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Heute mit: ganz viel Gelsenkirchen und ein wenig Europa

 

 

„Wat is´ne Dampfmaschin´? Da stelle ma uns mal janz dumm, und sagen, en Dampfmaschin´ iss ne jroße, runde, schwarze Raum mit zwei Löchern. Durch das eine kommt der Dampf rein, un das andere krieje ma späta ..“. (– Lehrer Bömmel in Die Feuerzangenbowle)

 

Nun wissen wir also, was eine Dampfmaschine ist! Kommen wir mal zu einer anderen Frage aus dem Bereich der Technik, genauer des KFZ-Verkehrs. Die Frage lautet: WAS IST DER A-Wert? Ehrlich, ich wusste es bis heute auch nicht! Bis zum neusten Ranking! Au, au, au, au, au! Ranking und Gelsenkirchen- Katastrophe, oder? Moment! Erst mal zur Frage bzw. zur Antwort:

„Der A-Wert benennt die Attraktivität des Ladenetzes im Landkreis und in der Stadt. Er benennt die Anzahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte im Verhältnis zu allen im Landkreis und in der Stadt zugelassenen Autos. Je mehr Ladepunkte vorhanden sind, desto attraktiver ist die Region für die Umstellung auf das E-Auto.“***

 

Und siehe da: Gelsenkirchen liegt nicht auf Platz 400 oder 401, sondern auf dem Platz 289 mit einem A-Wert von 908. Der ergibt sich bei 124445 zugelassenen KFZ und 137 Ladepunkten. Jawollll! Gelsenkirchen landet also im unteren Drittel – aber eben nicht ganz am Ende. Was Sorgen machen könnte: Gelsenkirchen hat sich im Vergleich zum letzten A-Wert-Ranking (April 2022) um 90 Plätze verschlechtert. Gleichwohl: Nun lassen sich von der Stadtmarketing-Gesellschaft T-Shirts und andere Merchandising-Artikel mit Slogans wie „289 – die geilste Zahl der Welt“ oder „Unser A-Wert ist nicht von schlechten Eltern“ oder „#289 GE“ in Umlauf bringen. Vielleicht eine gute Idee für ein patriotisches Weihnachtsgeschenk! Prima das!

 

Bleiben wir noch in GE und beim Verkehr! Da erfährt man so ganz nebenbei in der Lokalpresse, dass die städtischen Dienstfahrzeuge, genauer: die Fahrzeuge des Kommunalen Ordnungsdienstes offensichtlich vollgestopft sind mit Elektronik zum autonomen Fahren und wohl auch mit KI. Das ist jetzt herausgekommen, weil ein Fahrzeug des KOD aus der Tiefgarage, in der das KFZ geparkt worden war, zunächst durch Diebe gestohlen wurde, dann, aber, wie es in dem Bericht der WAZ heißt, „sich in unbekannte Richtung entfernt“ hat. Ich würde mich als Autodieb schwarzärgern (darf man das Farbadjektiv in diesem Zusammenhang noch verwenden?)! Da mache ich mich an die Arbeit, stehle ein Fahrzeug mit gelbem Warnlicht auf dem Dach und dem Schriftzug „Ordnungsdienst“ an der Seite – und dann haut die Karre einfach in „unbekannte Richtung“ ab! Sauerei das!

 

Auch das noch in Gelsenkirchen! Natürlich gibt es auch hier unterschiedliche Auffassung über die Pläne der Regierung, Flüchtlingen Bezahlkarten statt Bargeld auszuhändigen. Man kann zu dieser Maßnahme sicher unterschiedlicher Meinung sein – das Problem der unkontrollierten Einwanderung wird die Karte nicht lösen. Interessant können aber die Argumente gegen die Karte sein, weil sie ein bestimmtes Menschenbild vermitteln – sowohl über die Flüchtlinge als auch über uns (aus deren angeblicher Perspektive). Eine berufsmäßig mit Flüchtlingen Beschäftigte, die die Einführung der Karte ablehnt, hat dies u.a. wie folgt begründet: „Wie auch mit dem Gutschein-System signalisieren wir den Menschen damit (=Bezahlkarte) von Anfang an: Wir wollen dich nicht, wir trauen dir nicht, alles, was du machst, ist falsch. Ich glaube nicht, dass das dann Menschen werden, die sich hier vorurteilsfrei integrieren.“ (Quelle: WAZ Lokal, 14.11.23)

Ist das nicht ein eigentümliches Menschenbild, das hier von „Flüchtlingen“ gezeichnet wird. Schenkt man den Worten Glauben, bedeutet das: Der Schutz vor Verfolgung, die Bereitstellung einer Unterkunft, eine soziale Absicherung, die Fürsorge durch staatliche (städtische) oder kirchliche Instanzen und soziale Einrichtungen oder durch private (freiwillige) Helfer ist null und nichtig, hat keine Bedeutung, wenn kein Bargeld fließt. Die Karte ist lediglich ein Ausdruck von Misstrauen. Und ohne Bargeld werden sich die Flüchtlinge auch nicht integrieren, weil sie dann Vorurteile entwickeln (die bösen Deutschen, die mich nicht wollen?). Der Geldwert, den die Karte repräsentiert, und der von Menschen erwirtschaftet wird und erst einmal erwirtschaftet werden muss, die von ihrem Lohn Steuern und Sozialabgaben abführen, ist ein Grund, Vorurteile zu entwickeln? Dankbarkeit gibt es nur gegen Barzahlung, Integrationswillen gibt es nur gegen Barzahlung, eine Bezugskarte ist die Eintrittskarte für berechtigte Integrationsverweigerung!?

Ein ganzer Integrations- und Flüchtlingssektor, in dem tausende und abertausende von EURO umgesetzt und verdient werden, ist seit 2015 entstanden: Sprachkurse, Integrationskurse, Broschüren, Kongresse, Integrationsbeauftragte, Heimleitungen, Sozialarbeiter, Schulbegleiter, Familienhelfer, Dolmetscher, ganze kommunale Apparate. Waren sie erfolgreich – oder darf man Zweifel äußern angesichts von Gewalttaten, Kriminalität, Messerattacken und dem in jüngster Zeit auf offener Straße gezeigten Hass auf diese (westliche) Gesellschaft? Wahrscheinlich liegt es einfach an uns – an unserem Mangel an Integrationswillen. Denn den haben die Flüchtlinge ja wohl im Übermaß – zumindest, wenn Bargeld fließt! GAGA das!

 

Schließen wir den heutigen ELEVATOR noch mit ein wenig europäischer Absurdität: Eine ganzseitige Anzeige im Medium der Funke-Gruppe spielt mit dem Slogan „You are EU“ und zeigt einen Jungen vor eine Solaranlage. Unten auf der Seite dann für die Doofen, die kein Mandarin können und den Slogan deshalb nicht verstehen, die Übersetzung: „Du bist Europa“, wobei Europa und die Europäische Union (EU) bekanntlich nicht identisch sind (war da z.B. nicht mal was mit England?). Und dann die Trias: Freiheit, Frieden & Energieunabhängigkeit.

Kann ich eigentlich Frau von der Leyen meine Strom- und Gasrechnung schicken – in der Hoffnung, dass sie einen Teil davon übernimmt? Wenn nicht, dann bin ich nicht mehr bereit, mich in Europa zu integrieren!

Ückendorf ist mir sowieso näher als Brüssel! Klar das!

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Von Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

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