Die geheimen Tagebücher der K.W. (8)

Liebes Tagebuch!
Heute bin ich einmal richtig gut in den Tag gestartet. Ich habe nämlich dem Seniorenstift „Zum letzten Glockenschlag“ von der AWO in der Brömmelstraße einen Besuch abgestattet, um dort vorzulesen. Ein kleiner Kreis von Senior:innen hatte sich versammelt. Die alten Menschen waren überhaupt nicht scheu, weil die Oberbürgermeisterin zu ihnen kam. Ganz im Gegenteil. Ich wurde überaus freundlich und herzlich begrüßt. Zum Vorlesen hatte ich mich für die Erzählung „Der Hundertjährige, der sich bei dem Versuch, eine Langspielplatte einzufrieren, zwei Finger klemmte“ entschieden. Die Geschichte kam gut an, denn diese Generation der dort so gut Aufgehobenen konnte mit dem Begriff „Langspielplatte“ aus eigener Erinnerung noch etwas anfangen. Und ein älterer Herr meinte sogar, für ihn lohne es sich nicht mehr, eine Langspielplatte einzufrieren, was allerdings zu aufmunternden Rufen einiger älterer Damen führte, die meinten, so alt sei er schließlich auch noch nicht und er würde es doch wohl noch ein paar Monate machen. Mit einem herzlichen „Sie dürfen wiederkommen, Schwester“, wurde ich schließlich verabschiedet.
Mir hat das wieder einmal gezeigt, welche tolle alte Menschen wir in Gelsenkirchen haben und worauf es letztlich ankommt: auf Herzenswärme! Und weil doch in der vorweihnachtlichen Zeit das Backen von Plätzchen auf der Tagesordnung steht, hatte ich nach meinem Vorlese-Besuch die Idee, dass wir seitens der Stadt vielleicht einen Kartengruß drucken, auf dem rückwärtig ein Backrezept für Weihnachtsplätzchen steht und auf der Vorderseite in etwa so etwas:

Liebe Mitbürger:innen! Das Fest steht vor der Tür und die Zeit des Backens von Weihnachtsplätzchen ist gekommen. Deshalb laden wir Sie mit einem Rezept ein, mit uns gemeinsam Weihnachten zu feiern: Lassen Sie uns den Backofen auf Herzenswärme vorheizen, den Gute-Laune-Teig ausrollen, Plätzchen auf einem Glücksblech verteilen, zauberhafte Erinnerungen und schöne Zukunftsmomente backen, sie mit Traumzucker bestreuen und gemeinsam Sternstunden genießen. Ihre Oberbürgermeisterin
Ich finde, dass das ganz gut klingt!
Aber ich werde mir das jetzt noch einmal durch den Kopf gehen lassen- auf dem Sofa unter meiner Kuscheldecke. Und werde der chinesischen Weisheit folgen: Wer einen Tag glücklich sein will, der trinke Wein!
Für heute erst einmal:
Schlaf gut, liebes Tagebuch!
Auf bald!

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Dann bewerten Sie ihn – oder schreiben Sie einen Kommentar!

Weitere Texte des Autoren:

die krise unseres (parlamentarischen)systems kann nur durch einen radikalen schnitt gelöst werden (c) copyright Blender Foundation | www.bigbuckbunny.org Creative Commons Attribution 3.0 License

Wahlspezial II – Für eine Elitedemokratie und Ökodiktatur

FÜR EINE ELITEDEMOKRATIE UND ÖKODIKTATUR! vor kurzem hat in der sendung „neues aus der anstalt“…

Lesen Sie weiter:

HOLLOW TALK (23)*

Glücklich ist, wer vergißt, was doch nicht zu ändern ist! (Johann Strauss Sohn, Polka-Mazurka, op.…

Lesen Sie weiter:

Frohe Botschaft 32

Immer wieder erreichen uns Schreiben von Lesern, Leserinnen und Lesenden, darunter auch Finninnen, Finnen und…

Lesen Sie weiter:

1 comment

Klau.Hol. says:

ha ha ha ha ha ha

0
0

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das könnte Sie auch interessieren:

Frage des Tages

Warum werden Giftspritzen in den Todestrakten us-amerikanischer Gefängnisse eigentlich sterilisiert ? fragt Bernd Matzkowski

Lesen Sie mehr:

Die geheimen Tagebücher der K.W. (18)

Liebes Tagebuch! Dass ich erst jetzt, so spät in der Nacht von Montag auf Dienstag…

Lesen Sie mehr:

Selenskyj würde es mit Putin beim Boxen aufnehmen

Laut NTV Meldung / Emmanuel Macron vom 18.12.22 würde Wolodymyr Selenskyj schon morgen in den…

Lesen Sie mehr:

Arbeitsplatzzugangskontrolle

Mittwoch, 24.11.2021. Früher Morgen. Kalte Nebelschwaden ziehen über einen Schrottplatz hinweg. Foto privat – „Totems“…

Lesen Sie mehr: