Brief an eine Heimweh Erkrankte

Liebe Susanne,

danke für deine letzten Nachrichten aus Archangelsk. Wenn du wirklich mal wieder Heimatluft schnuppern willst, komm also auf einen Besuch zurück.

Hier hat sich einiges geändert.

Es gibt jetzt 1 Euro Läden mit uniformierten Sicherheitsarbeitern. Eigentlich überall nach 18 Uhr dort, wo Ware gegen Geld getauscht wird.

Neu ist, dass die flexibel eingebunden sind in das Konzept eines ökonomisch-ökologisch-soziokulturell-nachhaltigen E-Governments. Wir machen nämlich nun Fellow City, da verdrahten wir elegant Silostrukturen und Querschnittsaufgaben mit Transformationsansätzen. Du könntest also als stadtgesellschaftlicher Akteur partizipativ zwischen Kollaboration und Kommunikation den Kulturwandel bestimmen durch OIL. Also durch open innovation lab.

Wir machen das schon. Wir haben apps dafür, die dokumentieren vagabundierende Sperrmüllhaufen für unsere Open-Data Bank, wir können damit auch direkt mit Open-Government telefonieren. Die sind immer interessiert an guten Gesprächen. Die wollen starke räumliche Disparitäten konsequent abmildern. Mit RSK, mit IEK, mit IHK. Also mit räumlichem Strukturkonzept, integriertem Entwicklungskonzept und integriertem Handlungskonzept. Quasi schöpferisch.

Wir haben, neben den Lamas im Revierpark, nun auch Goals, das wird dich faszinieren. Greens z.B., aber auch sustainable Developments. Wir nennen sie „SDGs“. Die gibt es seit der New Urban Agenda. Das sind Transformationsphasen, die nicht immer jedem schmecken, dafür aber zur Belohnung am Ende mit einer resilienten Stadt für alle winken.

Jedenfalls gibt es hier nun super viel proaktives, bidirektional feedbackorientiertes, ein Modal Shift ist dadurch beinahe überflüssig. Da seid ihr wohl neidisch drauf in Sibirien, ha ha.

Das coolste: wir haben jetzt auch Raum für digitale Anwendungsfälle und Innovationen, natürlich sozial und wirtschaftlich inkludiert.

Was wir Gelsenkirchener strikt ablehnen und mit Abscheu und Entsetzen von uns weisen, ist die digitale Exklusion der Ü 60zigjährigen, der Einkommensschwachen, der Bildungsentfernten, der Sprachunmächtigen.

Dafür haben wir fokussierte, agile, zielorientierte Gegenmaßnahmen, die wir sukzessiv nach dem Top-Down und Bottom-Up Prinzip umsetzen.

Und dann haben wir ja auch noch Urban Foresight, also diese hintergründige Zielgenauigkeit. Inspiriert durch die Seelöwen Fütterer des Zooms.

Nun aber genug der Vorbereitung,

ich hole dich am Bahnhof ab.

Du wirst dich wundern, wir haben da nun eine digitale Anzeigentafel. Da werden Züge angezeigt, die ankommen oder wegfahren.

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Heinz Niski

Handwerker, Rentner,

2 Gedanken zu „Brief an eine Heimweh Erkrankte

  • 5. Oktober 2020 um 11:36
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    jaaaaa aber:
    1. tauchen in dem text die worte huawei – sicherheitsrisiko – 5g – trumpscher handelskrieg nicht auf
    2. heisst security heute doorman

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    • 7. Oktober 2020 um 18:57
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      „Doorman“ klingt weltmännischer / fraulicher als Türsteher.

      Die Entscheidung sich an Huawei zu binden, droht der Stadt ja schon seit längerem auf die Füße zu fallen. Mal wegen der befürchteten Abhängigkeit der Gelsenkirchener Infrastruktur von chinesischen strategischen Zielen, mal weil man Spielball im Handelskrieg zwischen Amerika und China ist. So oder so aber immer Bauer im Königsspiel. Was solls, in der Not (Armut) frisst der Teufel auch mal Fliegen… oder so.

      Auf dem Markt für Mobilfunknetzkomponenten, den Huawei ebenfalls beliefert, kaufen nicht Verbraucher, sondern Provider ein. Sie sind regelmäßig einem direkteren staatlichen Einfluss ausgesetzt. In Deutschland entschied bislang das Bundesamt für IT-Sicherheit nach technischen Kriterien, ob Angebote zulässig sind. Berichten der Tageszeitung Die Welt und des Handelsblatts nach soll sich das nun ändern. Danach hat sich die Bundesregierung grundsätzlich darauf geeinigt, dass nun auch das Außenministerium, das Innenministerium, das Wirtschaftsministerium und das Bundeskanzleramt „mitprüfen“ – und zwar nicht nach technischen, sondern nach politischen Kriterien. Dafür sollen unter anderem Informationen des deutschen Auslandsgeheimdiensts BND ausgewertet werden.

      https://www.heise.de/tp/features/Huawei-sucht-Ausweg-aus-der-Patentsperre-4921920.html

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