Mal wieder ins (Heim)Kino gehen – Das Russlandhaus von John le Carré

Glasnost (Stimmhaftigkeit, die Dinge benennen, herstellen von Öffentlichkeit, Transparenz) war das Zauberwort der Hoffnung ab 1986. Der ehemalige Mitarbeiter des englischen Geheimdienstes und Schriftsteller John le Carré, zuvor eher bekannt als „Kalter Krieger,“ war beeindruckt von Gorbatschows Reformen und fasziniert von der klassischen Bildung der russischen Intellektuellen, von ihrer Begeisterung für das Bildungseuropa.

1989 erschien sein Roman „Das Russlandhaus“ und nur ein Jahr später der Film mit Sean Connery, Michelle Pfeiffer, Klaus Maria Brandauer, James Fox und anderen.

Ein sanfter Film über Hoffnung, Liebe, Güte, über Menschlichkeit und Versuche, sich dem Einfluss von kalten Machtapparaten, zynischen Bürokraten, den Puppenspielern des militärisch-industriellen Komplexes zu entziehen.

Großartige Stimmungsbilder Moskaus, mit seinen Prachtbauten, wechseln sich ab mit dem Verfall, Elend, der Armut der Bewohner in den Umbruchzeiten, als die russische Gesellschaft auseinanderbrach.

Sie tragen ihr Schicksal mit Würde, leben in der Welt der Literatur, der Musik und entziehen sich dem System durch die Flucht ins Private.

Leise, melancholisch, zeichnet John le Carré das Bild von Menschen, die idealistisch an die Veränderung des menschlichen Bewusstseins glauben, die glauben, dass durch Öffentlichkeit das Wahnsystem des Wettrüstens beendet werden kann. Sie scheitern letztlich an der Macht der in grau gekleideten Herren der CIA, des KGB, des britischen Geheimdienstes.

Gelungen die Filmmusik, die wechselnde Stimmungen, Charaktere unterstreicht mit Jazzstandards, mit armenischen Duduks und Improvisationen von Branford Marsalis.

Ein traurig-schöner Film, der Wehmut weckt und an die Aufbruchsstimmung nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erinnert, als Nato und Warschauer Pakt überflüssig wurden, die Nato aber zügig neue Tätigkeitsfelder erfand.

Beunruhigend die Botschaft, dass letztlich nur der Rückzug ins private Wert und Bestand hat, dass man nicht in das Räderwerk der Systeme geraten soll, sich fern der Öffentlichkeit Nischen suchen muss.

 

„Das Russlandhaus“, zurzeit zu streamen auf Amazon

 

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Dann bewerten Sie ihn – oder schreiben Sie einen Kommentar!

Weitere Texte des Autoren:

Ich kenne keinen Staat, der seine Gegner so unterstützt wie Deutschland

„Ich kenne keinen Staat, der seine Gegner so unterstützt wie Deutschland“ Auch der Präsident der…

Lesen Sie weiter:

Als die Bilder laufen lernten – Abriss der alten Post

Als die Bilder laufen lernten – hier: der Abriss der Pakethalle der alten Post Gelsenkirchen.…

Lesen Sie weiter:

Empowerment! Followerpower! Global Power! Superpower! Student Power! Female Power! Resistance! Resilienz! Rise Against!

Früher, so sagt man, tröstete die Religion, Gott, das Zwiegespräch mit ihm in einer stillen…

Lesen Sie weiter:

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das könnte Sie auch interessieren:

Mal wieder Fernsehen – Achtung! Florian Schröder und Julian Reichelt

Der „irre“ Reichelt trifft auf den selbstliebsamen Humorphilosophen Schröder. Sehr sehenswert. Überraschend für mich, dass…

Lesen Sie mehr:

Hat mir da jemand was ins Essen gerührt?

Eine Innensicht Vielleicht habe ich aber auch nur geträumt. Schlecht geträumt. Oder ich habe nur…

Lesen Sie mehr:

Lesebefehl: Stefan Laurins „Die neuen Eliten“

So sehr der Lehrer einer Gelsenkirchener Schule auch davon überzeugt ist, dass die Zeit der…

Lesen Sie mehr:

EINE SAMSTAGSFRAGE (21)*

Ertrinkt ein Rechner, wenn er beim Surfen abstürzt?   *aus redaktionellen Gründen bereits am Freitag…

Lesen Sie mehr: