Nach 70 Jahren: Gelsenkirchen startet demnächst mit dem Integrationsmanagement!

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Was lange dauert, kommt manchmal auch zu spät.

Auf der stadteigenen Seite wird die Verstärkung der Integrationsarbeit gefeiert. Dafür sollen 1,1 Mio. Euro jährlich zur Verfügung gestellt werden. 18 neue Stellen sollen geschaffen werden zur Umsetzung eines „Kommunalen Integrationsmanagements“.

Was das bedeutet?

„Im Mittelpunkt der Arbeit des Kommunalen Integrationsmanagements steht das sogenannte Case Management für Zugewanderte. Hier werden vor Ort im Quartier Menschen passgenau begleitet und unterstützt, Migrations- und Integrationsprozesse miteinander verknüpft und die ausländerrechtlichen, leistungsrechtlichen und integrationsrelevanten Akteure im Bereich Migration und Integration verbunden.“

Integrationsmanagement ist also Case Management – und Case Management ist ein zentraler Punkt des Integrationsmanagements. Das wiederum findet unter Beteiligung von „integrationsrelevanten Akteuren“ statt, wobei natürlich die Stadt auf „bewährte Kooperationen zurückgreifen“ wird.

Das beruhigt uns schon wieder ein Stückchen mehr!

Eine neue Erfolgsgeschichte!

Oder mit den Worten der Stadt:

„Mit der Umsetzung des Kommunalen Integrationsmanagements geht die Stadt Gelsenkirchen einen weiteren Schritt im „Ausbau der bereits bestehenden und funktionierenden Integrationsarbeit.“

Gut! Soweit die Eigensicht der Stadtverwaltung.

Die HerrKules-Redaktion stellt dieser Sicht eine Außensicht gegenüber.

Annamarie Belbake, gebürtige Gelsenkirchenerin, studiert seit drei Semestern im japanischen Kyoto an der „Ritsumeikan University“. Wir haben sie gebeten, ihre Sicht auf Gelsenkirchen darzustellen. Sie hat sich entschieden, dies in Form von Haikus zu tun. Diese traditionelle japanische Gedichtform besteht aus Wortgruppen, deren erste und dritte fünf Silben (Moren) aufweist, die mittlere sieben (Hinweis: Silben in unserer Sprache sind eine Annäherung, aber nicht identisch mit den Moren, einer quantitierenden Maßeinheit, also etwa Länge und Kürze).

Wir danken Annamarie Belbake für ihre fünf Haikus und ihren Blick auf Gelsenkirchen


1) Löcher
Löcher im Asphalt
Betrauern den Untergang
Der einst großen Stadt


2) Fremd
Ein Fremder zu sein
Fern der Heimat fällt nicht schwer
Ist man fremd daheim


3) Asche
Politikermund
Und gewaltiger Vulkan
Asche aus beiden


4) Seife
Blasen aus Seife
Sie schillern farbenprächtig
Sprechblasen sind grau


5) Integration
Integration
Politische Blankoschecks
Aber gefälschte


 

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Klau.Holl.

Bravo!

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Ro.Bien.

Das passt auch gut zum von mir kürzlich geteilten Link, in dem die Geschichte der Integrationsarbeit der Kommune von Forschern aufbereitet wurde.
Tja, in den oberen Etagen der Verwaltung und unter Akademikern, verdient man an Armut in GE gut. https://www.migrachance.de/wp-content/uploads/2021/10/Projektbericht-Fallstudie-Gelsenkirchen.pdf?fbclid=IwAR1s6MugPdQLlB8U5YundQUwMgAXqU257sr_YWt32kupU4ycKmZEiUHEr2c

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Heinz Niski

Je mehr heiße Luft von den städtischen Poeten bewegt wird, desto denglischer. Oder anders: Ich habe noch einen (Suite) Case in Gelsenkirchen stehen https://youtu.be/d-BLoI-0aFc

