Ausgewählte Gute Nachrichten Von Vor 60 Jahren (Juli 1961 1/3)

Samstag, den 1. Juli

Das Wasserwerk für das nördliche westfälische Kohlenrevier in Gelsenkirchen übernahm die Wasserversorgung der Stadt Wattenscheid. Bisher war zwar auch “Gelsenwasser” durch Wattenscheids Röhren geflossen, aber über die Abrechnung durch die VEW Dortmund. Jetzt kostete das Wasser in Wattenscheid statt bisher 35 Pfennige je cbm nur noch 30 Pfennige.

Das Kunstkabinett Cafe Funke in der Bochumer Straße zeigte Gemälde von Gerd Losemann (Duisburg-Hamborn).

Werke französischer Orgelmeister spielte Edmund Kreß (Solingen) in der ………..  in der Evangelischen AltstadtKirche. Der Singekreis Bismarck Leitung: Johannes Eichenauer sang A-cappella-Musik von Gumpelsheimer, Stader, Distler und Drieschner.

An einem Turnier des Tanzclubs “Blau-Gold Buer auf Schloß Berge beteiligten sich 25 Paare aus dem westdeutschen Raum in den Standard-Tänzen der D-, C- und B-Klasse. Die Startnummer 13 brachte zwei Bueranern Glück: Unter 12 Paaren der D-Klasse siegten Günter Faust und Marita Larek. Sie stiegen damit endgültig in die C-Klasse auf.

Der Gelsenkirchener Tennisclub schaffte nach vier vergeblichen Anläufen jetzt den Wiederaufstieg in die Sonderklasse Westfalens auf den Plätzen des Tennisclubs “Schwarz-weiß-Grün”, Buer, am Berger Schloß.

In dem nach Wolfsburg verlegten Heimspiel der Internationalen Totorunde – Anlaß war die Hauptversammlung der Volkswagenwerk-Aktionäre – unterlag der FC Schalke 04 bei tropischer Hitze von 30 Grad im Schatten dem hollandischen Meister Feyenoord Rotterdam vor 10 000 Zuschauern mit 1: 5 Toren.


Sonntag, den 2. Juli

In der Evangelischen Kirche Ückendorf führte Superintendent Kluge den am Himmelfahrtstag gewählten neuen Pfarrer Joachim Reitze aus Bottrop feierlich in sein Amt ein. Er trat die Nachfolge des in den Ruhestand getretenen Pfarrers Gottlieb Blindow an.

Mit einer Festpredigt von Pfarrer Friese, der an diesem Tage sein silbernes Ordinationsjubiläum beging, weihte die Evangelische Markus-Kirchengemeinde in Hassel-Süd ihre neue, von der Orgelbaufirma Steinmann in Vlotho erbaute Orgel ein. Sie besaß dreizehn Register. Die Disposition des Werkes stammte von Prof. Auler, Witten. Karl-Heinz Grapentin, der Kirchenmusiker der Evangelischen Altstadt-Kirche, ließ die Orgel erstmalig im Gottesdienst erklingen und gestaltete am Abend auch eine besondere Orgelfeierstunde, bei der auch zwei Chöre aus der Gemeinde mitwirkten.

In einer Veranstaltung der Freireligiösen Gemeinde Gelsenkirchen im Saal der IG Metall an der Augustastraße sprach Siegfried Einstein, ein Verwandter des Physikers Albert Einstein und Verfasser des Buches “Eichmann sitzt neben Dir”.

Aus Anlaß der Vollendung des 70. Lebensjahres überreichte Oberbürgermeister Geritzmann dem Uhrmachermeister Ehrenobermeister Richard Meese, Buer, das ihm verliehene Bundesverdienstkreuz. Den Glückwünschen des Oberbürgermeisters schlossen sich zahlreiche Gratulanten aus dem Buerschen Einzelhandel, dem Handwerk sowie von zahlreichen Verbänden und Vereinen an. Richard Meese hatte von 1923 bis 1933 und wieder nach 1945 im Vorstand der Vereinigten Kaufmannschaft Buer gewirkt; von 1951 bis 1957 war er Obermeister der Uhrmacherinnung Buer/Gladbeck/Westerholt und von 1950 bis 1960 Obermeister der Optikerinnung für den Regierungsbezirk Münster gewesen. Beide Innungen hatten ihn zum Ehrenobermeister ernannt.

