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Von Luftschlössern, Luftpumpen, Luftnummern und Luftblasen

 Es ist schwerer, einen guten Stuhl zu bauen als einen Wolkenkratzer (Ludwig Mies van der Rohe)

Und in Gelsenkirchen ist noch schwerer als einen Stuhl oder Wolkenkratzer zu bauen, ein Grundstück in bester Lage überhaupt erst einmal zu „überplanen“. Und zwar ist das deshalb schwer, weil offensichtlich die Bereitschaft fehlt, die Entscheidung über die Bebauung des Grundstücks bereits in den Vorplanungen aus der parteipolitischen Profilierungssucht herauszulösen. Das ist in diesem Falle besonders bedauerlich, weil es nicht nur um eine zentrale innerstädtische Baumaßnahme geht, sondern um eine Entscheidung, die auf Jahrzehnte das Gesicht der (Innen-)stadt und ihrer Entwicklung prägen wird – nicht nur durch den Baukörper und seine Gestaltung, sondern durch das Leben, mit dem der Bau gefüllt wird. In dieser Hinsicht ist die Bedeutung der Entscheidung durchaus mit der zum Hans-Sachs-Haus zu vergleichen!

Anders: Es wäre meiner Meinung nach angemessen, die Diskussion darüber, was auf dem Grundstück, auf dem einstmals das Zentralbad stand und die Polizei ihr „Hauptquartier“ im Süden hatte, öffentlich zu führen, also aus den engen Zirkeln der Ausschüsse und des Rates der Stadt herauszulösen, folglich die Bürgerschaft nicht mit fertigen „Lösungen“ zu konfrontieren, sondern in die grundsätzliche Entscheidung einzubinden – durch Foren, Informationsveranstaltungen, Diskussionsveranstaltungen, bei denen das Für und Wider einen Diskursraum bekommt.

In dem Zusammenhang ist es doch wenig konstruktiv, wenn die Vorschläge der CDU (zu denen man ja durchaus unterschiedlicher Meinung sein kann!) von der hiesigen SPD, die sich, was die Entwicklung der Innenstadt in den letzten Jahrzehnten angeht, nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert hat, gleich als „Luftschlösser“ (WAZ) denunziert werden. Da erweist sich der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD doch selbst als Luftpumpe, wenn er meint, die SPD würde sich in dieser Sache nicht bewegen, bis für derartige Überlegungen „eine echte Perspektive existiert“. Wäre es nicht Aufgabe der Lokalpolitiker, in Gesprächen mit der Landesregierung und der Leitung der Hochschule zu versuchen, eine Perspektive zu eröffnen, wenn man sie denn überhaupt  öffnen will! Und kann! Oder hat die SPD sich selbst gefesselt, weil ihre Oberbürgermeisterin bei der Einbringung des Haushaltes in ihrer Rede bereits ein Vorfestlegung vorgenommen und verkündet hat, indem sie die Ansiedlung des Berufskollegs als eines ihrer drei Dekaden-Projekte zur Heilung der Stadt vorgestellt hat?

Noch einmal: Es mag gute Gründe geben, gegen den Vorschlag der CDU Einwände zu erheben. Diese sollten ernst genommen und diskutiert werden – und zwar über den Rahmen des Lokalteils der WAZ hinaus, die für die Berichterstattung ausdrücklich zu loben ist und die betont, dass es zu dieser Entscheidung ein deutliches Interesse in der Bürgerschaft gibt, das sich in Leserbriefen äußert.

Warum sollte man dieses Interesse nicht „nutzen“, ihm nicht zumindest Raum geben, sich zu artikulieren, anstatt sich nur mit den eigenen Luftblasen zu beschäftigen und die Entscheidung über den Standort als Luftnummer zu behandeln?

Die Wahlbeteiligung bei der letzten Kommunalwahl und die Stimmenzahl, die die SPD bekommen hat, sind wahrlich nicht Grund genug, einen „auf dicke Hose“ zu machen und vielleicht zu meinen, die SPD hätte noch einen riesigen Rückhalt in der Bevölkerung?! Das war in anderen Zeiten wohl mal so in Gelsenkirchen! Aber da waren  auch keine Luftpumpen im Fraktionsvorstand!

 

 

 

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