Nicht (mehr) mein Ding – Anmerkungen zum 1000.Tatort

Es gab Zeiten, da war der „Tatort“ am Sonntagabend bei mir fest als Termin gesetzt. Diese eineinhalb Stunden mussten frei gehalten werden – Doldingers Sound am Anfang war der Ruf zur Abendmesse. Aber diese Zeiten sind lange vorbei.

Nicht, weil mich Krimis nicht mehr interessieren. Sondern eher, weil mich Tatort-Krimis am Sonntagabend nicht mehr so stark interessieren, dass ich den „Sendeplatz“ frei halte. Ich schaue mir gelegentlich die Wiederholung an oder schaue die Folge auf youtube oder in der Mediathek „nach“. So habe ich es etwa mit den Kiel-Krimis gemacht –  mit Axel Milberg als Borowski („Ich höre“). So habe ich es mit den neuen „Dortmundern“ gemacht – mit Kommissar Faber als Mittelpunktfigur  – und mit Krols Frankfurter Kommissar Steier   und Nina Kunzendorf als seiner Kollegin Conny Klein.

Kurzum: mich interessieren nicht (mehr) so sehr die konkreten Fälle, die gelöst werden, sondern mich interessiert die jeweilige Konstellation der  (Haupt-)Figuren. Anders: Schimmi war gut, aber Schimmi in der Kombination mit Thanner war wirklich gut. Kommissar Steier (Krol) ist gut, aber in der Kombination mit Nina Kunzendorf wurde Krol sehr gut. Milberg ist prima – aber in Kombination mit Sibel Kekilli ist er nicht halb so gut wie in der Kombination mit Maren Eggert als Frieda Jung.

Und mit Borowski bin ich auch beim Jubiläums-Tatort, für den ich mir am Sonntagabend ´mal wieder Zeit genommen habe. Der „Tatort“ hat   sich redlich bemüht, dem Jubiläum gerecht zu werden. Eine außergewöhnliche (wenn auch manchmal arg konstruiert daher kommende) Geschichte mit „Gesellschaftsproblematik“(Krieg in Afghanistan), kammerspielartige Sequenzen (drei Personen in einem Taxi als Spielort), ein wenig Intertextualität (Borowski und Lindholm als Hänsel und Gretel in einem Hexenhaus mitten im Wald, von Wölfen umkreist), die Titel-Anspielung auf den allerersten Tatort, Stilmittel, wie wir sie aus „Kill Bill“ und „Pulp Fiction“ kennen: die Namen der Figuren werden eingeblendet, denen ein Abschnitt /eine Sequenz gewidmet ist, Rückblenden, graphic novel Elemente – und dazu in kleinen Rollen etliche Schauspieler, die wir aus älteren und alten Tatort-Folgen vielleicht noch kennen (z.B. Günther Lamprecht).

Allein: Borowski und Lindholm – das flunzt nicht. Das wirkt irgendwie steif, gezwungen, holzschnittartig. Zwischen den beiden baut sich keine Spannung auf, erst recht kein Knistern wie einst zwischen Borowski und Jung, aber auch keine wirklichen Reibungspunkte. Milberg und Furtwängler können beide für sich einen „Tatort“  tragen – aber hier läuft ihr Spiel ins Leere, als Paar bleiben sie blass.

Im Zusammenspiel – im Mit- und Gegeneinander –  haben inzwischen andere Krimireihen, neben dem Tatort, ihre Stärken – z.B. das Team um Charly Hübner im „Polizeiruf“, das Team der „Nachtschicht“ mit Armin Rohde  und das Team um Alexander Held als Kommissar Schaller  aus „München Mord“.

Und Held spielt auch (als Erzähler in Shakespeare-Manier und Darsteller zugleich) in einem meiner Lieblingstatorte mit, dem vielleicht ungewöhnlichsten Tatort der letzten Jahre überhaupt: „ Im Schmerz geboren“ mit Ulrich Tukur als Kommissar. Dieser Folge kann der gestrige Jubiläums-Tatort nicht das Wasser reichen! Schade eigentlich!

 

Link zu : Im Schmerz geboren

https://www.youtube.com/watch?v=Vy2CD6ns3A0

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Bernd Matzkowski

Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

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