Ein Hanswurst namens Karl

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Mal ganz ehrlich: Hatten Sie nicht auch schon einmal den Gedanken, der Karl sei nicht nur ein wenig schräg, sondern ziemlich gaga in der Birne? Er sei irgend so eine Witzfigur, so ein geistig abgestürztes Lehrerkollegiums-Mitglied aus den „Lümmelfilmen“ der ausgehenden 60er und beginnenden 70er Jahre, in denen Pepe Nietnagel den Schuldirektor Dr. Taft oder den Lehrer Dr. Knörz oder Frau Schumann auf die Rolle nimmt? Der wirre Blick, die abstehenden Haarelemente, die Klamotten-Kombination, die eigentümliche Sprechweise, der häufig vermiedene Augenkontakt mit dem direkten Gegenüber, etwa bei einem Interview. Die oft fahrigen Bewegungen. All das macht ihn zu einem Hanswurst, dem Pepe Nietnagel irgendwann das Furzkissen oder einige Heftzwecken auf den Lehrerstuhl legen würde.

In einem (durchschnittlich) gestrickten „Tatort“ könnte er auch bis zur Auflösung zu den Hauptverdächtigen zählen: Dieser seltsame Nachbar, der vielleicht doch die Katze an die Garagentür der Nachbarin genagelt hat, bevor er sie (die Katze und die Nachbarin) filetiert hat. Aber seine, also Karls  eigentliche Bestimmung ist die des Erschreckers in der Geisterbahn. Der Typ, der plötzlich aus der Kulisse springt, mit den Armen fuchtelt und laut „Corona“ schreit! Das “Corona!” – Schreien hat er vor seiner Berufung ins Ministeramt gemacht – und macht er immer noch!
Halt! Stopp! Das stimmt nicht ganz! Da werden wir ihm nicht gerecht – er ist nämlich noch viel schlimmer!
Denn wie heute vermeldet wird, hat der Katastrophen-Karl (laut WAZ v. 16.2.22, Seite WPL2) verkündet: „Der Höhepunkt der Omikron-Welle ist überschritten – ziemlich genau an dem Tag, den ich vor einem Monat vorausgesagt hatte.“ Und deshalb seien „maßvolle Lockerungen“ möglich.
Nun ist er also nicht nur Gesundheitsminister, sondern auch noch Prophet! „Ziemlich genau“ also hat er etwas vorausgesagt, nahezu auf den Tag genau, vor einem Monat.
Ganz ehrlich! Soweit reicht mein Gedächtnis nicht mehr zurück, es ist mehr ein Kurzzeit-Gedächtnis, sozusagen ein 6-Tage-Gedächtnis.Vor sechs Tagen (am 10.2.22) hat der Erschrecker nämlich noch eine ganz andere Botschaft überbracht. Er hat uns Schreckliches angekündigt, ein Unheil sondergleichen! Er hat uns vor Lockerungen gewarnt, so das ZDF: „Sollte Deutschland jetzt lockern, drohen laut Gesundheitsminister Lauterbach 400 bis 500 Corona-Tote pro Tag.“ Da war selbst das doch eher der Regierung freundlich gesonnene ZDF hochgefahren vor Schrecken und hat mal nachgefragt, wie der Corona-Karl denn auf diese Zahl gekommen ist. Aber: „Zu den konkreten Zahlen hinter Lauterbachs Berechnung schweigt das Ministerium. Keine Angabe, etwa wie viele Neuinfektionen 500 Corona-Tote pro Tag bei Omikron entsprechen, welche Letalität oder Klinik-Auslastung der Minister annimmt. Sind die Zahlen eine Einzelmeinung Lauterbachs, oder gemeinsam mit dem RKI entstanden? Ebenfalls keine Auskunft.“ ***
Eine solche Nicht-Auskunft: da war sogar das ZDF leicht pikiert!
Vor sechs Tagen also noch ein Horror-Szenario – heute aber wird schon das nahe Ende der Pandemie begrüßt!
Nein, der Karl ist kein Katzen-Killer, Serienmörder, Kollegiums-Trottel! Aber er ist auch kein Prophet – bestenfalls als Kaffeesatz-Leser und Grillhähnchen-Augur in einer Kirmesbude zu gebrauchen, wo er alten Damen mit wirren Voraussagen Angst macht und ihnen dann die Rente aus der Tasche zieht.
Karl ist einfach ein Hanswurst – aber ein Terror-Hanswurst, dem viel zu lange die Talk-Runden-Ladies Zeit gegeben haben, seinen Stuss abzusondern, so als würde in Karls-Gestalt der Herr selbst seinen Heiligen-Corona-Geist über die Gutgläubigen ausgießen! So oft haben sie ihn eingeladen, dass er, so melden Korrespondenten aus aller Welt, über Wochen, ja Monate auf den Fluren der Rundfunksender übernachtet haben soll.
Mich würde es nicht wundern, aber ich bin kein Prophet mit Zeitangabe, wenn dieser schreckliche Hanswurst im Laufe dieser Legislaturperiode still und leise aus dem Kabinett entschwinden würde, auf einen Posten in der Pharmaindustrie etwa. Oder doch als Erschrecker in der Geisterbahn („Alter Erschrecker zum Mitreisen gesucht“).Vielleicht darf er aber auch beim Verkehrsfunk als freiberuflicher Stauprognostiker die Länge der Staus voraussagen! Auf den KM genau und im Voraus!
Mehr aber auch nicht!
Denn zu den großen Problemen unseres Gesundheitssystems, zum Pflegenotstand, zur Kassenlage, zur Zukunft der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung, zur  Frage des Bettenabbaus, auch auf Intensivstationen, und der ökonomischen,  am Gewinn orientierten Durchtaktung von Krankenhäusern wird er nicht viel beizutragen haben.