Bei tropischer Hitze ging der 1. Bundes-Alten-Kongreß der Katholiken Deutschlands im Hans-Sachs-Haus zu Ende. Am Tage vorher hatte Bundesarbeitsminister a.D. Storch ein Referat gehalten, während ein anderes, das der CDU-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Dr. Krone, halten sollte, der Hitze zum Opfer gefallen war. In der Schlußkundgebung mit Erzbischof Dr. Lorenz Jaeger legten die während des Kongresses gebildeten Arbeitskreise ihre Entschließungen vor. Sie betrafen die Forderung nach dem Bau von konfessionell gebundenen Tagesheimstätten für Betagte, den Bau von Wohnungen, die den Bedürfnissen alter Menschen angepaßt waren, und die Beseitigung von Mängeln und Härten in der neuen Rentenreform.

Der Schützenverein Bulmke-Hüllen feierte ein dreitägiges Schützenfest, an dem auch der Bundesvorsitzende Robert Hübscher, der Kreisvorsitzende Walter Holz, der Bundeskönig  Otto Happe und der Königspaare mehrerer Brudervereine. Am Sonntag gab es ein Frühkonzert und einen Festzug mit 20 Vereinen, 800 Schützen und 16 Königspaaren. Am Montag beschloß das Königsschießen das Fest. Den Königsschuß unter 25 Bewerbern tat Toni Gladesch (Toni I.); zur Königin kürte er Frau Käte Pommeranz, die Gattin des 1. Kassierers.

Höhepunkt der Rennen auf der Trabrennbahn war das Elite-Rennen 11. Das mit 50 000 DM ausgestattete Rennen bestritten zwölf Pferde aus sieben Nationen. Sieger wurde “Jour de Java”, ein Pferd aus französischer Zucht, das vor einem Jahr nach den Niederlanden verkauft worden war, vor “Marlbrough” und “Ker Williams”. Auf der Ehrentribüne sah man Gäste aus Schweden, Dänemark, Holland, Österreich und Belgien. Zur Prominenz zählten auch Staatssekretär Tillmanns und Regierungspräsident Dr. Schneeberger.

Zum ersten Dänemarkflug ließ die Emschertaler Reisevereinigung, Horst, 610 Tauben in Kolding auf. Die Siegestaube des Züchters Bison (“Immer langsam”) erreichte mit einem Minutenmittel von 1022 m (= 61,2 km in der Stunde) den heimatlichen Schlag.

Bei den Westfalenmeisterschaften der Leichtathleten in Hagen schnitten die Gelsenkirchener Teilnehmer mit vier Titeln hervorragend ab. Wilma Fabert (Weitsprung), Werner Schallau (Zehnkampf), Jürgen Fauda (800 m) und Franz-Josef Woltering (Hammerwurf) waren die glücklichen Sieger.

Anläßlich der Unabhängigkeitsfeiern des jungen nordafrikanischen Staates Tunesien wurden auch zahlreiche Sportveranstaltungen mit Gästen aus dem Ausland durchgeführt. Aus der Bun- desrepublik war u.a. die Nationalstaffel der Amateurboxer eingetroffen. “Chefdemission” dieser Boxer war der Erler Kaufmann und Schatzmeister des Deutschen Amateurboxverbandes, Hans Stork. Die deutschen Boxer konnten zwei Siege erzielen.

Nach einem weithin hörbaren Knall schlugen am Abend Flammen aus dem 746 t großen Tankschiff “Outremont” aus Basel im Gelsenberg-Hafen des Rhein-Herne-Kanals. Sie griffen auf die Kleidung des Kapitäns und zweier Matrosen über, die sich wie lebende Fackeln ins Wasser stürzten. Sie mußten mit schweren Brandwunden ins Krankenhaus gebracht werden. Die Werksfeuerwehr löschte mit Pulverlöschern den Brand und verhinderte so eine Explosion.


Montag, den 3. Juli

Auf Einladung des Städt. Volksbildungswerks sprach Dr.Nguyen van Thinh über die Probleme des geteilten Landes Vietnam (Mit Lichtbildern).

Der Rundfunk übertrug ein Konzert des Werksorchesters der Zeche Graf Bismarck unter der Leitung von Kapellmeister Humpe aus dem Zoo in Wuppertal.


Dienstag, den 4. Juli

Oberbürgermeister Geritzmann überreichte eine Ehrenpatenschaftsurkunde des Bundespräsidenten an Herrn Rudolf Albrecht, Walpurgisstraße 29, und an Herrn Kurt Kunkel, Prinzenstraße 7, für ihre siebten Kinder Brigitte und Günter.

Eine englische Studiendelegation traf zu einem Besuch in Gelsenkirchen ein. Diese Bergwerksdelegation weilte für zwei Wochen zur Schulung und Orientierung in Haltern. Stadtverwaltung und IG Bergbau und Energie boten den jungen Männern in den Zoo-Terrassen Gastfreundschaft. Drei deutsche Studentinnen aus Heidelberg und Mainz fungierten als Dolmetscherinnen.

Arbeiter riegelten das Vorgelände des neuen Marktplatzes an der Schloß- und Turfstraße in Horst mit einer eisernen Barriere ab. Eingefriedigt wurde auch die alte Schloßstraße, die in den Marschall-Rütger-Platz mündete. Man wollte dadurch verhindern, daß die Marktbesucher die neue Schloßstraße überquerten. Die alte Schloßstraße wurde zur Sackgasse.


Mittwoch, den 5. Juli

Die Geschichte des alten Kämpken-Hofes in Beckhausen schilderte die”Buersche Zeitung” in einem bebilderten Artikel unter der Überschrift “Bauernhaus hat Geburtstag”. Eine Inschrift auf dem Giebelbalken wies aus, daß das Haus vor 240 Jahren am 5. Juli 1721 bezogen worden war.

H.R. Mückler eröffnete im Hause Wanner Straße 32 eine Praxis als Heilpraktiker. In Horst wurde mit dem Abbruch des eingeschossigen Hauses Schloßstraße 22 (Geschäft Kazmarek) begonnen. Die beiden anderen Geschäfte waren bereits früher umgezogen. Damit verschwand ein störendes Moment im Gesamtbild des neuen Marktplatzes.

Das Deutsche Rote Kreuz in Gelsenkirchen legte in seinem Büro in der Vattmannstraße (neues Arbeitsamt) die vom Suchdienst des Roten Kreuzes erarbeiteten Bilderlisten von verschollenen Wehrmachtsangehörigen (180 Bände) aus. Sie enthielten Fotos von 1 ,3 Millionen Verschollenen. Das Rote Kreuz hoffte auf einen starken Besuch ehemaliger Soldaten, die mithelfen wollten, das Schicksal von vermißten Kameraden aufzuklären.

In einer Pressekonferenz gab Arbeitsamtsdirektor Reuter Zahlen über die zur Zeit in Gelsenkirchen beschäftigten Ausländer bekannt. Von insgesamt 1 977 waren 969 Italiener, 33 Spanier, 52 Jugoslawen, 111 staatenlose und 205 aus verschiedenen Ländern. Der Verwaltungsausschuß des Arbeitsamtes hatte sich unter der Leitung von Hubert Scharley und Stadtrat Lange besonders um die Unterbringung der Gastarbeiter gekümmert. Als Vorbild wurden die Unterkunft “Sobbehof” der Zechengruppe Consolidation und die Heime der Rheinstahl-Eisenwerke bezeichnet, in denen 520 Ausländer untergebracht waren. Alle Ausländer waren auf ein Jahr verpflichtet. Die Freizeitgestaltung war ein noch nicht bewältigtes Problem.

Stadtverordneter Scharley kündigte an, daß die Theatergemeinde Gelsenkirchen Prospekte in italienischer Sprache an die rund 100 in Gelsenkirchen lebenden Italiener verteilen wolle, um sie auf die Möglichkeit von Theaterbesuchen in der neuen Spielzeit hinzuweisen. Die Evangelische Kirchengemeinde Hüllen beging das Richtfest für die neue Martin-Luther-Kirche. Pfarrer Vonhof rief
den Gemeindegliedern und Handwerkern in einer schlichten Feierstunde die Bedeutung des Augenblicks ins Bewußtsein.

