Kunstführer Gelsenkirchen – Über den Graben

Es ist ein uraltes Sehnsuchtsmotiv – Trennendes zu überwinden, Verbindendes zu finden, Wunden zu heilen, Handreichungen über Gräben hinweg zu machen. Gelsenkirchen hat viele Risse, Narben, Gräben, viel nebeneinander, gegeneinander, wenig miteinander und füreinander. Wahlergebnisse zeigen, dass sich die Bürger immer häufiger von ihren Vertretern abwenden, die Umgangsformen werden rauer, die Polarisierung stärker, ethnisch, sozial, kulturell verschiedene Gruppierungen igeln sich ein, grenzen sich von einander ab.

Tersgelund setzte ein eindrucksvolles Zeichen der Versöhnung und Verständigung mit seiner Aluminiumguss Skulptur „Über den Graben“ und dem symbolträchtigen Standort Adenauerallee zwischen Buer und Erle. Das wirkmächtige Sinnbild einander versöhnend die Hand reichender Bueraner und Gelsenkirchener, fand auf Seiten der sezessionistisch orientierten Mittel- und Oberschicht im Stadtnorden wenig Gegenliebe. Der anarcho-hedonistisch orientierten Gruppierung „Buerxit“ wurden mehrere Anschläge auf die Skulptur zugeordnet, um weitere Vandalismusschäden zu verhindern, wurde das Denkmal der Versöhnung an den Standort Sutumer Brücken versetzt.

Was zunächst wie eine Kapitulation erscheinen mochte, entpuppte sich als genialer Schachzug des Eichamtes Gelsenkirchen, da an keiner anderen Stelle auf so engem Raum so viele Brücken in Gelsenkirchen zu finden sind. Hier wird Nord und Süd verbunden, eine Industriekloake und der Kanal überwunden, hier ist die Nahtstelle zwischen dem bäuerlichen und dem industriell geprägten Gelsenkirchen, hier treffen sich Wasser- Schienen- Straßen- und Wanderwege, es gibt Rohrbrücken, eine Pumpstation der tiefer gelegten Emscher mit ihrem unterirdischen Kanalsystem. Mehr Verbindungen, Ader- und Knotensysteme sind kaum denkbar, der Höhepunkt, der krönende Abschluss ist eindeutig Tersgelunds Werk.

 

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Heinz Niski

Heinz Niski

Handwerker, Rentner,

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