Lesebefehl: Stefan Laurins „Die neuen Eliten“

So sehr der Lehrer einer Gelsenkirchener Schule auch davon überzeugt ist, dass die Zeit der üblen Verbrennungsmotoren vorbei ist, will er von seinem Haus in Haltern zu seinem Arbeitsplatz kommen, hat er zum sparsamen Diesel keine Alternative. Der Kauf von ein paar Bechern Bio-Joghurt, die Wahl der Grünen und das „Zeit“-Abo geben ihm allerdings das Gefühl, ebenso zur neuen Elite dazuzugehören, wie es der Bunny-Aufkleber auf dem Ford-Capri des Jungproletariers in der von ihm verehrten Gruppe der Lebemänner tat. Nur habe ich den Eindruck, dass die Capri- und Mantafahrer jener Jahre über eine realistischere Selbsteinschätzung verfügten, wohingegen die Mitglieder der Möchtegernelite begierig den Bio-Kakao, durch den sie gezogen werden, auch noch trinken.

Spannender Deutungsversuch, warum die Chichi Stadtgesellschaft nicht nur Gelsenkirchens, immer noch den Spagat zwischen propagiertem Anspruch (gerne mit Gendersternchen) und gelebter eigener Realität schafft, ohne daran Irre zu werden.

Darauf kaufe ich mir erst einmal ein Häuschen im Buerschen Waldbogen für 300 000 Euro, um von dort Aufsätze über Wohnungspolitik und Klima zu erfinden.

 

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Heinz Niski

Heinz Niski

Handwerker, Rentner,

4 Gedanken zu „Lesebefehl: Stefan Laurins „Die neuen Eliten“

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    5. Februar 2020 um 11:56
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    Sehr unterhaltsam und sehr wahr.

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    • Heinz Niski
      5. Februar 2020 um 12:15
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      Stimmt, ich habe mich sehr amüsiert.

      Früher ging das kürzer: „Wasser predigen und Wein trinken“ – da gab es aber auch die klar definierten Standes- und Klassenzugehörigkeiten. Wurde später ersetzt durch Geld & Dünkel & Stallgeruch, in Gelsenkirchen durch das SPD Parteibuch.

      Heute ist das alles schwieriger, da haben die Menschen so viele verschiedene intrinsische und extrinsische Identitäten, dass sie sich locker irgendwelchen Eliten zugehörig fühlen, auch wenn die soziale, intellektuelle, kulturelle, ethische Zugehörigkeit oder Begabung etwas völlig anderes sagt.

      Na ja, wir sind eben alle nur Menschen…… aber einige leider mehr als andere.

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    5. Februar 2020 um 12:18
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    Gut auf den Punkt gebracht: Wasser predigen…

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  • Heinz Niski
    5. Februar 2020 um 12:59
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    Ich bin bekennender Fan von Autoren, die im Raum stehende große, weiße Elefanten beschreiben. Ich bin aber auch Fan aller aus meinem Bekanntenkreis, die z.B. das hohe Lied des MultiKulti singen, sich aber selber wegen zu viel MultiKulti vorzeitig aus dem Krankenhaus entlassen, ihre Eigentumswohnung verkaufen, ihre Kinder auf Privatschulen schicken. Und natürlich erklären, dass diese vielen weißen Elefanten gar nicht dort stehen könnten, weil der Raum zu klein wäre oder die Elefanten zu groß und das so oder so gegen die Gesetze der Physik verstoßen würde.

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