Jürgen Kramer – Joseph Beuys – Kunstakademie Düsseldorf

Materialien zur Kunstakademie Düsseldorf
Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 7.10.2020

Hier können nur wenige Dokumente zur „Kunstakademie Düsseldorf“ vorgestellt werden. Wir bitten um Ergänzungen.

Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung zwischen dem NRW-Wissenschaftsminister Johannes Rau und Joseph Beuys, dem Rau am 11. Oktober 1972 wegen „Hausfriedensbruch“ kündigte. Beuys hatte seinerzeit mit seinen Studenten das Sekretariat besetzt, um gegen die begrenzte Aufnahme von Studenten im Zulassungsverfahren (Numerus Clausus) zu protestieren. Einer seiner Studenten, der verstorbene Gelsenkirchener Künstler Jürgen Kramer, verfasste ein „Info der Kunstakademie“ und rief zur „Solidarität mit Beuys auf (vgl. 22. Oktober 1972). Erst 1978 konnte der Streit beigelegt werden.
Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)



Oktober 1972:
Die GIM und die RKJ Düsseldorf geben vermutlich im Oktober das Flugblatt: „Was tun zum Fall Beuys?“ heraus, das auch von der FHS Eller über die Nichteinstellung von Meusel berichtet und zum Streik an der Kunstakademie aufruft.
Quelle: Was tun zum Fall Beuys, Düsseldorf o. J. (1972).

22.10.1972:
Es erscheint ein „Info Kunstakademie: Vorschläge zur Umwandlung der Kunst in der kapitalistischen Gesellschaft an der Kunstakademie“ von Jürgen Kramer.
Vorschläge sind u. a.:
– „Selbstorganisation von Arbeitsgruppen“
– „Mitarbeit beim Vietnamausschuss“
– „Unterstützung der Arbeit der Liga gegen den Imperialismus“
– „Arbeit in der RUHRKAMPF-Gruppe“
– „Aufbau der Stadtteilarbeit von Künstlern“

Aufgerufen wird zur „Solidarität mit Beuys!“ „Den Separatismus an der Akademie aufheben! Die reaktionären Professoren verjagen!“, „Sich auf die revolutionäre Künstlertradition besinnen!“
Q: Jürgen Kramer: Info Kunstakademie: Vorschläge zur Umwandlung der Kunst in der kapitalistischen Gesellschaft an der Kunstakademie, o. O, 22. Oktober 1972.

31.10.1972:
Die „Rote Fahne“ der KPD berichtet über die „Kunstakademie Düsseldorf“. Auch dort sei „ein Vietnamausschuss“ tätig.
Q: Rote Fahne Nr. 67, Dortmund 31.Oktober 1972.


15.11.1972:
Es erscheint die Nr. 15 der „Aachener Studentenzeitung“.
Im Artikel: „Josef Beuys und der Numerus Clausus“ wird u. ausgeführt: „Der seit Wochen schwelende Konflikt zwischen NRW-Wissenschaftsminister Rau und dem Filz- und Happening-Star Professor Josef Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie bleiben die Fronten unverändert starr. Am 11. Oktober hatte der Minister den Professor mit sofortiger Wirkung aus seinem öffentlichen Angestelltenverhältnis entbunden. Begründung: ‚Hausfriedensbruch‘ sei mit der Tätigkeit als Landesbeamter unvereinbar. Anlass war die Besetzung des Sekretariats der KA Düsseldorf durch Beuys und 60 seiner Schüler aus Protest gegen die Verschärfung des Numerus Clausus an der Kunstakademie“. Berichtet wird weiter von der „eilends aus aller Welt eingetroffenen Protestschreiben und Solidaritätsadressen“, die dazu angetan sind, „die objektive Bildungsmisere und die politische Disziplinierung hinter der subjektiven Betroffenheit des bekannten Künstlers Beuys zu verstecken und zu verschleiern“. Beuys habe in der Zwischenzeit seine „Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“ begründet. Hinter dem vordergründigen Berufsverbot für Beuys, würden jedoch die „Widersprüche von sich stetig verschärfendem Numerus Clausus, vom Verlust der Akademie-Autonomie zugunsten des unbeschränkten Verfügungsrechts des Ministeriums stehen“.
Q: Aachener Studentenzeitung Nr. 15, Aachen, 15. November 1972, S. 5f.


November 1972:
Laut „Aachener Studentenzeitung“ Nr. 15 verurteilt auch der „Berufsverband Bildender Künstler (BBK) die Entlassung von Beuys.
Q: Aachener Studentenzeitung Nr. 15, Aachen, 15. November 1972, S. 5f.

Dezember 1972:
Die RKJ der GIM gibt vermutlich im Dezember die Nr. 12 der Zeitung „Was tun“
heraus. Berichtet wird auch über Joseph Beuys und die „Kunstakademie Düsseldorf“ im Artikel „Der Fall ‚Beuys‘. Kampf dem Numerus Clausus“.
Q: Was Tun Nr. 12, Mannheim 1972.

24.10.1973:
Die KPD gibt ihre „Rote Fahne“ Nr. 43 heraus.
Berichtet wird im Artikel: „Gemeinsamer Kampf gegen die elenden Verhältnisse in den Stadtwohnheimen in Düsseldorf, auch davon, dass sich dem Komitee: „Weg mit den Lagern am Kuthsweg“, auch die Gruppe „Ruhrkampf“ von der „Kunstakademie Düsseldorf“ angeschlossen habe.
Q: Rote Fahne Nr. 43, Dortmund, 24.Oktober 1973, S. 8.

11.12.1975:
Die Kommunistische Gruppe Düsseldorf gibt ihre Ortsbeilage zur „Kommunistischen Volkszeitung“ Nr. 49 heraus. Berichtet wird u. a. über Joseph Beuys und die „Kunstakademie Düsseldorf“. Gegen die Entlassung von Beuys im Oktober 1972 und den Aktionen seiner Studenten, sei es dem „bürgerlichen Staat zuviel gewesen“. Er sah „seine Alleinherrschaft über die Hochschule angetastet und Wissenschaftsminister Rau feuerte Beuys“. Seitdem würde sich die „Auseinandersetzung zwischen Beuys und Rau auf Gerichtsprozesse beschränken“.
Q: Kommunistische Volkszeitung – Ortsbeilage Düsseldorf Nr. 49, Düsseldorf o. J. (11.Dezember 1975), S. 5.


04.03.1976:
Die Kommunistische Gruppe Düsseldorf gibt ihre Ortsbeilage zur „Kommunistischen Volkszeitung“ Nr. Nr. 9 heraus. Berichtet wird im Artikel: „Studenten und Professoren gegen die Herrschaft des Direktors“. Berichtet wird über die „Auseinandersetzungen an der Kunstakademie“. „Im Mittelpunkt steht der Direktor (…) Professor Kricke. (…) Sie klagen den Professor an, nicht die Interessen der Akademie zu vertreten und werfen ihm Machenschaften und Machtpositionsverteidigung vor. (…) Studenten und Professoren müssen sich gegen diesen Direktor wehren. Dies können sie aber nur durch die Entwicklung ihrer Selbständigkeit gegenüber dem bürgerlichen Staat und seiner Hochschulbürokratie“.
Q: Kommunistische Volkszeitung – Ortsbeilage Düsseldorf Nr. 9, Düsseldorf 1976, S. 4f.


29.07.1976:
Die Ortsgruppe Düsseldorf des KBW gibt ihre Ortsbeilage zur „Kommunistischen Volkszeitung“ Nr. 30 mit den Leitartikeln „Kunstakademie: 75% für Streik!“ heraus.
Berichtet wird u. a. von der „neuen Satzung des Wissenschaftsministers für die Düsseldorfer Kunstakademie, die im Winter in Kraft treten soll“. Dagegen „führten die Studenten in der letzten Woche eine Urabstimmung für Streik durch“. 75% der Studenten stimmten für den Streik. Agitiert wird gegen Direktor Kricke, der Arbeiten von Studenten „abnehmen und vernichten ließ“. Durch die neue Satzung, die fast dem „Hochschulrahmengesetz“ entspreche, soll das „politische Mandat“ der Studenten beseitigt werden. Eine „breite Entfaltung der Bewegung gegen das Hochschulrahmengesetz und die neue Satzung wird gefordert“. Agitiert wird noch gegen den Asta und den MSB, die nicht „den Kampf der Studenten gegen den bürgerlichen Staat organisieren, sondern „die Bewegung mit der herrschenden Klasse versöhnen wollen“.
Q: Kommunistische Volkszeitung-Ortsbeilage Düsseldorf Nr. 30, Düsseldorf 1976,


Mai 1978:
Die Nr. 5 der Zeitung „Dem Volke dienen“ des KSV erscheint „. Berichtet wird u. a. auch über die „Kunstakademie Düsseldorf“ und Joseph Beuys. Danach habe Beuys im Kampf mit dem Wissenschaftsministerium NRW „einen vorläufigen Sieg“ errungen. Die seinerzeit von Rau verfügte „fristlose Kündigung von Beuys wurde vom Gericht aufgehoben“.
Q: Dem Volke dienen (Zentralorgan des Kommunistischen Studentenverbandes – KSV), 7. Jg., Nr. 5, Köln, Mai 1978. S. 4.


 

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Ein Gedanke zu „Jürgen Kramer – Joseph Beuys – Kunstakademie Düsseldorf

  • 9. Oktober 2020 um 20:38
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    Ich habe ihn erst so um 1980 kennengelernt und er war für mein Leben eine echte Bereicherung… 😉🖖

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