Der reine Tor im (K)Auenland oder Ein Lehrstück in Naivität

Der reine Tor im (K)Auenland oder Ein Lehrstück in Naivität

Die Figur des „reinen Toren“ ist über die Jahrhunderte hinweg eine Konstante der Literatur geblieben. Der Ritter Parzival ist so ein Gestalt, reinen Herzens und dem Glauben an Gott verpflichtet, der Welt abgewandt, wenn auch in ihr lebend, auf der Suche nach dem Heiligen Gral.
Grimmelshausens „Simplicius Simplicissimus“ ist so ein Tor. Er wächst, ein Waisenkind, bei einem Einsiedler auf, durchstreift die Welt des 30jährigen Krieges, steigt auf zu Ruhm und Reichtum – und kehrt dann zu seinem Ursprung zurück, lässt die Welt hinter sich und wird das, was er als Kind schon war: ein Einsiedler.
Und Frodo natürlich! Nur er, der reinen Herzens ist, immer wieder naiv und staunend vor der Welt steht, bleibt auch im Angesicht Saurons und aller Gefahren, vor allem der Verführungskraft des Ringes, reinen Herzens und kann nur deshalb obsiegen.
Nun, mir scheint, ich kann davon erzählen, dass auch in unserem (K)Auen-Land ein solcher Frodo wirkt, ein Frodo aus dem Hoffnungstal, der keine bitteren Wörter spuckt, der sich nicht labt an anderer Leute Schmach, der seine Zunge nicht als Schwert benutzt und seinen Atem nicht als Feuerstoß. Nein, er blickt rein auf diese Welt, in der doch finstre Mächte herrschen. Denn Sauron, der Zerstörer, hat Kräfte, um die Welt, für die Frodo steht, zu zerstören.
Da sind die Herrscher der Roten Burg, Graf Ünal Tanerland und Baron Bart von Doppel-Axt, die ihre Späher überall im Land haben und in deren Sold Schreiberlinge und Sendboten stehen, die ihre Tintenfässchen und Federkiele stets bereit haben, um die nächste Kunde aufzuschreiben und in die Welt zu tragen.
Und böse Feinde unseres guten Frodo vom Hoffnungstal sind auch die Ritter von der Schwafelrunde, die Herren vom Schwarzen Haus, angeführt von Kurt dem Grammel, einem durch und durch bösen Bauchredner.
So haben diese Kräfte einst geplant, ein altes Denkmal – ganz in Verschwiegenheit – zu schleifen, es dem Volke, das sich gerne darin verlustierte, wegzunehmen, um des Volkes Freude zu zerstören. Und als diese Freveltat durch fahrende Sänger ruchbar wurde, haben sie so getan, als wüssten sie von nichts. Als dann jedoch offenbaret wurde, dass sie´s schon länger wussten, da taten sie, als hätten sie´s schon immer laut gesagt.
Und bei denen von der Roten Burg war´s so wie´s schon immer war: Auch wenn die Worte wechseln, so ist die Botschaft doch stets gleich: Wir haben alles richtig gemacht, wir haben Dinge „sofort zum Ausdruck“ gebracht und uns „aktiv darum bemüht“.
Und Kurt der Grammel ließ seinen Bauch lauthals für ihn reden: Er müsse als Ritter einmal streng betonen, dass es „untersagt (sei), solche Sachverhalte in die öffentliche Debatte zu tragen“ und dass man auch zur „Verschwiegenheit verpflichtet“ sei!
Und was sagte Frodo in dieser Angelegenheit?
Die Kündigungsabsicht sei nicht öffentlich (…) diskutiert worden und stellte sich (…) bisher nur als ein mögliches Szenario dar, sobald der Spielbetrieb der Heilig-Kreuz-Kirche aufgenommen werde. Dass die Kündigung alternativlos und beschlossene Sache ist, zumal in dieser Zeitperspektive, war uns nicht bewusst. Mit offenen Karten zu spielen sehe anders aus.“
So muss er sein, ein echter Frodo! Er muss rein und ihm darf nicht zu viel „bewusst“ sein, denn das trübt den reinen Blick. Er spielt nicht mit verdeckten Karten, schon mal überhaupt nicht mit gezinkten, sondern mit „offenen Karten“, damit die anderen sein Blatt sehen, was einen freundlichen Ausgang des Spiels garantiert – für die anderen!
Und natürlich, möchte man meinen, richtet unser Frodo, wohin auch sonst, seinen Blick auf die „Heilig-Kreuz-Kirche“ und nicht in die weltlichen Bücher, die papierenen Vorlagen, die Akten, in denen Grobes nur zu lesen ist und die aus einem Haus kommen, das nach einem Schuhmacher benannt ist, zum Beispiel die Akten mit der Ankündigung einer Kündigung eines Vertrages. Das ist Paragraphen- und nicht Gotteswerk!
Und so stemmt er sich, der Hoffnungstaler, mit offenen Karten, ohne zu wissen und ohne den Staub der Akten studiert zu haben, aber mit Blick in Richtung des Heiligen Kreuzes ganz und gar gegen die Knechte Saurons, denn mit Waffen sind sie nicht zu schlagen.

