Wenn die Zivilgesellschaft sich im Modul „Kommunikation“ und/oder „Gender/Diversity“ zertifizieren lässt

Wenn die Zivilgesellschaft sich im Modul „Kommunikation“ und/oder „Gender/Diversity“ zertifizieren lässt

Vor einigen Tagen kam mir eine Einladung der Heinrich Böll Stiftung vor die elektronische Haustür geflattert, die so vieles versprach, dass ich zunächst an versteckten Spam von Treppenliftfirmen, Kaffeefahrt-Heizdecken Maklern oder Haustürgesprächsankündigungen meiner lokalen Bundestagsabgeordneten dachte.

Ich schloss eine Medienguerilla Aktion einer obskuren Männergruppe nicht aus, vermutete sogar, dass ich unverhofft in Flügelkämpfe zwischen Neu- Neo und Altfeministinnen geraten sein könnte.

Ich klopfte den Text auf Satire ab, suchte Elemente der Persiflage.

Nichts.

Das Ding war Todernst gemeint.

Ein Riss ginge durch unsere Gesellschaft. Politik- und Bildungsarbeiter müssten Überstunden machen, um Angriffe auf Feminismus und geschlechterpolitische Errungenschaften abzuwehren. Dafür gäbe es Rabattmarken für das Sparbuch „Politikmanagement“ der Firma GreenCampus, was günstig für das Modul „Kommunikation“ oder „Gender/Diversity“ wäre.

Nicht in den Genuss der Guthaben kämen Menschen, die in der Vergangenheit durch sexistische, rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten wären.

Huch. Also alle und jeder und jedinnen.

Eine Veranstaltung nur für Heilige?

Spontan fiel mir nur Jesus als Zielperson ein, der ist aber zur Zeit (noch) verhindert.

Dann fiel der Groschen.

Die Zielgruppe sind Menschen, die steuerlich absetzbar, karrierefördernd, innerhalb der permanenten institutionalisierten, teilweise verbeamteten Revolution der Zivilgesellschaft, als Fisch im Wasser mit der Strömung schwimmen.

Na denn: Glück Auf Petri Heil

 

„Genderwahn“, „Frühsexualisierung“, „Umerziehung!“ Nicht nur in rechtskonservativen Kreisen wie der AfD werden gezielte Angriffe auf Feminismus und geschlechterpolitische Errungenschaften zunehmend salonfähig. Dieser Kampf um Deutungshoheit stellt unsere Gesellschaft und insbesondere Menschen aus Politik und Bildungsarbeit vor große Herausforderungen.

UNSERE SEMINARVERSPRECHEN:
– Die Teilnehmer*innen erkennen antifeministische Argumentationsmuster und können diese Themenbereichen zuordnen
– Die Teilnehmer*innen können unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten bewerten und anwenden
– Die Teilnehmer*innen erproben eigene Gesprächsstrategien und reflektieren ihre eigene Haltung
– Die Teilnehmer*innen stellen gesamtgesellschaftliche Relevanz von Feminismen, Geschlechterdemokratie und Diversität heraus und können diese erörtern

Ziel ist es, eine souveräne Haltung zu entwickeln, um sich dem aktuellen Gegenwind und Diffamierungen selbstsicher entgegenzustellen.

Das Seminar wird mit 12 Unterrichtsstunden für das Politikmanagement-Zertifikat von GreenCampus im Modul „Kommunikation“ oder „Gender/Diversity“ anerkannt.

Ausschlussklausel:
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die extrem rechten Parteien oder Organisationen angehören, der extrem rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch sexistische, rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Diese steuerlich vergünstigten Haltungsbestätigungsmodulmaschinen (Seilschaften, Klüngel, Korruption) sind Teil der Evolution, so gesehen einen Aufreger nicht wert.

„Selbstsicherheitstraining“ in „Neusprech-Anwendung“ – 30 Jahre nach 1984, das toppt Orwell.

Rating: 5.0/5. Von 1 Abstimmung.
Bitte warten...
Heinz Niski

Heinz Niski

Handwerker, Rentner,

2 Gedanken zu „Wenn die Zivilgesellschaft sich im Modul „Kommunikation“ und/oder „Gender/Diversity“ zertifizieren lässt

  • Bernd Matzkowski
    11. Februar 2019 um 9:06
    Permalink

    Antworten und offene Fragen:
    a) Immerhin: die Böllermänner wissen also, dass die AfD zu den „rechtskonservativen Kreisen“ und nicht zu linksdrehenden Joghurts gehört, also auch nicht NS-mäßig unterwegs ist
    b)Linksextremismus aller Farbschattierungen, Islamismus, Salafismus und ganz allgemein „Dummheit“ werden nicht ausdrücklich als Ausschlussgrund genannt. PRIMA!
    c)Was passiert, wenn ein Teilnehmer (oder auch eine Teilnehmerin), die bzw. der vielleicht anteilnahmslos teilgenommen hat, nach den 12 Unterrichtsstunden die Ziele nicht erreicht hat?Darf er oder sie dann nachsitzen?
    d)Woher oder vom wem weiß der Böllermann-Anmeldeservice, wer schon einmal früher rechtsextrem etc. „in Erscheinung getreten“ ist? Wer früher mal „in Erscheinung getreten“ ist, kann sich auch wandeln – oder etwa nicht? Viele, die vormals als „Linksextremisten“, Gewalttäter (Joschka Fischer z.B.) oder Mitglieder von K-Gruppen (der grüne Jürgen T.) in Erscheinung getreten sind, haben sich doch auch gewandelt!Sind Minister geworden oder sitzen in Gremien der Böll-Stiftung!
    Mir fällt in diesem Zusammenhang des Stiftungs-Namensgebers kleiner Text über die „verlorene Ehre der Katahrina Blum“ ein, die in das Räderwerk der Gesinnungspolizei gerät. Der gute alte Heinrich B. hätte wahrscheinlich heute eine Satire über die Toiletten-Sprech-Diversizität geschrieben! Ich fordere stattdessen nur, dass im Strafgesetzbuch neben dem „Mörder“ („Mörder ist, wer…“) endlich auch die Mörderin oder noch der besser der Mörder*x auftaucht.Und bei Müllwerkern, Feuerwehrmännern, Kanalarbeitern, Schlachtern, Ausbeinern, Dachdeckern, Betonbauern, Dixie-Klo-Reinigern und Starkstromelektrikern muss endlich eine Quote her – besonders fürt das dritte Geschlecht!

    Rating: 5.0/5. Von 1 Abstimmung.
    Bitte warten...
    Antwort
  • Heinz Niski
    11. Februar 2019 um 13:10
    Permalink

    Gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz wichtig bei diesen Genderkämpfen ist vor allem, dass man nicht dafür kämpft, dass der Staat sich aus den emotionalen, sexuellen, wirtschaftlichen und juristischen Beziehungen zwischen zwei Menschen heraus hält, sondern dass man für die steuerliche Begünstigung dieser Paare kämpft. Dieser revolutionäre Kampf sollte natürlich unterfüttert sein durch die Staatsknete verschiedener Stiftungen.

    Was aber, wenn sich die Frage stellt, ob Beziehungen zu Dingen (Sexpuppen z.B.) nicht auch als gleichwertig anerkannt werden müssten? Oder noch aufregender, ob Partnerschaft mit Tieren nicht steuerlich absetzbar und juristisch der Ehe gleich gestellt sein müssten?

    Die Krankenkassen bezahlen heute anstandslos die Behandlung spezieller, durch Geschlechtsverkehr mit Tieren verursachten Krankheiten, warum sollten diese bisher clandestinen Beziehungen, nicht endlich auch aus der Schmuddelecke raus genommen werden und wegen der normativen Kraft des Faktischen, als eine von XXXX möglichen Ehen akzeptiert werden?

    Ein weites Feld, auch ohne die vielen, vielen möglichen Geschlechter, die uns heute als Option angeboten werden.

    Pro Feminismus Seminare ohne Androiden, Zoophilisten oder Fetischisten einzubeziehen, scheinen mir unglaubwürdig zu sein. Zumindest, wenn sie steuerlich gefördert werden oder die Teilnahmebescheinigungen Karriere fördernd sind.

    Sagt ein… na klar: weißer alter Mann.

    Noch keine Stimmen.
    Bitte warten...
    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.