In den verbummelten grauen Himmel hinein

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Gleich zu Beginn: Ob dieser Text einen Mehrwert für Sie hat, die Lektüre also lohnend für Sie ist, vermag ich nicht zu sagen. Ich habe aber Zweifel. Der Text war nicht geplant. Er ist eher ein Zufallsprodukt. Ich hatte eigentlich eine kleine Rundfahrt mit dem Rad auf meinem Tageszettel. Die ist aber ausgefallen. Weil mein Radfahrpartner zu irgendeinem Weihnachts-Gänseessen musste. Und mir ist für eine Fahrt ohne Fahrrad-Partner das Wetter nicht gut genug. Und außerdem habe ich doch noch zwei Anlässe gefunden, um etwas zu schreiben. Ich habe diese Schreibanlässe gefunden, aber nicht gesucht. Sie sind mir sozusagen in die Tastatur geflogen – aus der Welt vor meinem Fenster in die Schriftzeichen hinein. Und so sitze ich jetzt an meinem Schreibtisch am Fenster, vor dem ein Baum steht, der noch zwei gelbe Blätter hat, die um ihren Verbleib am Ast redlich bemüht sind. Und über dem Baum steht schräg ein verbummelter grauer Himmel ohne eine Wolke, in den hinein ich den Text schreibe.
Zunächst über einen Mann, der mir heute morgen im Sportstudio begegnet ist. Erstmalig. Ich war gerade dabei, mich nach dem Duschen anzuziehen, als er seine Sporttasche auf die Bank neben mir knallte und unvermittelt die Frage abschoss, ob ich das auch gestern im Fernsehen gesehen hätte mit den Reichsbürgern und dass man die verhaftet hätte. Zu dem „Putsch“ der Reichsbürger sagte ich, dass ich das für einen Witz hielte, weil es für einen Putsch mehr benötigte als einen vertrockneten Kleinadeligen, eine Knallcharge, auch wenn sie von Beruf Richterin ist, und ein paar andere Vögel. Er dockte nicht an, sondern sagte, während er sich weiter präparierte (Mund-Nasen-Schutz inklusive), man dürfe hier ja nichts mehr sagen, aber er ließe sich das nicht verbieten, denn schließlich sei Deutschland sein Land.
Auf seine Aussage zu den Besitzverhältnissen an Deutschland bin ich nicht eingegangen, weil ich tatsächlich noch nie ins Grundbuch geschaut habe, um nachzuschlagen, wer da für Deutschland eingetragen ist: der Kanzler, der Bundespräsident, die Industrie- und Handelskammern, die DAX-Konzerne oder Elon Musk und die Herren Zuckerberg, Bezos und Gates? Während ich ins Grübeln kam und mich weiter anzog, war er fertig gerüstet und stapfte los in Richtung Kraftmaschinen-Halle. Ich rief ihm ein „Gute Durchschlagskraft“ hinterher, was aber unbeantwortet blieb! Reichsbürger, Putsch! Das kann doch nur Unsinn sein – eine Operetten-Inszenierung von diesem Verfassungsschutz-Haldenwang, der mich immer an Mecki den Igel erinnert, und von Frau Nancy-One-Love-Binde-Faeser. Für die Jüngeren: Mecki der Igel war eine Comic-Figur und Maskottchen der Fernsehzeitschrift mit dem Namen HÖR ZU! Was namenstechnisch in etwa so absurd ist wie eine Radio-Programmzeitschrift mit dem Namen SCHAU HIN! Oder ein Putsch dieser Reichsbürger-Clowns oder ein Wirtschaftsminister Habeck oder eine Außenministerin Baerbock. Es muss 11 Uhr sein, von irgendwoher ertönt das jammervolle Gejaule einer Sirene. Ein Probealarm oder doch ein Miniputsch? Wobei Frau Baerbock mit ihren nackten Füßen die rund 1,4 Milliarden Inderinnen, Inder und Indenden angeblich schwer beeindruckt haben soll (zweiter Sirenenalarm, erneut ziemlich jämmerlich). Und weil Frau Baerbock (Name des Ehemannes: Holefleisch, wirklich, kein Witz – dritte Sirene) mal eben verfügt hat, dass in der Kantine des Außenministeriums im Zuge der feministischen Außenpolitik ab sofort kein Bismarckhering mehr angeboten werden darf. Und das ist natürlich schon ´ne Maßnahme, die Respekt verdient hat. Auch in Indien!
Kann sein, dass der Abschnitt jetzt sprunghaft in der Gedankenführung war – vom Putsch der Reichsbürger zum Reichsgründer Bismarck, seinem Hering und Frau Baerbock samt ihren Füßen und dem Ehemann mit dem Imperativ als Namen (Schatz! Hole Fleisch!). Deshalb lieber zum zweiten Schreibanlass!
Nach dem Sport das Einkaufen. Was an Kalorien verbrannt worden ist, muss auch wieder rein. Die Kassiererin, über Jahre hinweg schon fast eine Vertrauensperson, zieht die Lebensmittel über den Scanner und kommentiert die 81,02 EURO mit dem Satz „Man, ist datalletteua geworden!“ Ich widerspreche nicht. Am Anfang des Jahres wäre ich für den Warenkorb locker mit 40-45 EURO hingekommen. Deshalb nehme ich auch den Prospekt mit nachhause, der auf der Frontseite, unterlegt mit einem dicken Pfeil, der nach unten zeigt, schreit: „DER GROSSE SPARSTURZ“! Verstehe ich nicht: Wenn etwas stürzt, z.B. die Preise oder ein Mensch, dann geht es normalerweise nach unten, wobei man natürlich auch schon mal eine Treppe raufstürzen kann. Aber das ist die Ausnahme von der Regel. Ein Flugzeug stürzt jedenfalls nach unten, wenn es abstürzt! Wenn aber das Sparen stürzt, dann heißt das doch, dass …! Müsste es also nicht der große „Preis-Sturz“ heißen? Ist ja Wurscht! Ich blättere weiter und stoße auf Wurscht! Aber nicht einfach so. Die Wurscht wird mir von einem Verwandten von Mecki dem Igel angeboten: Ferdi Fuchs. Finde ich toll. Ein Fuchs mit einer literarischen Stilfigur im Namen (Alliteration). Ein Alliterations-Fuchs, der Würstchen verkauft. Aber nicht einfach so! Es sind nämlich Mini-Würstchen! Aber nicht einfach so! Die Mini-Würstchen sind in einem XXL-Pack mit 25% mehr Inhalt. Mehr Inhalt als was? Als ein XL-Pack oder ein L-Pack oder ein XS-Pack? Und wieso Pack? Das Wort „Pack“ kenne ich als Nomen nur als Schimpfwort oder auch als Imperativform beim Verb, wie etwa beim Schlager „Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein/ Und dann nischt wie raus nach Wannsee“ (Cornelia Froboess). Jedenfalls sind in dem XXL-Pack nach Herstellerangabe 10 Mini-Würstchen à 25 Gramm, macht also im XXL-Pack 250 Gramm Wurst, die der Ferdi Fuchs mir andrehen will. Die 10 Würstchen (250 Gramm Gesamtgewicht) kosten 2,19 EURO, der Kilo-Preis beträgt folglich 8,76 EURO. Nur zum Vergleich: ein KG gemischtes Hackfleisch wird im Prospekt für 5,83 EURO angeboten, ein KG-Schweinefilet(Filet!) für 7,99 EURO. Und ein Kinderpyjama (reine Baumwolle) ebenfalls für 7,99 EURO. Aber gut: Hackfleisch und Filet werden auch nicht von Ferdi Fuchs angeboten, sondern einfach so. Und einen Pyjama kann man nicht schmackhaft zubereiten. Und außerdem muss man bei den Würstchen die Alliteration mitbezahlen. Richtig teuer würde es allerdings erst, wenn sich die Ferdi-Fuchs-Alliteration zu einem Tautogramm auswachsen würde, also etwa so: Ferdi Fuchs feiert frohe Festtage für fröhliche Freunde.
In diesem Sinne wünsche ich allen, die bis zu diesem Schlusssatz gelesen haben, einen schönen dritten Adventsonntag!