Zum 8. Male fand in der Zeit vom 5. bis 9. Juli das Sommerfest auf Schloß Berge statt. Das zum Auftakt vorgesehene Konzert im Schloßhof fiel einem starken Gewitterregenguß  zum Opfer. Statt dessen spielte das Kammerorchester des Städt. Orchesters sinfonische Musik im Festsaal. Am 6. Juli sangen Buersche Männerchöre vor der Waldschenke im Stadtwald. Der 7. Juli brachte ein Sportfest auf dem Sportplatz der “Offenen Tür” am Berger See.

Die Fußballmannschaft des Schalker Gymnasiums erreichte unter der Leitung ihres Sportlehrers J. Böttcher in Menden (Sauerland) mit einem 3:1-Sieg über die Mannschaft des Gymnasiums Rüthen (Kreis Lippstadt) das Endspiel im Kampf um die Bannermeisterschaften von Westfalen.

Die Borkenberge-Gesellschaft führte den schon zur Tradition gewordenen Segelflug-Wettbewerb in den Borkenbergen durch. Unter den 20 teilnehmenden Vereinen war auch der Luftsportclub Gelsenkirchen und Buer.


Donnerstag, den 6. Juli

Schwester M. Wiganda feierte ihr goldenes Ordensjubiläum. Sie leitete seit fast 30 Jahren den Kindergarten der Katholischen Pfarrgemeinde St. Elisabeth in Heßler.

Im Rahmen von Rationalisierungsmaßnahmen verringerte die Zeche Dahlbusch ihre Bauabteilung, die u.a. für Arbeiten an den zecheneigenen Wohnungen eingesetzt wurde, um ein Drittel (rund 30 Kräfte). Die Männer wurden jetzt im Über- oder Untertagebetrieb beschäftigt.

Die Zeche Graf Bismarck nahm eine moderne Grubengas-Absauganlage auf Schacht I in Betrieb. Sie saugte stark methanhaltiges Grubengas an, dessen große Heizkraft zur Unterfeuerung der Koksöfen wirtschaftlich eingesetzt wurde. Bis dahin war das Grubengas Methan mit den Grubenwettern als gefährliches Gas abgelassen worden.

Beim Tribünenbau auf der Trabrennbahn wurden die Baugrundbohrungen abgeschlossen. Sie hatten ein zufriedenstellendes Ergebnis: In günstigen Tiefen wurden Erdschichten festgestellt, die als Untergrund für die Errichtung des Tribünenhauses geeignet waren.

In Horst begann der Abbruch des Behelfsheimes Kazmarek an der Schloßstraße und des Verkaufs-Pavillons am Marschall-Rütger-Platz.

Eine im Schaffrath-Viertel vorgenommene Befragung der Eltern über die von ihnen gewünschte Schulart bei der Planung eines Schulneubaues ergab eine große Mehrheit für die Konfessionsschule, sowohl bei den evangelischen wie bei den katholischen Eltern.

Die Christliche Kulturgemeinde Euer/Horst zeigte ihren Freunden im KV-Theater den Film “Der Bettelstudent”.

Im Städt. Volksbildungswerk hielt Jang Dilawari einen Lichtbildervortrag über “Indien – das Land mit 400 Millionen Menschen”.


Freitag, den 7. Juli

Im Alter von 71 Jahren starb der vor sechs Jahren in den Ruhestand getretene Verwaltungsleiter des Krankenhauses “Bergmannsheil” in Buer, Amtmann i.R. Fritz Hustadt. Er hatte diesen Posten seit der Gründung des Krankenhauses im Jahre 1929 bekleidet.

Der von Bernhard Wicki gedrehte Film “Das Wunder des Malachias”, bei dem viele Gelsenkirchener Bürger als Statisten mitgewirkt hatten, erlebte nach seiner Uraufführung bei den
Berliner Filmfestspielen am 3. Juli, bei denen Bernhard Wicki mit dem “Silbernen Bären” ausgezeichnet worden war, jetzt seine Erstaufführung in Gelsenkirchen. Schon über eine
Stunde vor Beginn der Premiere drängten sich die Menschen vor dem Apollo-Theater, um die viele Prominenz zu sehen, vor allem den Darsteller des Malachias, Horst Bollmann. Sie alle
mußten sich nach Schluß der Premiere auf der Bühne vielmals verbeugen. Am Abend gab die Stadt in Schloß Berge einen Empfang, der mit dem Regisseur Wicki die Schauspieler und eine große Zahl von Ehrengästen vereinte, unter ihnen auch Vertreter der überörtlichen Presse und der Filmfachpresse.

