Ich bin bekennender Massentourist

Ich bin bekennender Massentourist. Nicht diese Sorte, die den Himalaya versaut mit ihrem Plastikmüll, den sie von Sherpas hinauf tragen lassen, aber nicht mit hinunternehmen.

Ich meine auch nicht die Klimakleber, die als „Individual“-Touristen auf Bali einfallen oder in Thailand, Indien, Sri Lanka gewachsene Strukturen zerstören.

Ich bin überzeugt, dass gelenkter Massentourismus, z.B. auf Mallorca, weniger Zerstörung mit sich bringt, sozial, kulturell, ökonomisch, ökologisch verträglicher ist, als der „Individuelle“ von Woken, Influencer- und Hipster Snobs und Latte-Linken.

Die prahlen gerne mit Achtsamkeit und geben sich gegenseitig Tipps über urig-urbane Tapas-Bars, die außer von Autochthonen, nur von ihnen, wirklich nur IHNEN (!) und DEN Eingeborenen (!), besucht werden.

Dann ist man so nah dran am echten Leben, Teil davon, das Tartar de Wagyu mit Trüffelöl neben der Morcilla de Burgos con Foie, alles inklusive, mit der Illusion, dazuzugehören.

Ich spreche dann doch lieber mit den Köchen aus Toledo, Madrid, Burgos, die saisonal im Hotel arbeiten, mit den Kellnern- und Innen, die mallorquinisch sind, dem Housekeeping-Team, weil ich keinen Anspruch habe, in gewachsene Strukturen, z.B. von Tapas-Bars für Einheimische, einzudringen.

Spannend sind Begegnungen in Geschäften und auf den Märkten, dort trifft man auf polyglotte Transnationals, z.B. aus Argentinien, dem Senegal, Peru, die alle einen wachen Blick auf die Welt, auf Deutschland haben.

Wir gelten als wunderlich und irritierend leidensbereit.

Wunderlich finde ich tatsächlich, wie die Latte-Linken den Widerspruch weg lügen können, sich für Demokraten zu halten und gleichzeitig neue Berufsverbote (diesmal für „Rechte“ statt für „Linke“) zu bejubeln.

Statt eine Korrektur der versagenden Politik der letzten 20-30 Jahre zu fordern, statt zu fragen, was falsch gemacht wurde, fordert man ein Verbot der Partei, die in großen Teilen als Protestsammelbecken fungiert.

Auch darüber staunen die Leute hier.

Was stabil am Image der Deutschen bleibt: sie gehören zu der kaufkräftigsten Schicht, die sich in Gated Communitys (Häuser, Eigentumswohnungen) einkaufen und die Wohnungsnot auf der Insel verschärfen.

Das ist das Gegenteil von Massentourismus, da die Snowbirds, Expats, Airbnb-Zaren, und Finca-Prinzen im Wahn gefangen sind, authentisch zu leben, sei es ihnen verziehen.

 






















 

 

 

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