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Bernd Matzkowski

Und nicht vergessen : Cold Case – Kein Opfer ist je vergessen ist eine US-amerikanische Krimiserie, die von 2003 bis 2010 ausgestrahlt wurde. Sie wurde von Meredith Stiehm entwickelt, Executive Producer waren Jerry Bruckheimer und Shaun Cassidy. Im Zentrum stehen Polizisten, die zu den Akten gelegte Kriminalfälle lösen (daher der Titel, der englische Ausdruck Cold Case bezeichnet einen ungeklärten, zu den Akten gelegten Kriminalfall). (Quelle: Wikipedia) Es gab angeblich Überlegungen, eine deutsche Adaption von KOLD KÄS zu produzieren und in Gelsenkirchen zu drehen, Arbeitstitel: “Kalter Käse, kalter Kaffee”. Jedoch, ist aber nur ein Gerücht oder fake news, fürchtete die Stadt einen Imageschaden und wollte keine Dreherlaubnis für bestimmte Stadtquartiere erteilen, weil nur Vorurteile bestätigt würden, was das Zusammenleben verschiedener Kulturen angeht.Die Produktionsidee wurde verworfen! Schade, wieder eine verpasste Chance! Kalter Käse eben!

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Vol.Moll.

ich gehe nach über 20 Jahren sicher nicht aus Gelsenkirchen weg, weil ich Gelsenkirchen nicht kennen-und zugleich auch liebengelernt habe-ich hänge an Gelsenkirchen schon allein der Tatsache wegen, daß meine Großmutter väterlicherseits aus Bulmke-Hüllen stammt, ich hier Arbeit gefunden habe (jetzt aber leider so schwer eingeschränkt bin, daß ich eine ganze Zeit schon arbeitsunfähig und Rentner bin) Ich habe viele Freunde hier und einige davon haben es mir hier leicht gemacht, zu bleiben-dann kommt plötzlich meine Verwanmdtschaft mütterlicherseits daher, und erzählt mir, daß ich mit meinem Gesundheitszustand trotz mittlerweilem Einzug in eine behindertengerechte Wohnung in Gelsenkirchen-Schalke, eben in Gelsenkirchen völlig falsch wohne und ich doch “mit meiner Situation” rund um meine Behinderung und in welche Richtung sich diese entwickelt hat, doch eigentlich in die “Bodelschwinghschen ANSTALTEN” nach Bielefeld-Bethel müßte, weils meinen “Eltern” von deren Gemeindepfarrer empfohlen wurde, der mich auch schon längere Zeit kennt, da er auch mal mein Chef war…Meine Verwandtschaft glaubt, daß es mir dann leichter fiele, im Prinzip “abgeschoben” zu werden. Ich hab keine Lust schon wieder von hier weg zu gehen-und vor allem in eine Gegend und eine Institution, vor der ich schon in meiner Ausbildung von Leuten gewarnt worden bin, weil diese Kollegen von dort zum Benediktushof Maria-Veen gekommen sind, wo wir dann zusammen unsere Ausbildung gemacht haben…

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Heinz Niski

Bleiben. Dein Körper, deine Seele, dein Verstand, dein Gefühl werden dir rechtzeitig Signale geben, wenn es Zeit für einen Ortswechsel ist. Menschen schlagen dort Wurzeln, wo Freunde, Verwandte, Wahlverwandte sind. Wohnung (in GE immer noch relativ günstig) kommt dazu, früher die Arbeit, die wegen der Möglichkeiten zu pendeln, nicht mehr sehr wichtig ist. Was Menschen wegziehen lässt, sind die veränderten “soft-skills” – der soziale, kulturelle Wandel, die veränderten Regeln des Miteinanders. Das sich nicht mehr heimisch in der Heimat fühlen. Gab es früher in GE hauptsächlich die Trennung zwischen Mittelschicht und (stolzen) Industriearbeitern, läuft die Trennung nun zwischen den vielen verschiedenen Parallelgesellschaften. Wer da nicht mitschwimmen kann, nicht polyglott genug ist, finanziell nicht gut gepolstert ist, gerät unter die Räder, wird Heimatlos und wird zusätzlich noch von den kaltherzigen Polit-Chef-Wissern, wie die bessere Welt auszusehen hat, als Ewiggestriger stigmatisiert.

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