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Heute beginne ich einfach mal mit einer Frage, nämlich ob die folgende Aussage  von Robert Habeck im Zusammenhang mit seiner China-Reise steht oder von Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem Spiel gegen die Schweiz geäußert wurde: „Nachlässigkeit, Faulheit, Trägheit, Bräsigkeit sind keine Alternative.“ Angesicht der gestern gezeigten Leistung einiger National-Akteure hinsichtlich Einstellung und Spielweise könnte man tatsächlich meinen, das Zitat sei von Nagelsmann. Ist es aber nicht. Sondern es ist von Habeck und steht im Zusammenhang mit seiner China-Reise und den angedrohten „Strafzöllen“ für chinesische E-Autos. Die EU wirft den Chinesen bekanntlich vor, ihren E-Automobilen durch staatliche Subventionen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber deutschen Modellen zu verschaffen (niedriger Marktpreis, bei dem deutsche Anbieter nicht „mithalten“ können). Zum Wettbewerb hat Habeck geäußert: „Wir müssen uns dem Wettbewerb stellen. Deutschland führt dieses Wort ´Wettbewerb´ auch im Mund.“

Für einen Wirtschaftsminister sind das schon recht eigentümliche Ausführungen, denn wir führen das Wort Wettbewerb nicht nur im Mund, wie Habeck meint, sondern der Wettbewerb gehört zu den Grundprinzipien unseres (kapitalistischen) Wirtschaftsmodells. Lehrbuchmäßig formuliert:

Wettbewerb (ist) die Konkurrenz der Teilnehmer auf einem Markt, vor allem der Wettkampf der Verkäufer von Erzeugnissen und Leistungen um die Gunst der Käufer. Der Wettbewerb ist das wichtigste Gestaltungselement der Marktwirtschaft. Es sorgt dafür, dass die volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren den bestmöglichen Verwendungen zugeführt werden und somit für die bestmögliche Güterversorgung in der Volkswirtschaft (Steuerungsfunktion).“***

Da wir in einer globalisierten Welt leben, in der es nicht nur eine Binnenkonkurrenz gibt, sondern deutsche Anbieter (und Nachfrager, etwa nach Rohstoffen oder zugelieferten Teilen) weltweit in Konkurrenzsituationen stehen, ist es schon seltsam, diese Äußerung aus dem Munde des Wirtschaftsministers zu hören, denn er spricht hier doch (eigentlich) nicht mehr und nicht weniger als eine Selbstverständlichkeit aus. Aber vielleicht sträubt sich das Innere des Weltökonomen Habeck dagegen, denn ginge es nach ihm, würde er wohl gerne – wie die Chinesen es tun – die wirtschaftliche Entwicklung als „Steuermann“ beeinflussen und mit Mitteln aus dem Haushalt, also Steuermitteln, die andere erwirtschaftet haben, in das Wirtschaftsgeschehen eingreifen – mehr, als der Staat es sowieso schon tut.

Nun schlingert das deutsche Wirtschaftsschiff gewaltig: die Wachstumsprognosen fallen mager aus, Betriebe geben auf oder wandern ab, Kritik aus den Reihen der Wirtschaftsunternehmen ist mittlerweile unüberhörbar. Hohe Energiekosten, Steuern und Sozialabgaben und andere Rahmenbedingungen belasten Unternehmen, aber auch jeden einzelnen Haushalt. Der Staat erweist sich in finanzieller Hinsicht als ein gefräßiges, nicht zu sättigendes Monstrum, das den Wirtschaftssubjekten zusätzlich steuerliche und bürokratische Lasten zumutet. Das alles schwächt Deutschland als Marktteilnehmer.

Deshalb wechselt Habeck im zweiten Teil seines Zitats von der Makroökonomie (Konkurrenz als Element der Marktwirtschaft) zur Wirtschaftspsychologie: „Nachlässigkeit, Faulheit, Trägheit, Bräsigkeit sind keine Alternative.“ Nicht staatliches Handeln (oder auch Nicht-Handeln), das in Habecks Verantwortungsbereich liegt, ist ursächlich für die krisenhafte Entwicklung, sondern die Haltung der Wirtschaftssubjekte, vor allen Dingen wohl bezogen auf die arbeitende Bevölkerung. Denn was Habeck hier anführt, sind Verhaltenseinstellungen wirtschaftlicher Subjekte: Faulheit, Trägheit, Bräsigkeit, Nachlässigkeit.

Im Grunde verlagert Habeck die „Schuld“ an der wirtschaftlichen Krise von sich selbst weg, also von seiner Verantwortung für den wirtschaftlichen Rahmen, hin zu den einzelnen wirtschaftlichen Subjekten (Arbeitnehmer, aber auch Unternehmen), die (Habecks Meinung nach) nachlässig geworden sind und ihre Tage faul, träge und bräsig verplempern, anstatt sich ordentlich krumm zu machen für den Aufschwung.

Habeck erweist sich einmal mehr als Ritter der hohlen Phrase (Wettbewerb), zeigt aber zugleich eine zweite Seite: Als Wirtschaftsminister hat er im Kernbereich seiner Tätigkeit bisher keine Erfolge vorzuweisen, die wirtschaftlichen Grunddaten deuten auch nicht darauf hin, dass Besserung in Sicht ist. Also schiebt er die Verantwortung der (noch arbeitenden) Bevölkerung zu – ein plumpes Manöver, das die Grenze zur Unverschämtheit deutlich überschreitet.

Der Geschichtenerzähler und Schöngeist erweist sich als Tugendbold, der gerne andere für sein Versagen in Haftung nimmt!

QUELLE ZITAT: WAZ, 24.6.24 (Papierausgabe, S. WPL 2/Zitat des Tages)

 *HOLLOW TALK: hollow (Adj.): hohl, leer, dumpf, bedeutungslos

***https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/lexikon-der-wirtschaft/21127/wettbewerb/

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Von Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

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