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geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

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Heinz Niski

Texte ohne Mehrwert können immer noch wertvoll sein. Ich hatte heute zwar keine inspirierenden Begegnungen mit Blättern und Großgrundbesitzern, dafür wurde ich aber mit einem “solche Stinkstiefel wie dich brauchen wir hier nicht” aus einem inklusiven Schloss mitten in der schönen Innenstadt verwiesen. Der Schlossherr, extrem heiser, hielt eine kleine Rede (ohne FFP2 Maske) und blies später noch (ohne Maske) eine stille Nacht auf einem Holzblasinstrument in den geschlossenen Raum.
Der in Gelsenkirchen sehr weltberühmte Charity Allrounder wollte vor den rund 15 Gästen sein Hausverbot nicht präzisieren, bot mir aber an, dies in einem privaten Gespräch nachzuholen. Was er dann auch schriftlich machte. Er teilte mir mit: “wir haben fertig!” Natürlich wieder ohne Gründe zu nennen.
Künstler dürfen das.

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Last edited 1 Monat zuvor by Heinz Niski
Mi.Rob.

Durchgeknallte Schlossherren von Gottes Gnaden bzw. bezahlt aus Steuergeldern sind wohl sowas wie der verlängerte Arm der Totalitaristen.
Wenn denen nix einfällt, um ihren Hass auf vielfältig denkende Menschen zu begründen, kann man immer noch das Leid der Opfer des Nationalsozialismus hernehmen – unabhängig davon, ob eigene Familienmitglieder davon vermehrt betroffen waren oder nicht.
Btw. habe ich mich mittlerweile an ein Glas Champagner morgens im Bett gewöhnt. Darf ich ebenso wie unsere NRW-Ministerpräsident ein Recht daraus ableiten?

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Heinz Niski

Hass schließe ich aus bei ihm. Ich vermute, dass er sich einfach nur unwohl fühlt in meiner Nähe. Künstler spüren, wenn sich die Finsternis & Abgründe ihnen nähern. Er ist nicht der Erste, der sich selbst ein Kontaktverbot zu und mit mir selbst auferlegt. Würde ich ja auch machen, wenn ich mich selbst tragischerweise nicht immer bei und mit mir hätte. 😁

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Mi.Rob.

Ja nun. Wenn mir vermummte Menschen begegnen, ist mir auch sehr unwohl.
Das mache ich aber dann mit mir selber aus, ohne dem Reiz nachzugeben, zu testen ob ein MundNase-Schutz den Träger auch vor fliegenden Fäusten schützt.
Öffentlich geförderte Orte sind aus meinem Verständnis auch für alle zugänglich – persönliche Präferenzen vom Fördermittelempfänger hin oder her.

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Heinz Niski

Hausrecht gilt überall. Ist OK. Mir bricht kein Zacken aus der Krone und er hat sicher mehr Handlungsspielräume und Beinfreiheit für seine Projekte. Passt. Wir sind in GE.

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Ro.Bien.

Du bist doch nur neidisch…
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