Aber Gelb ist festgezurrt, festgelegt, hat keinen Spielraum, muss sich nach der allgemeinen Lage richten bzw. wird eingerichtet. Hängt zwischen den beiden anderen fest und zeitweilig sogar an einer Farbe! Wenn also ROT und GRÜN mehr Schulden machen und Steuern erhöhen wollen, GELB aber höhere Steuern und höhere Schulden ablehnt, wie lange wird GELB noch leuchten (dürfen)? Denn mit den höheren Steuern und den höheren Schulden auf der einen und der Schuldenbremse und einer Steuersenkung auf der anderen Seite ist es so wie mit einer Schwangerschaft: Halbschwanger geht nicht!
Fragt sich also: Wer ist das heiße Würstchen, – nein!- das arme Würstchen zwischen den beiden Weizenbrötchenhälften? Wer muss Kröten schlucken? (Grüne tragen Kröten doch nur auf die andere Straßenseite!). Wer geht auf die anderen zu und damit von seinen Wahlversprechen weg? Wer gibt Positionen auf, sackt aber dafür Posten ein? Wer gibt den Judas? Bedenken Sie bei der Antwort: Judas war der wichtigste Jünger, denn ohne ihn kein Verrat, keine Kreuzigung, keine Auferstehung, also kein Christentum! Ohne einen Judas keine Ampel-Koalition! Und wer sagt endlich, dass die deutsche „Energiewende“ (falls man Energie überhaupt wenden kann!) so nicht funktionieren wird?

Die Antwort ist klar!

Macron!
Macron gibt sich ambitioniert – er will ja erneut gewählt werden! Er hat einen Führungsanspruch Frankreichs in den wesentlichen Industriebereichen angemeldet: Automobilindustrie, Energiewirtschaft, Entwicklung neuer Technologien. Im Grunde also eine Art trumpsches Postulat: Fronkreisch först! Ohne es überhaupt anzusprechen, macht er damit einerseits klar, dass Frankreich Deutschland den Rang als führende Industrienation streitig machen will und dafür Chancen sieht. Andererseits erhebt er mit seinem Atomkurs, den er auch in der EU durchdrücken will, den Anspruch auf eine Führungsrolle in der Staatengemeinschaft.
Macron hat konkret folgende drei Bereiche besonders hervorgehoben: Ausbau der Atomenergie – Wasserstofftechnologie – E-Mobilität. Wobei er den Weg der Dekarbonisierung (Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zur CO2-Reduzierung) wesentlich über den Atompfad gehen und deshalb die Atomkraft ausbauen will. Dass der französische Präsident dabei auch die EU auf den Atompfad ziehen will, muss auf Widerstand der deutschen Grünen stoßen. Eine Zustimmung käme einer grünen Selbstentleibung gleich!
Ob man nun Atomenergie als CO2-neutrale Energiegewinnung positiv oder negativ einschätzt, mag unterschiedlich sein. Immerhin macht aber Macron klar, dass er nicht dem in Deutschland allseits verbreiteten Delirium verfallen ist, in dem quer durch die Parteienlandschaft eine Konkurrenz um den noch früheren Ausstieg aus Kohle und Atom begonnen hat, bevor der Ausbau alternativer Energien einen Grad erreicht hat, der eine sichere Versorgung mit (kostengünstiger!) Energie für Haushalte und Industrie gewährleistet. Und zu dieser Irrsinnskonkurrenz gehört auch die Wahrheit, dass Deutschland schmutzige Kohleenergie aus Polen und Atomstrom aus Frankreich importiert, um die Versorgung mit Strom aufrecht zu erhalten, wenn der Wind nicht bläst und die Solarkraft nicht ausreicht. Und das war im 1. Halbjahr 2021 in hohem Maße der Fall!
Auf den ersten Blick scheinen auch zahlreiche deutsche Konzerne dem grünen Delirium verfallen zu sein, forderten jüngst doch die Köpfe von 69 Unternehmen von Rang und Namen mehr Klimaschutz und versprachen die Umstellung der Produktion unter den Gesichtspunkten der Klimaneutralität. Das klingt alles gut! Die deutsche Großindustrie auf dem Weg zum klimaneutralen grünen Markenkern! Aber das „Kleingedruckte“ ist bitte auch zu beachten! Die Konzerne bzw. ihrer Lautsprecher sehen das natürlich alles im Kontext der Entwicklung auf den Weltmärkten, wo man „grünen Stahl“ und „grüne Energie“ verkaufen möchte. Bis dahin wünscht man sich aber: Staatliche Unterstützung! Meint: Subventionen, also Geld aus dem Finanzsäckel des Staates. Den großartig versprochenen Umbau der Industrie unter dem Label „grün“ soll also der Steuerzahler finanzieren und nicht zu Lasten der Anleger gehen, die hinter den Konzernen stehen. Die kommen ja wieder zum Zuge, wenn die Gewinne ausgeschüttet werden. Wir leben eben in einem Marktwirtschaftswunderland! Oder einer wunderlichen Marktwirtschaft!
Bleibt noch zu vermelden, dass wir Heizungsenthusiasten schon reichlich was für den Klimawandel tun, denn wir werden über die CO2-Bepreisung, die von 25 EURO pro Tonne CO2 in diesem Jahr auf 55 EURO bis 2025 ansteigen soll, diverse staatliche Abgaben und marktwirtschaftliche Prozesse ordentlich zur Kasse gebeten, was alleine das Heizen mit Gas angeht:42 Gasanbieter haben bisher die Preise erhöht – um durchschnittlich 12,9 %. Das entspricht bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 20000kWh Mehrkosten von 189 EURO pro Jahr, was einen Jahrespreis von 1402 EURO ausmacht. Nur für Gas! Da ist von Strom und Benzin noch keine Rede! Und auch nicht von der stetig steigenden Inflationsrate!
Und was das Heizen angeht:

Da setzen wir vorsorglich mal auf die Klimawandelkarte – also auf einen ganz warmen Winter!

* http://www.sicherestrassen.de/VwV/Frameaufbau.htm?http://www.sicherestrassen.de/VwV/V37.htm

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Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

2 Gedanken zu „ELEVATOR´S GOING UP! (63)

  • 14. Oktober 2021 um 7:00
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    Komisch was Herr Macron da tut. Ich dachte, wir würden mit unseren Abschaltungen als Vorbild für die Welt vorangehen. Und nun folgt nicht mal der Franzose?
    Ironie OFF

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    • 14. Oktober 2021 um 10:02
      Permalink

      @Uw.Kem.
      Wer die Muße hat, schaut sich diese Doku mal an. danach dürften die Träume von deutscher Bio-Landwirtschaft, die den Weltmarkt erobert, ausgeträumt sein.
      https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/-das-soja-imperium-hoher-preis-fuer-billiges-fleisch-100.html

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