Oberbürgermeister Geritzmann überreichte Bernhard Wicki eine Grubenlampe. UFA-Direktor Fischer dankte der Stadt für die Unterstützung bei der Herstellung des Filmes. Zur Abendvorstellung im Apollo-Theater erschien das Wicki-Team nochmals vor dem Vorhang auf der Bühne. Am nächsten Tage reiste Wicki von Gelsenkirchen nach Moskau zu den dortigen Filmfestspielen, zu denen er mit seinem Film “Die Brücke” eine Einladung erhalten hatte.

Zur Teilnahme am Sommerfest auf Schloß Berge trafen aus Bremerhaven vier Besatzungsmitglieder des Fischdampfers “Gelsenkirchen” auf dem Hauptbahnhof ein. Sie wurden anschließend von Oberbürgermeister Geritzmann in seinem Dienstzimmer empfangen. Es waren Kapitän Keirath, der Erste Offizier Preis, der Funker Klint und der Matrose Menzel. Als Geschenk brachten sie dem Oberbürgermeister einen 50 Pfund schweren Heilbutt mit, den dieser dem Evangelischen Krankenhaus überwies. Am Nachmittag fuhren die “Blauen Jungs” auf der Zeche Graf Bismarck ein; am Samstagvormittag gab es eine Stadtrundfahrt.

Der Deutsche Hausfrauenbund zeigte vom 7. bis 20. Juli im Kleinen Saal des Hans-Sachs-Hauses eine Informationsschau über Chemie-Fasern.


Samstag, den 8. Juli

93 Jahre alt wurde Johannes Wieners, Marschallstraße 26. Unter den vielen Gratulanten waren auch neben seinen Kindern sechzehn Enkel und drei Urenkel.

Eine Studentenrruppe des North Central College in Naperville (Illinois in den USA) traf zu einem einwöchigen Besuch in Gelsenkirchen ein. Es waren 15 Mädchen und 15 Jungen unter der Führung von Pater St. Angelo. Zwei Drittel von ihnen waren deutscher Abstammung. Sie hatten vorher schon Berlin und Süddeutschland besucht und waren jetzt Gäste in Familien der Evangelischen Gemeinschaft der Friedenskirche.
Stadtverordneter Reuter begrüßte sie bei einem Empfang durch die Stadt in den Zoo-Terrassen.

Der Samstag brachte den Höhepunkt des Sommerfestes auf Schloß Berge. An der Endausscheidung im Wettstreit der Bergkapellen beteiligten sich sieben Kapellen aus dem Ruhrgebiet. Den Wanderpokal der Stadt errang dieses Mal die Bergkapelle der Zeche Graf Bismarck (Leitung: Kapellmeister Humpe). Auf der großen Spielwiese wurden wiederum Tausende von Luftballons zum Wettfliegen aufgelassen. Auf der Anlage des Tennisclubs “Schwarz-Weiß-Grün” führte der Schach-……  Im Verkehrshof Ruhrgebiet kamen vierzehn kriegsblinde Ohnhänder zu einem Erfahrungsaustausch unter der Leitung von Heinrich Schütz (Münster), dem Landesvorsitzenden der Kriegsblinden, zusammen. Dieser überreichte Landesrat Alstede vom Landschaftsverband Westfalen das ihm verliehene Bundesverdienstkreuz I. Klasse.

Die IG Bergbau und Energie hielt im Goldberghaus in Buer eine Funktionärskonferenz abo Das geschäftsführende Vorstandsmitglied W. Arendt sprach über die wirtschaftliche Lage des Bergbaues und die künftigen Aufgaben der Organisation. Er forderte nach dem “Grünen Plan” für die Landwirtschaft nun auch einen “Schwarzen Plan” für den Bergbau. Mitgeteilt wurde u.a., daß die Geschäftsstelle Gelsenkirchen-Buer in der ersten Jahreshälfte 1961 einen Zugang von 1 100 Mitgliedern zu verzeichnen gehabt habe.

Auftakt zu den sonntäglichen Veranstaltungen des Sommerfests auf Schloß Berge war wiederum ein Massenstart von Brieftauben. Buersche Männerchöre und der Erler Kinderchor erfreuten viele Besucher mit ihren Liedern. Die Kleinen fanden Freude an den Späßen von “Onkel Albert”. Ein Promenadenkonzert füllte den Nachmittag bis zum Abend aus.