Aber als reiner Tor und naiv vom Haupthaar bis zu den Zehenspitzen wird er eingehen in die Geschichtsbücher des (K)Auenlandes!

Quellen für die Zitate:
https://www.waz.de/staedte/gelsenkirchen/kuendigung-des-kaue-mietvertrages-war-parteien-lange-bekannt-id232265365.html



Kaue
Sinan Sat
11.05.2021, 13:23
Kaue-Kündigung war den Parteien lange bekannt
Die „Kaue“ in Schalke genießt überregional einen sehr guten Ruf als Kulturspielstätte. Die Pläne vom drohenden Aus hatten nicht nur in Gelsenkirchen für einen Aufschrei der Empörung gesorgt.
Dass der Kaue-Mietvertrag gekündigt wurde, löste eine Welle der Empörung aus. Tatsächlich wussten Parteien und Verwaltung das aber schon lange.
Der Kaue drohe das Aus, der Betrieb der beliebten Kulturstätte sei zu teuer und der Mietvertrag ist deshalb schon längst gekündigt. Diese Nachricht überraschte vor fast zwei Wochen nicht nur die Gelsenkirchener Kulturszene, sondern auch die örtliche Politik. Das jedenfalls war der Eindruck, der angesichts der Solidaritätsbekundungen der Parteien aufkam, die alle betonten, sich für den Erhalt der Kaue einzusetzen. Dass den Parteien das Thema schon lange bekannt war, erklärte indes kein Beteiligter – bis jetzt.
Ginge es nur um Mietvertragsverhandlungen, um für den Kaue-Betreiber Emschertainment GmbH – einer hundertprozentigen Stadtwerketochter – günstigere Konditionen auszuhandeln, und nicht um den grundsätzlichen Erhalt der Kaue, so war es aus Sicht der Grünen nachvollziehbar, die Öffentlichkeit nicht über die laufenden Verhandlungen zu informieren.
Mietvertragskündigung der Kaue wurde am 11. März im Stadtwerke-Aufsichtsrat verkündet
Dass dem auch so sei, glaubten die Grünen seit der Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke am 11. März, bei der darüber informiert wurde, dass der Kaue-Mietvertrag als eine seiner letzten Amtshandlungen vom ehemaligen Chef der Stadtwerke, Ulrich Köllmann, gekündigt worden war.
Grünen-Aufsichtsratsmitglied Dennis Hoffmann und Fraktionsvorsitzende Adrianna Gorzcyk erklären nun auf WAZ-Nachfrage: „Gleichzeitig wurde am 11. März kommuniziert, dass die Kaue weiterhin durch Emschertainment, allerdings nicht mehr in der Häufigkeit, bespielt wird. Für uns hat sich aus dieser Information nicht abgeleitet, dass es kein Konzept für die Nachnutzung gibt, vor allem da die uns bekannte Planung für 2021 der Emschertainment die Kaue berücksichtigt hatte“.
Erst als den Grünen nach den Berichten im Stadtmagazin „isso“ und der WAZ die Tragweite der Entscheidung klar geworden sei, „also dass damit die Kaue als Kulturstätte grundsätzlich gefährdet scheint, haben wir gefordert, dass die nächsten Schritte in der Diskussion um die Zukunft der Kaue öffentlich stattfinden“, so Gorzcyk.
CDU: Kaue-Thematik hätte schon zuvor in den Kulturausschuss gehört
Ähnlich klang das bereits in der Mitteilung (3. Mai) von Annelie Hensel, Sprecherin der CDU-Fraktion im Kulturausschuss. „Ich verstehe nicht, wieso die Kündigung erst jetzt die Öffentlichkeit erreicht und ich frage mich, wieso die Verwaltung es nicht für nötig befunden hatte, die letzte Sitzung des Kulturausschusses dazu zu nutzen, um über den Sachstand zu informieren.“
Dass die Debatte über die Zukunft der Kaue öffentlich geführt werden sollte, findet zwar auch CDU-Chef Sascha Kurth, er sieht die Verantwortlichkeit dafür aber ebenfalls bei der Stadtverwaltung und betont, warum die CDU-Vertreter im Aufsichtsrat bis zu den Kaue-Medienberichten gar nicht hätten über das sprechen dürfen, was hinter den Kulissen bereits seit Wochen geschieht.

