DER TAGESBEFEHL VON HEUTE (9.7.2021)

Wir leben in unruhigen Zeiten!

Zeiten, in denen es nun auch dem „Schwarzfahren“ an den sprachlichen Kragen gehen soll, weil das Wort von Wenigwissern, aber mit Antifa-Gesinnung rassistisch konnotiert wird. Allerdings offenbart sich hier dieselbe sprachgeschichtliche Unkenntnis wie im Fall der „Mohren-Eiskugel“ aus Essen, die ihren Namen der Tatsache verdankte, dass sie nach dem Familiennamen der Inhaberin des Eisladens benannt war, aber trotzdem dem „antirassistischen Kampf“ zum Opfer fiel. Das Schwarzfahren wiederum steht sprachgeschichtlich im Kontext des Jiddischen, wo das Wort „shvarts“ nichts anderes bedeutet als „Armut“. Der Schwarzfahrer ist also jemand, der sich ein Ticket nicht leisten kann, weil er arm ist. Unabhängig von der Hautfarbe kann man also ein „Schwarzfahrer“ sein!

Zeiten, in denen die nordrhein-westfälische Landesregierung die Möglichkeit für Lockerungen angesichts der Corona-Entwicklung gekommen sieht und sofort wieder Bedenkenträger und Panikmacher aus der Politik aus dem Busch kommen, so etwa in trauter Eintracht die Herren Kutschaty (SPD) und Banaszak (PDFDP: Partei der Freunde des Plagiats), die die Bedrohung durch die Delta-Mutante an die Wand malen. Wogegen Medizinmänner und Forscher wie der Virologe Prof. Jörg Timm (Uniklink Düsseldorf) und der Epidemiologe Prof. Jöckel (Essen) den beschrittenen Weg „begrüßen“ und der Präsident der „Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin“ sogar „Entwarnung“ hinsichtlich einer „vierten Welle“ gibt!

Zeiten, in denen man ein mehrjähriges Studium mit anschließendem Praktikum in einem Reisebüro benötigt, um die nahezu stündlich wechselnden Einstufungen möglicher Reiseziele durch das Gesundheitsministerium oder die Westdeutsche Lottogesellschaft als Risikogebiet, Hochrisikogebiet, Virusvariantengebiet, Folkloregebiet, Lediglich-zur-Durchfahrt-benötigtes-Gebiet und Land mit günstiger Prognose noch überblicken zu können. Deshalb nur ein Tipp (ohne Gewähr): Sint Maarten (Karibikinsel) wird zurzeit als „einfaches Risikogebiet“ geführt!

Die Entscheidung, wohin sie fahren, kann also, volkstümlich gesprochen, zu einer „schweren Geburt“ werden (siehe unten!)

Um diese chaotischen Zustände in geordnete Bahnen zu lenken, geben wir seit einiger Zeit in loser Folge Tagesbefehle aus.
Dem Volk zur Erweckung und der Demokratie zur Rettung!

Der heutige Befehl lautet:

Pressen Sie, Frau! Verstehn Sie, ja?
Sie sind nicht zum Vergnügen da.
Ziehn Sie die Sache nicht in die Länge!
Kommt auch Kot bei dem Gedränge!
Sie sind nicht da, um auszuruhn.
Es kommt nicht selbst. Sie müssen was tun!“

Gottfried Benn: Saal der kreissenden Frauen (aus Strophe 2) in MORGUE (Gedichte 1912-1920)

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Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

9 Gedanken zu „DER TAGESBEFEHL VON HEUTE (9.7.2021)

  • 10. Juli 2021 um 9:54
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    Allmählich glaube ich, dass die Deutschen, vor allem die irgendwie progressiv-fortschrittlich-avantgardistisch-links-grün Deutschen, einen Knacks haben.
    Rational, logisch ist diese Sprachmagie und vorauseilende Umbenennerei nicht mehr zu erklären.
    Völlig absurd wird das alles, wenn man diese Macke in Bezug zu den staatlich verordneten Sprachgeboten Chinas oder Nord Koreas setzt. In Nordkorea wurde das Wort Liebe verboten, es darf nur noch auf den Führer bezogen benutzt werden. “Ich” existiert nicht mehr, nur noch der Begriff “wir” – mal schauen, welche Sprachsau bei uns demnächst durchs Dorf getrieben und verboten wird.

