Omikron taumelt. Und die Regierung taumelt mit.

Eher selten zitieren wir uns in diesem Magazin selbst. Ausnahmsweise aber heute ein Zitat aus dem HerrKules vom 23.12.21
Sieht man diese bisher gemachten Erfahrungen an (das weltweite Datenmaterialist ist allerdings noch gering), ist nahezu unverständlich, warum die Politik (inklusive der Beraterkreise) in Omikron-Panik verfällt. Eine schnelle und hohe Infektionszahl sagt doch nichts über Häufigkeit und Schwere der Verläufe oder die kommende Hospitalisierungsrate, kurz: Über die Gefährlichkeit der Variante. Zugespitzt (und mit aller Vorsicht): Die Ansteckungsgeschwindigkeit könnte auch ein Zeichen dafür sein, dass sich das Virus totläuft, meint: dass wir an einen Punkt kommen, an dem das Virus schneller ansteckend und zugleich schwächer in der Auswirkung auf den Menschen ist.“*

Rund zwei Wochen nach dem oben zitierten Beitrag vom 23.12.21 veröffentlichte das RKI am gestrigen 7.1.22 aktuelles Datenmaterial zur Omikron-Entwicklung:

Zahl der Omikronfälle nach Altersgruppen (RKI, Stand 7.1.2022):

Anzahl von Omikronfällen nach Altersgruppe seit Meldewoche 46/2021. Für diese Fälle mit Zusatzangabe zum Hospitalisierungs- und Verstorbenenstatus sowie Reinfektionen, sofern die Informationen vorhanden sind. ***
xxxxxxxxxxxxxxxx  0 – 4    5 – 14    15 – 34    35 – 59   60 – 79   80+    Gesamt
Fälle (gesamt)         1288    5795     28801     21012     5021       1015    62932
Hospitalisiert              20        14           177          155        150         116         632
Verstorben                     0          0              0              3            7             6           16
Reinfektionen               2        81           617          356           4             6        1106

Was lässt sich aus der Tabelle ablesen?

Mindestens zweierlei: Die Verbreitungsgeschwindigkeit von Omikron ist tatsächlich hoch oder, wie es in den Meldungen der Medien in militärisch-bedrohlichem Jargon häufig lautet, Omikron ist auf dem Vormarsch. Wobei man ja auch sagen kann: jeder Omikron–Fall ist ein Delta-Fall weniger. Schaut man sich die vom RKI angegebenen Parameter an, verliert Omikron seinen angstmachenden Beigeschmack. Die Hospitalisierungsrate liegt mit 632 Fällen gerade mal bei etwas mehr als einem Prozent, wobei die Schwere der Hospitalisierungen wohl eher gering ist, worauf die Zahl von 16 Verstorbenen hinweist, von denen wiederum 13 in den beiden höchsten Altersgruppen zu finden sind (60 bis 80+), also in den Altersgruppen, in denen die Sterblichkeit generell höher ist.
Auf der Basis dieses (immer noch schmal zu nennenden) Datenmaterials lässt sich unsere obige Schlussfolgerung tatsächlich erhärten: Omikron steckt offensichtlich schnell an, übrigens auch Geimpfte (!!!), ist aber in seinen Verläufen eher milde, worauf die geringe Zahl der Hospitalisierten und die verschwindend kleine Zahl der Toten hinweist. Omikron taumelt also offensichtlich wie ein angeschlagener Boxer, weswegen in anderen Ländern Virologen bereits davon ausgehen, dass Omikron die Chance bietet, die Pandemie zu verlassen (ohne jedoch Corona besiegt zu haben).
Die Epidemiologin und Direktorin des staatlichen Forschungslabors SSI in Dänemark, Tyra Grove Krause, hat sich im dänischen Fernsehsender TV2 zum Ende der Corona-Pandemie geäußert.(…) Auf die Frage, wie lange das Coronavirus das Leben der Dänen noch entscheidend beeinflussen wird, antwortete die Epidemiologin: ´Ich denke, es wird die Pandemie noch in den nächsten zwei Monaten geben. Dann hoffe ich, dass die Infektionen sinken werden und wir unser normales Leben zurückbekommen`.“ ****
Begründet hat Tyra Grove Krause ihre Position eben damit, dass Omikron hochgradig infizierend, aber schwach hospitalisierend ist und die Verläufe bei einer Infizierung wesentlicher milder sind als bei der Delta-Variante (deshalb unser Satz oben zu Omikron und Delta). Auch in anderen Ländern nähern sich Virologen dieser (dänischen) Position an, wogegen solche Stimmen in Deutschland aus dem Bereich der Wissenschaft kaum zu hören sind. Hier bleiben auch die Politiker überwiegend im Hysterie-Modus, machen aus dem Impfen eine Glaubensfrage, schieben aber gleichzeitig die Entscheidung über eine Impfpflicht weiter vor sich her. Wobei mittlerweile die (zeitliche) Begrenztheit der Impfstoff-Wirkung tagtäglich offensichtlicher und zugleich das tägliche Ritual des Aufrufs zum „Boostern“ immer anhaltender wird.
Die Regierenden taumeln! Nichts hat das deutlicher gemacht als die Konferenz der Ministerpräsidenten und des Kanzlers gestern. Kaum war die Runde, ständig die Einigung betonend, auseinandergegangen, scherte das erste Bundesland aus. Sachsen-Anhalt will die beschlossene 2G+-Regel gegenwärtig nicht umsetzen, und Bayern formulierte zumindest Zweifel an den Beschlüssen. Ebenso mehren sich Zweifel an der Einführung einer allgemeinen Impfpflicht – teilweise aus politischen Gründen, immerhin, aber auch weil die Umsetzung und ihre Organisation als kaum machbar gelten.

Was uns als politische Linie aus der Pandemie erscheinen soll, ist also wohl eher Orientierungslosigkeit. Trösten wir uns aber mit Cees Nooteboom:

Wenn man nicht weiß, wohin man geht, tut die Geschwindigkeit dabei nicht viel zur Sache.“

*Zitat aus dem Beitrag „Gib´s auf! Wie Corona die Krise der politischen Klasse offenlegt.
***https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Omikron-Faelle/Omikron-Faelle.html?__blob=publicationFile
**** ttps://www.rnd.de/politik/corona-pandemie-in-zwei-monaten-vorbei-daenische-top-epidemiologin-tyra-grove-krause-geht-davon-aus-UALXWIDB4JF3LHF4O6ETO5K2QA.html

No votes yet.
Please wait...

Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.