Greta und ich

GASTBEITRAG

Lasse Bornstroem

Greta und ich

Greta und ich kennen uns schon lange, schon seit den gemeinsamen Zeiten im Kindergarten. Oft haben sich unsere Eltern damit abgewechselt, uns nach Hause zu holen, da wir nicht weit voneinander  entfernt wohnten Das war ganz praktisch, besonders für Gretas Mutter, die ja Opernsängerin ist und oft in der Welt der Musik unterwegs zu tun hat. Seit geraumer Zeit hat sich unsere Beziehung aber abgekühlt; wir waren nie wirklich „beste Freunde“, aber eben doch Nachbarn und Schulkameraden, die in Parallelklassen gehen. Greta hat auch kaum noch Zeit, was an ihren Klimaaktivitäten liegt und daran, dass sie eine Berühmtheit geworden ist. Auf instagram hat sie 191 k Abonnenten und stellt sich so vor:

Greta Thunberg 16 year old climate activist with Asperger’s
#fridaysforfuture #climatestrike .

Und ich bin eben nur der Lasse von nebenan, der sich noch dazu nicht an ihren freitäglichen Streiks beteiligt. Also, Greta glaube ich schon, dass sie das ernst meint, mit dem, was sie tut. Aber die meisten, die ihr jetzt nachlaufen und sie wie einen Mini-Klima-Messias verehren, sind doch verlogen! Damit meine ich Schüler und Erwachsene! Bei einer Diskussionsrunde in unserer Schulaula habe ich zu meinen Mitschülern gesagt: Wenn ihr das Klima schützen und die Welt retten wollt, warum lasst ihr euch dann täglich von euren Eltern mit dem Auto zur Schule fahren? Warum müsst ihr immer das neuste IPhone haben? Warum macht ihr im Sommer mit euren Eltern Flugreisen in andere Länder oder reist im Volvo-Diesel-SUV mit euren  Eltern von Schweden aus zigtausend Kilometer durch Europa bis nach Südfrankreich? Warum erzählt ihr stolz von den Kreuzfahrten in die Südsee oder nach Venedig, wo die Riesenpötte doch die Zerstörung der Lagunenstadt  befördern und der Schiffsdiesel so ziemlich der größte Umweltmist auf den Meeren ist? Und warum tragt ihr eure Klamotten immer nur eine Saison?

Ausgebuht haben sie mich, ausgepfiffen, beschimpft haben sie mich, sogar bedroht. Und Greta? Hat stumm dabei gesessen und gelächelt!

Auf die Schule am Freitag kann man leicht verzichten. Besonders dann, wenn das Fehlen nicht sanktioniert wird! Aber der Verzicht auf das neuste IPhone. Der fällt schon schwerer! Denn das gibt es nicht immer!

Klima aber schon, oder?

 

Editorischer Hinweis:Lasses Brief ist für uns aus dem Schwedischen übersetzt worden. Lasse hat inzwischen mit seinen Eltern den Wohnort gewechselt, nachdem an die Wand seines Elternhauses jemand gesprüht hat: Hier wohnt Lasse, der Klimakiller!

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Bernd Matzkowski

Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

Ein Gedanke zu „Greta und ich

  • Heinz Niski
    29. Januar 2019 um 12:51
    Permalink

    Jede Generation hat ihre eigenen Utopien, Brüche, Lebenslügen. Die katholische Kirche, der Kölner Klüngel weiß bestens damit umzugehen. Ich persönlich finde nach wie vor die mexikanische PRI (Partei der institutionalisierten Revolution) genial, die waren 30 Jahre länger am Drücker als die SED, haben die Mischung aus Lüge, Heuchelei, Korruption, Selbstbetrug bis zur Perfektion gebracht und so Generationen von Mexikanern fast ohne direkte Gewalt gefesselt und geknechtet, eine Entwicklung verhindert. Sie sehen sich selber als Sozialdemokraten……

    Ich bin vernarrt in die Wortschöpfung „Institutionalisierte Revolution“ (klingt wie „der flinke Lahme“) – das kommt für mich noch weit vor „Jungfrauengeburt,“ „unbefleckter Empfängnis,“ oder Mohammeds Himmelsleiterklettereien.

    Möge das Schicksal oder auch jenes höhere Wesen, das uns alle umgibt, verhindern, dass die großen Lebensentwürfe und gesellschaftlichen Utopien zu neuen Kriegen führen. Schaun wir mal, was da so kommt….

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