Sinan Sat
Kommentar
Hin und Her zur Kaue in Gelsenkirchen: Viel Ärger um nichts?
„Es ist nicht Aufgabe der Aufsichtsratsmitglieder und schlicht auch untersagt, solche Sachverhalte in die öffentliche Debatte zu tragen, da muss dann verwaltungsseitig berichtet werden. Unabhängig davon, dass Vertreter in Aufsichtsgremien zur Verschwiegenheit verpflichtet sind, gehört wie von uns gewünscht und beantragt, die politische Debatte öffentlich in den Kulturausschuss“, so Kurth.
Klar sei aber auch, dass nicht jede aktive Vertragshandlung in der Öffentlichkeit ausgetragen werden könne, vor allem nicht, wenn sich alle im Ziel einig seien. Das wäre kontraproduktiv und würde den Interessen der Bürgerinnen und Bürger auch in ihrer Eigenschaft als Steuerzahler entgegenstehen, unterstreicht der CDU-Chef.
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Den Vorwurf, die SPD hätte den Eindruck erweckt, von der Kaue-Thematik überrascht worden zu sein, widerspricht SPD-Chef Axel Barton ebenso wie die anderen Parteisprecher. „Nach Durchsicht der von uns verfassten Pressemitteilungen kann ich nicht erkennen, dass unsererseits nach Bekanntwerden der Mietvertragskündigung der Eindruck erzeugt wurde, das das Thema neu war. Vielmehr brachte unser kulturpolitischer Sprecher, Taner Ünalgan, sofort zum Ausdruck, dass die Kaue als wichtiger Veranstaltungsort unserer Stadt erhalten werden muss und er sich aktiv darum bemüht“, so Barton.
Die Frage, warum auch die SPD die Gelsenkirchener bis wenige Wochen vor Auslauf des Mietvertrages nicht darüber informiert hat, ließ Barton aber unbeantwortet.
Drohendes Aus: Eine Welle der Solidarität für die „Kaue“
Auch die AfD hat einen Vertreter im Aufsichtsrat der Stadtwerke und wusste folglich seit spätestens 11. März, dass die Kaue auf der Kippe stand. „Ohne das Protokoll vorliegen zu haben, können wir uns den Sachverhalt nur so erklären, dass die Kündigung des Mietvertrags in der angesprochenen Aufsichtsratssitzung zwar bekannt gegeben worden ist, jedoch so unklar kommuniziert wurde, dass diese Information bei der AfD-Ratsfraktion und auch den politischen Vertretern der anderen Fraktionen schlichtweg nicht angekommen ist“, so Fraktionschef Jan Preuß.
Das zeige sich durch den Umstand, dass die anderen Fraktionen das Thema ebenfalls erst aufgegriffen haben, nachdem es in der Presse bekannt wurde. „Auch Oberbürgermeisterin Karin Welge äußerte sich erst dann öffentlich dazu“, erklärt Preuß, der eine öffentliche Diskussion über das Fortbestehen für zwingend notwendig hält.
Parteien fordern öffentliche Debatte über die Zukunft der Debatte
Tatsächlich ließ OB Karin Welge – die bereits sechs Tage nach Bekanntwerden des avisierten Kaue-Endes plötzlich die Rettung der Spielstätte verkündete – bis heute Presseanfragen unbeantwortet, ob und wann die Stadt über den Sachverhalt informiert und öffentlich neue Konzepte erarbeitet hätte, wenn das Thema nicht wenige Wochen vor Mietvertragsende in der Presse bekannt worden wäre.
Stattdessen erklärte Welge auf Nachfrage, dass die Kulturverwaltung ebenso engagiert daran arbeite, die Kaue als Kulturort zu erhalten, wie sie und der neue Stadtwerke-Chef Harald Förster. „Warum? Um ein breites Bündnis und einen städtischen Ideenpool für unsere Kaue zu gewinnen. Ein gemeinsam entwickeltes und in der Stadtgesellschaft verankertes, konsolidiertes Nutzungskonzept“ so Welge.
Wie die aktuelle Forderung nach einer öffentlichen Debatte zeigt, ist dieses „gemeinsam entwickelte Nutzungskonzept“ aber genau das, was die die anderen Parteien vermissen.

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Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

2 Gedanken zu „Der reine Tor im (K)Auenland oder Ein Lehrstück in Naivität

  • 12. Mai 2021 um 7:15
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    Was ein Geschwurbel….wie einer der Genossen schon kurz und treffend bemerkte: GE hat die Politiker*, die die Stadt verdient. Alle, die im Aufsichtrat der Stadtwerke sitzen, wussten spätestens im März Bescheid. ALLE! Wenn nie die Absicht bestand, die Kaue dicht zu machen und nur geschwiegen wurde, um Teile der Bevölkerung nicht unnötig zu verunsichern, ist ja jetzt alles gut.

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  • 12. Mai 2021 um 11:17
    Permalink

    Herrlich! 🤣. Leider habt ihr die Figur der Anne-Marie Herzilein vergessen:
    „Herzilein, von froher Natur und reinem Herzen, im Dorf der Ücken einst als Dorfvorsteherin bekannt, die nur Gutes zu berichten weiß, nie etwas Schlechtes in den Sinn kommt, wundert sich: „Ich verstehe nicht, wieso die Botschaft der Kündigung erst jetzt die Öffentlichkeit erreicht.“ Herzilein möchte die Zukunft der (K)Auenlandschaft in einem Kulturentwicklungsplan verortet wissen. Den will sie mit vielen Gauklern jeglicher Couleur unter Berücksichtigung der Kaue als Trutzburg entwickeln, weil „die Kaue ein fester Bestandteil der Gelsenkirchener Kulturlandschaft“ ist. Das ist so klar, wie Klärchen¹: Im (K)Auenland der Gelsen* bei den Kirchen muss Kultur – außerhalb der Kirche – bestechend sein.
    * österreichisch für: Mücken
    ¹ über Klärchen reden wir später
    https://www.cdu-gelsenkirchen.de/trans_1_1_129040_Kaue-ist-fester-Bestandteil-der-GE-Kulturlandschaft.html

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