Auf der Trabrennbahn wurde der auf 16 650 D aufgestockte “Rheinland-Pokal” ausgetragen. Gewinner war “Double” vor “Zu vi e l ” und “Iwan”

Nach dreimaligem Anlauf gelang es den Buerschen Volksschulen mit 1 000 Jungen und Mädchen bei den Bezirksmeisterschaften …. der Buerschen Schulen den Wanderpokal zu erringen. Sieger waren bei den Jungen die Brauck-Schule, bei den Mädchen die Gutenberg-Schule. Die höchste Bewertung überhaupt mit 77 Punkten erzielte Arno Ostermann.

Die Boxstaffel des Boxclubs Erle erzielte von 1 000 Zuschauern in der Halle der Erler Bezirkssportanlage über den Boxring Hamm einen 9:7-Erfolg.

Die 17 Jahre alte Erika Pollmann vom FC Schalke 04 errang nach der Westfalenmeisterschaft (s.So 195 dieses Bandes) nun auch noch die westdeutsche Jugendmeisterschaft im 100- m-Lauf in 12,2 Sekunden.

Die Delegierten von 3 000 Fußballvereinen wählten auf ihrer Jahrestagung in Duisburg-Wedau Konrad Schmedeshagen (Gelsenkirchen) zum 12. Male zum Vorsitzenden des Westdeutschen
Fußballverbandes. Der schon weißhaarige Industriekaufmann der Gußstahlwerke AG forderte erneut die schnelle Gründung einer Bundesliga.

Städt. Musikdirektor Richard Heime, der noch am Tage vorher beim Wettstreit der Bergkapellen in der Jury mitgewirkt hatte, erlitt einen Herzinfarkt und wurde ins Knappschaftskrankenhaus in Ückendorf eingeliefert.


Montag, den 10. Juli

Die Schrottgroßhandlung Alfons Manok KG am Güterbahnhof Bismarck beantragte die Eröffnung des Vergleichsverfahrens zur Abwendung des Konkurses. Das Amtsgericht Gelsenkirchen lehnte den Antrag jedoch ab und eröffnete den Anschlußkonkurs.

In der neuen Städt. Jugendbücherei an der Wanner Straße fand zum ersten Male in Gelsenkirchen eine Sitzung des Vorstandes der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen des Vereins deutscher Volksbibliothekare statt. Stadtrat Hoffmann begrüßte die Gäste mit einer kurzen Ansprache, in der er auf die kulturelle Zukunftsplanung Gelsenkirchens hinwies. Abends waren die Teilnahmer Gäste der Stadt im Kleinen Haus der Städt. Bühnen.

Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Scholven GmbH legte den Geschäftsbericht für das Jahr 1960 vor. Daraus ergab sich, daß die Gesellschaft im ganzen bisher 10 511 Wohnungen gebaut hatte. Sie verteilten sich auf 1 742 Miethäuser mit 8 054 Wohnungen und 1 500 Eigenheime mit 2 457 Wohnungen. Im Bau waren am Bilanzstichtag noch weitere 1012 Wohnungen. Die Bilanz schloß mit einer Summe von rund 202 Mill.DM ab. Das Geschäftsjahr erbrachte einen Gewinn von 683 236 DM. Der Geschäftsführer schlug vor, daraus nach Überweisung von 590 736 DM an verschiedene Rücklagen eine Dividende von 4 Prozent auszuschütten.

Die Eisen & Metall AG nahm eine neue Werkshalle für ihren Schneidebetrieb in Benutzung. Die Halle besaß 3 000 qm Fläche und bot, weil lichtdurchflutet, ideale Arbeitsmöglichkeiten. Die alte Halle diente jetzt als Lager. Im neuen Betrieb konnten Bleche bis 200 mm Dicke autogen geschnitten werden. Die Eisen & Metall AG war 1876 gegründet worden und hatte jetzt eine Belegschaft von 1 100 Mann.
4 065 der insgesamt 34 577 Prämiensparer der Stadt-Sparkasse standen in Fortunas Gunst mit einem Gewinn bei der neuen Auslosung. Für sieben von ihnen waren es 1 000 DM.