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  • 11. Juli 2021 um 17:10
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    Bevor hier wieder die gaaaaaanz großen Geschütze aufgefahren werden. Ich fand diesen Vortrag eines Sprachwissenschaftlers sehr erhellend: https://www.ardaudiothek.de/hoersaal/gerechte-sprache-ist-moralische-pflicht-sprachwiss-anatol-stefanowitsch/79382598

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    • 11. Juli 2021 um 17:20
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      nach 4 Versuchen aufgegeben die Sendung zu hören, bricht immer wieder ab, was sind die 3 Kernthesen?

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      • 11. Juli 2021 um 17:30
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        die Kernthese ist, dass es “höflich” ist, Menschen so anzusprechen wie sie es möchten. Im Verlauf gehts eben um die Frage der Sprachverbote und das Argument “was darf man denn überhaupt noch sagen?”

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        • 11. Juli 2021 um 17:33
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          verstehe. Ich würde gerne als Prof. Doc. Frau Excellenz Konsul angesprochen werden. Darf ich nun verletzt sein, wenn mir andere das verweigern?

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          • 11. Juli 2021 um 20:16
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            Nun ja, die genannten Titel sind ja mit diversen Akademischen/Beruflichen Meriten verbunden. Ich tippe in dem Fall dann eher auf Hochstapelei. Wenn ich Sie aber immer „Heinzchen“ nenne, und Sie das nicht möchten, dann kann ich dem nachkommen oder eben nicht(und bin unhöflich). Aber diese Fragen würden sich beantworten, wenn Sie es noch schaffen dem sehr kurzweiligen Vortrag zu lauschen😏

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            • 11. Juli 2021 um 20:17
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              versprochen, ich werde mir das anhören. Bis dahin: “Heinzchen” wäre eine Verkleinerungsform, despektierlich, abwertend – klar. Habe ich alles er- und überlebt. Daraus Rassismus- Sexismus zu machen, war mir als Kind, Jugendlicher, Erwachsener dann doch zu sehr overacting. Später noch, als mir im Berufsleben im “survival of the fittest” mein slawischer Nachname im Kampf ums “überleben” (freie Wirtschaft ohne Tarife oder sonstigen Schutz) als vermeintliche Schwachstelle um die Ohren gehauen wurde “Piski, Schisski, Whisky” etc. bin ich nicht zu einer Beratungstelle für Nano Verletzungen gegangen. Einer meiner Arbeitgeber baute sich vor mir mal auf, bat mich ganz schnell den Vers aufzusagen: “Der Whisky Mixer mixt Whisky im Whisky Mixer” – am Ende sollte dann heraus kommen: “Der Niski Wichser wichst Niski im Miski Wichser” – oder so ähnlich. Gaaaaaaaanz schlimme Micro-Macro Verletzung, Rassismus, strukturelle Gewalt, Herrschaftsverhältnis… ja ja ja…. – oder auch nur einfach lebendiges Leben außerhalb der geschützten Räume der Unis, Schulen, Beamtenverhältnisse. Straße. Rau. So wie das Ruhrgebiet früher mal war. Ist nicht schön, braucht niemand, ist aber eine Facette im großen Spiel, ein soziales Gefüge auszutarieren. “Heinzchen” kann man verbieten lassen, Wortspiele kann man verbieten lassen… Achtung, Respekt, Liebe, Zuneigung, Sympathie, Anerkennung bekommt man dadurch aber noch lange nicht. Daran krankt dieser Sprachmagie Quatsch…. die Vertreter scheinen mir nie im wirklichen Leben angekommen zu sein.

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              • 11. Juli 2021 um 22:31
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                und jetzt stellen Sie sich vor den verhassten Spitznamen inklusiver unangebrachter Wortspiele steht Ihnen auf der Stirn. Dazu die Erfahrung, dass „Heinzchens“ wegen Ihres Vornamens versklavt und umgebracht wurden und bis heute benachteiligt werden. Sie können sich einen anderen Namen zulegen, das reclaimen und was weiß ich. Aber ich nenn‘ Sie weiter „Heinzchen“. 🤷‍♂️Irgendwann ist es vorbei und Sie hauen mir eine rein.

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                • 11. Juli 2021 um 22:32
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                  kaum, ich nehme es mit altersmilde und freue mich, meinen irrtümern und absoluten gewissheiten aus einer anderen perspektive noch einmal zu begegnen.

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