ELEVATOR´S GOING UP! ( 65)

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Heute mit Papst-Helmen, E-Autos, dem Karneval  und ganz viel gutem Glauben

Nun kann man lange darüber streiten, ob nicht der weitaus größte Teil der in der Bibel berichteten Ereignisse auf Fake-News beruht. Also auf  kleinen Begebenheiten, die zu Wundern aufgeblasen wurden. Oder ob es sich bei den biblischen Texten   unter dem Einfluss von halluzinogenen Wirkstoffen erfundene, wenn auch schöne Geschichten handelt. Aber wahr werden sie letztlich sowieso erst dadurch, dass man all diese tollen Geschichten nicht nur für Geschichten hält, sondern an sie glaubt. Viele Menschen glauben allerdings auch, dass alles, was in der Bibel steht, nur dem Machterhalt der Kirche oder den mit den Zeiten wechselnden Herrschern dient und eben Opium des Volks ist.* Aber wie gesagt: Alles in der Bibel muss man eben auch glauben wollen!

Aber was wirklich empörend ist, ist die Tatsache, dass sogar das Oberhaupt der katholischen Kirche, der Heilige Vater selbst, Täuschungen und Tricks zulässt, und das Tag für Tag. Tatsächlich ist es nämlich so, dass die Helme der „Schweizer Garde“, die die Zugänge zum Apostolischen Palast bewacht und seit 1506 Dienst für den Papst tut, ursprünglich aus Kupfer sind. Neuerdings täuscht der Papst Kupfer jedoch nur vor: die Helme werden mittlerweile aus Kunststoff in 3-D-Druckern mit HP-Technologie produziert. Der echte Kupferglanz wird also von seiner Heiligkeit mit Hilfe der ganz weltlichen Firma Hewlett-Packard nur vorgetäuscht! Ein Taschenspielertrick also! Aber zur Beruhigung könnte man vielleicht sagen: Kann man in Kauf nehmen (Grund der Maßnahme: Kostenersparnis), solange das mit der Auferstehung stimmt!

Denn: Wer´s glaubt, wird selig!

In Deutschland wurden von Beginn des Jahres an bis September eine halbe Million Plug-in-Hybride und vollelektrische Autos neu zugelassen – mehr als in Großbritannien, Frankreich und Italien zusammen. Viele glauben, Plug-in-Hybride seien im Grunde Fake-Elektroautos und solange der Strom an den Autozapfsäulen nicht zu 100% Ökostrom ist, seien auch die Elektrischen ein wenig Fake. Das ist ein bisschen wie bei der Speisung der 5000. Da wurden von Jesus angeblich über 5000 Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen satt gemacht. Ob die Speisung der vielen jetzt über Autosuggestion funktionierte und es in Wirklichkeit fünf Fische und zwei Brote waren, ist aber zweitrangig. Hauptsache alle wurden satt! Oder meinten, sie wären satt! Deshalb kann man, auch wenn man schmutzigen Kohlestrom oder Strom aus Atomkraft „tankt“, zu sich selbst sagen: Ich bin ein guter Mensch, ich bin ein guter Mensch. Ich handele im Sinne Gretas und tanke grünen Strom!

Übrigens: Weit vor Deutschland liegt China, was den Kauf von E-Autos angeht: von 2,05 Millionen Fahrzeugen  ist zu lesen. Und die vielen E-Autos in China sind ein zusätzlicher Grund dafür, dass die Chinesen ein Kohlekraftwerk nach dem anderen ans Netz nehmen und auch noch die Nutzung der Atomkraft ausbauen, um nämlich den Energiehunger der E-Mobilität zu befriedigen.  Ob der Chinesen-Chef wegen der E-Autos gar nicht erst nach Glasgow gedüst ist, wissen wir nicht. Auch ob Chinesen beim Tanken an e-Zapfsäulen an Greta denken, wissen wir nicht. Aber glauben kann man es ja!

Denn: Wer´s glaubt, wird selig!

Ob man nun ALAAF oder HELAU ruft, ist eine Frage der regionalen Zugehörigkeit, aber auch eine Frage des Glaubens, wobei natürlich jede „Karnevalshochburg“ glaubt, sie verkörpere den Karneval in Reinkultur. Das ist für mich ungefähr so entscheidend wie die Beantwortung der Frage, ob man der „Judäischen Volksfront „oder der „Volksfront von Judäa angehört“ und ob man  gerne Otternasen ist („Das Leben des Brian“)**. Entscheidend ist, dass alle ihren Spaß haben –  auch die, die nicht unbedingt Fans des Karnevals sind. Was deshalb ärgerlich ist? Nun, dass der Auftakt zum Straßenkarneval  wieder Anlass dafür ist, über Corona-Regeln und die Statthaftigkeit des Zusammenkommens großer Menschenmengen Panikfloskeln und Bedrohungsvokabular abzulaichen. Da rufen angeblich Bilder aus der Domstadt „Empörung“ hervor, da hat das Schunkeln einen „Beigeschmack”, da explodieren die Inzidenzen einige Tage, nachdem auf dem Heumarkt sich die die Menschen nahe kamen und ein paar Stunden Freude hatten. Warum diese Form der medialen Empörung? Wäre die nicht mindestens genauso oder vielleicht sogar noch schärfer zu formulieren, wenn samstags zehntausende Menschen in die Fußballstadien strömen, in Gelsenkirchen über 50 000 bei einem Heimspiel. Singen (manchmal eher Grölen als Singen), Schunkeln, Schreien, sich gegenseitig um den Hals fallen, Hüpfen, sich Einhaken und Abklatschen, Gesänge, traditionelles und neues Liedgut, manchmal zu viel Alkohol bei etlichen der Anwesenden: da unterscheiden sich Karneval und Fußball überhaupt nicht – die Kostümierungen sind andere, aber es sind in beiden Fällen Kostümierungen! Und übrigens ist auch Fußball für viele eine Glaubensfrage!

Perfide an mancher Veröffentlichung in den Medien ist, dass, so scheint es mir, ganz bewusst der Eindruck erweckt werden soll, die Karnevalisten werden verantwortlich sein für das Explodieren der Corona-Zahlen. Als ob sie das nicht sowieso tun, das Explodieren: ob mit oder ohne Karneval. Und auch in Ländern, in denen  kein Karneval auf der Tagesordnung steht (Österreich, Ungarn, die Niederlande).

Letztlich steckt hinter der (gespielten?) Empörung die Auffassung, wenn wir auf dieses und jenes verzichten, etwa auf den Straßenkarneval, könnten wir das Virus besiegen. Nein, können wir nicht! Das Virus ist ein dreckiger, bösartiger kleiner Teufel, der sich vielleicht etwas zähmen, aber nicht besiegen lässt!

Wer das glaubt und von Null-Covid träumt- nein, der wird nicht selig!

Den lacht das Virus bestenfalls aus!

Und der verpasst vielleicht die Karnevalszeit!

*“ “Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks“.
(
Karl Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung,  1844)

** https://www.youtube.com/watch?v=6pwmffpugRo

 

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Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

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