Himmelstreppe versilbert

Herr Kules:

Herr Tersgelund, Ihre Fortsetzung Geophatischer Mythic Art an und mit den Skulpturen Herman Priganns im Skulpturenwald Rhein-Elbe erntet Lob und Anerkennung beim Publikum und bekommt Gegenwind von den Kulturverwaltern und der Politik. (Die WAZ berichtete darüber)

Warum ist das so?

Hraven Tersgelund:
Das Publikum hat ein feines Gespür für Priganns Grundidee, seine Skulpturen der Veränderung durch Wind und Wetter, Natur und Mensch auszusetzen und sie durch die Zeitläufte gestalten, wandeln zu lassen. Eine Verwaltung folgt einem anderen Grundprinzip, sie steht für Statik statt Dynamik, sie muss reglementieren, ordnen, Auswüchse beschneiden, ist somit der natürliche Feind des Skulpturenwaldes.

Ich hatte vor Jahren deshalb erfolgreich gegen die Verwaltung der Stadt Gelsenkirchen und den Regionalverband Ruhrgebiet geklagt, weil sie die tragenden Säulen der Eingangspforte des Waldes gegen Verwitterung imprägnierten und so verhinderten, dass die Skulpturen ihre Form, ihre Sinnhaftigkeit veränderten, verändern konnten.

 

Herr Kules:

Ich erinnere mich, auch damals argumentierte Politik und Verwaltung, dass sie die Kunst, das Werk schützen müsse und Nachlassverwalter der Ideen Priganns seien. Sie waren erfolgreich, die Baumstämme sind verwittert, die Skulptur zusammen gebrochen. Statik wich Dynamik. Warum aber nun die Klage vor dem europäischen Gerichtshof gegen die Natur?

Hraven Tersgelund:

Wir müssen zum Schutz der Künstler Eigentumsfragen, Verwertungsrechte, Urheber- und Copyrightfragen juristisch klären lassen. Niemand weiss zur Zeit, ob Veränderungen von Landart durch Wind aus Frankreich, einem Land ohne Panoramafreiheit, Folgen für die Verwertungsfreiheit hat. Die Reziprozität von Künstler und Natur an einem Werk stellt die Fragen der Schöpfungshöhe und der Verwertungskette neu.

Es müssen Adressaten für die Natur als Genius, als handelndes Subjekt gefunden werden, ich stelle mir da ein Crowdfunding Topf vor, in den Tantiemen fließen, die an die Künstler Mutter Gaia, Terra Mater zu zahlen wären.

Herr Kules:

Was planen Sie als nächstes?

Hraven Tersgelund:

Ich beschäftige mich zur Zeit mit Geschlechts-Skulpturalität, mit Versuchen Sonne und Mond, die bisher je nach geographischem Standort männlich oder weiblich sind, wesensneutrale Bedeutungsaufladung zu geben.

Herr Kules:

Vielen Dank für das Gespäch

Hraven Tersgelund:

Immer wieder gerne.

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2 Gedanken zu „Himmelstreppe versilbert

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    12. April 2019 um 13:13
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    klassischer fall von herostratentum. folgerichtig durch damnatio memoriae geahndet. und das ist gut so.

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  • Heinz Niski
    12. April 2019 um 20:52
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    Überraschend (…oder vielleicht eher nicht…?) scheinen mir die Positionierungen in den Medien und sozialen Netzen zu sein.

    Politisch eher konservativ zu verortende Stimmen schwimmen auf der Ai Weiwei Welle und sind Veränderungen gegenüber aufgeschlossen, sozikulturell orthodox-fundamentale beharren auf Eigentumsrechten und die Schönheit des urban-banalen.

    Very strange… und irgendwie spannend.

    Die „Progressiven“ von einst, sind die Entwicklungs-Veränderungs-Verhinderer von heute und verschanzen sich hinter juristischen und formal ästhetischen Hülsen. Bewahrung der Schöpfung (besser des Eigentums, des Urhebertums, des Copyrights etc.) aus Prinzip, nicht weil man eine Idee verstanden hat.

    Das ist Mief-Pief aus längst vergangenen Zeiten und das dahinter steckende Psychogramm wurde von Max Frisch schon vor 70 Jahren erschöpfend künstlerisch verarbeitet

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