Denn schließlich ist er doch nur ein Wirro-Loge!

***https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-lauterbach-500-tote-lockerung-100.html

 

Warnhinweis: Unbedingt vor dem eigentlichen Text lesen! Triggerwarnung!

Redaktioneller Hinweis : Es handelt sich bei diesem Text um eine fiktionale Geschichte, nicht um Realgeschichte. Übereinstimmungen mit der Realität und lebenden Personen sind zufällig,aber unausweichlich. Gesellschaftliche Gruppen, etwa Hanswürste, Erschrecker oder Redakteure des Verkehrsfunks, sollten auf keinen Fall persönlich verunglimpft werden, denn sie machen einen guten Job!Und sind hier einfach nur Kollateralschäden!

Der Text kann Elemente obszöner Sprache, Vulgärausdrücke, menschenverachtende Sprachbilder, Herabwürdigungen von Berufsgruppen oder Minderheiten und sogar Spurenelemente von Wahrheit enthalten! Für Menschen, die ihre Wäsche mit Weichspülmitteln behandeln , besteht die Gefahr von Hautreaktionen (wegen der Inhaltsstoffe in den Weichspülmitteln). Für Menschen, die ihre Wäsche gefaltet am Abend vor dem nächsten Tag, herauslegen, ist dieser Text ungeeignet!

Zuletzt noch dies:

Für Menschen, die noch nie in New York waren, 17 Jahre alt sind und blondes Haar haben, gerne Merci essen, griechischen Wein trinken und in einem ehrenwerten Haus leben, geht auch morgen wieder die Sonne auf. (Karl L., Prophet).

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Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

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Fra.Prez.

Köstlich seziert, den Karl Knall

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Di.Niew.

Grossartig.

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Tho.Ber.

@ Be. Vo. Das musst du lesen. Ich habe sehr gelacht.

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Be.Voi.

Der Klabauterbach wurde treffend beschrieben.

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Ro.Bien.

Ich finds daneben. Aber so sind se halt, die Geschmäcker.

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Heinz Niski

wichtig ist, dass auch “schlechter Geschmack” noch (!!) durch die Kunstfreiheit gedeckt ist. Das ändert sich gerade und wir werden wieder Zeiten erleben wie in den 50zigern bis 80ziger Jahre (Blasphemie Zensur von Achternbusch und anderen) – Amerika ist wie immer ein paar Jahre weiter siehe Spiegelmanns “Maus” (was nicht unter “schlechter Geschmack” läuft, es gehnt nur um ein “schmutziges” Wort) https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/art-spiegelman-zur-streichung-seines-schoa-comics-vom-lehrplan-17788665.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

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Ro.Bien.

Soweit kommts noch.

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