Im Mittelpunkt einer Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses stand eine Aussprache über die von der Landesregierung angeordnete Aufhebung der Wohnraumbewirtschaftung in Gelsenkirchen. Dazu stellte der Ausschuß fest, daß die Gebäudeerhebung im Jahre 1956 als Ausgangsposition zur Feststellung des derzeitigen Wohnungsfehlbedarfs in Gelsenkirchen
sehr anzuzweifeln sei, und daß der wirkliche Wohnraumbedarf weit über den vom Minister für Landesplanung und Wohnungsbau angegebenen 2 479 Wohnungen liege. Nach den Feststellungen der Verwaltung war ein echter Fehlbedarf von mindestens 7 000 Wohnungen vorhanden. Nach eingehender Aussprache, in der u.a. auch Städt. Oberverwaltungsrat Kolkenbrock
als Leiter des Statistischen Amtes der Stadtverwaltung seine Meinung über den Wert von Statistiken äußerte, faßte der Haupt- und Finanzausschuß folgende Entschließung einstimmig : “Der Haupt- und Finanzausschuß erhebt Bedenken gegen die Richtigkeit der vom Statistischen Landesamt angestellten Berechnungen des Wohnungsdefizits in Gelsenkirchen mit angeblich 2 479 Wohnungseinheiten = 2 Prozent am 31. Dezember 1960. Es besteht gegenwärtig vielmehr ein erheblich darüber hinausgehender tatsächlicher Bedarf an Wohnungen. Der Haupt- und Finanzausschuß beauftragt die Verwaltung, bei der Landesregierung die notwendigen Schritte zu unternehmen”. Der Haupt- und Finanzausschuß befaßte sich weiter mit dem Ergebnis einer Besichtigung der Sonderschule mit Tagesstätte für geistig behinderte Kinder in Solingen und beauftragte die Verwaltung zu prüfen, welche Möglichkeiten bestehen, eine solche Einrichtung auch in Gelsenkirchen zu schaffen.

Der Haupt- und Finanzausschuß billigte die vom Bauausschuß vorgelegten Pläne zum Bau eines Jungen-Gymnasiums an der Goldbergstraße in Euer mit 24 Klassen und den notwendigen Nebenräumen nebst Aula, Turnhalle und Gymnastiksaal, ferner die Pläne zum Neubau eines Hallenbades an der Ecke Turf- und Johannastraße in Horst mit einem Schwimmbecken von 12,5 x 25 m Größe mit Ein- und Drei-Meter-Sprungbrettern sowie Wannenbädern und Duschen im Untergeschoß. Der Haupt- und Finanzausschuß beauftragte den Architekten Deilmann (Münster) als den 1. Preisträger im Wettbewerb um den Bau einer Metallberufsschule, die weitere Planung für dieses Projekt durchzuführen. Die ersten Mittel dafür sollten im Haushaltsplan 1962 bereitgestellt werden, damit mit dem Bau möglichst bald begonnen werden könnte.

Der Haupt- und Finanzausschuß gewährte der Heilsarmee an- läßlich ihres fünfundsiebzigjährigen Bestehens eine einmalige Zuwendung in Höhe von 1 000 DM.

Der Ortsausschuß des Deutschen Gewerkschaftsbundes wandte sich mit einem energischen Protest gegen die von der Landesregierung verfügte Auflösung des Gelsenkirchener Wohnungsamtes. Argumente und Material lieferten dabei Sozialdezernent Stadtrat Lange, Städt. Oberverwaltungsrat Kolkenbrock, der Leiter des Statistischen Amts der Stadtverwaltung, und der Wohnungsamtsleiter Leitsch. Ortsausschußvorsitzender Hubert Scharley befürchtete vor allem auch eine Kürzung von Wohnungsbaumitteln für Gelsenkirchen. Der Ortsausschuß richtete nach längerer Aussprache eine Entschließung an die Landesregierung, in der es u.a. hieß: “Die Beurteilung der Wohnungslage Gelsenkirchens wird der Wirklichkeit in keiner Weise gerecht. Das auf Grund der im Jahre 1956 methodisch durchgeführten Wohnraumzählung und der laufenden Fortschreibung ermittelte Wohnungsdefizit von zwei Prozent entspricht offensichtlich nicht den Tatsachen. Die Stadt Gelsenkirchen wird dadurch praktisch in den Kreis der Landgemeinden einbezogen, deren Struktur eine ganz andere ist. Das hiesige Statistische Amt beurteilt die Verhältnisse in Gelsenkirchen als außergewöhnlich und sieht bei einem sehr großen Teil der Altbauwohnungen keine klare Abgrenzung des Begriffes “Normalwohnung”. Die vorzeitige Aufhebung der Wohnraumbewirtschaftung hat zu einer großen Beunruhigung der wohnungssuchenden Gelsenkirchener Bevölkerung geführt.”

Das Kunstkabinett Cafe Funke zeigte Gemälde von Gerd Losemann (Duisburg).

Über die Partnerschaft mit den Entwicklungsländern sprach unter dem Motto “Industrie vor neuen Horizonten” Dr. Hans-Otto Wesemann, Leiter der Abteilung Wirtschaft im westdeutschen Rundfunk und der Deutschen Welle, im Städt. Volksbildungswerk.


Quelle: Stadtchroniken Gelsenkirchen

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Heinz Niski

Handwerker, Rentner,

5 Gedanken zu „Ausgewählte Gute Nachrichten Von Vor 60 Jahren (Juli 1961 1/3)

  • 20. Juli 2021 um 21:26
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    Sentimental kann ich ja nun nicht werden, wenn ich Begriffen wie “Ohnhänder” begegne. Aufgewachsen bin ich, als es noch Ruinen gab, Schutt, Kriegsblinde, Kriegsversehrte ohne Arme, Beine, entstellt, traumatisiert – ohne dass dieser Begriff oder eine Ahnung von dessen Bedeutung existierte. Es war Normalität. Das Richtfest der evangelischen Kirche Hüllen habe ich miterlebt, die Schließung der Kirche aus der Ferne beobachtet. Erst mit dem lesen der Chronik wird mir klar, welche Zeitenwende sich 1961 schon ankündigte. Gelsenkirchen an der Sollbruchstelle zwischen noch Aufstiegshoffnung und doch schon im Abstiegstaumel…..

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    • 21. Juli 2021 um 9:54
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      Ein Leben in einer Region, dessen Rituale und Zusammenhalt nur auf Arbeit gründet, kann nix werden.

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  • 21. Juli 2021 um 10:04
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    Im ausgewählten Jahr der Chronik war ich neun Jahre alt – ein Rückblick also in „sehr frühe Jahre“. Manches hat skurrile Züge, etwa dass man sich Gedanken darüber gemacht hat, italienischen Gastarbeitern (Hinweis: für ein Jahr verpflichtet) ein Kartenangebot für das MiR zu machen. Welche Bevölkerungsgruppe mit Einwanderungsgeschichte macht man heute schon so ein Angebot?
    Der Hinweis auf das Elite-Rennen (Trabrennbahn, dotiert mit 50 000 Mark) zeigt, dass es damals neben Schalke auch noch andere weit über die Stadt hinaus bedeutende Sportereignisse hier gegeben hat.
    Dass ein Referat beim Bundes-Alten-Kongress wegen der Hitze nicht gehalten werden konnte, macht deutlich, dass Gelsenkirchen damals Vorreiter des Klimawandels war- oder wie ist die Hitze zustande gekommen?
    Mein Top-Ereignis ist die Übernahme von zwei Bundespräsidenten- Patenschaften für das jeweils siebte Kind von Herrn Albrecht und Herrn Kunkel. Sieben Kinder sind für sich genommen aus heutiger Sicht schon fast undenkbar. Aber dass die Urkunden an die Väter und nicht an die siebenfachen Mütter übergeben worden sind, bringt bestimmte Elemente des Zeitgeistes eindringlich auf den Punkt.

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  • 21. Juli 2021 um 12:34
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    was mich als Kind immer stark beeindruckte waren die Handprotesen, “Lederhände”, der Kriegsversehrten. Das machte mir Angst.

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    • 21. Juli 2021 um 12:39
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      wir kennen ja auch noch die Zahnlosen, bis Mitte 70ziger Jahre gab es viele Menschen mit schlechter Zahnversorgung. Irgendwann wurde daraus eher eine Überversorgung = alle wurden durch Spangentragen zu eher stromlinienförgigen Gebissen/Köpfen. Kaum noch interessante Gesichter…… dafür alle mit den Spuren des Bracketklebers in der Mitte der Schneidezähne, diese Linie leuchtet sehr schön im Fernsehen.

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