Seit gestern bin ich Ketzer

Ich habe am gestrigen Morgen aus der Personenwaage die Batterien entnommen und sie ganz einfach so – in den Mülleimer geworfen. Anstatt sie zu sammeln und dann an einer Sammelstelle zu entsorgen.

Heute habe ich weitergemacht: Zunächst habe ich meine elektrische Zahnbürste, die ich sonst nur in Notfällen anstatt der Handzahnbürste benutze, laufen lassen, bis der Akku leer war. Dann habe ich den Akku aufgeladen und dabei gehofft,  dass mein Energieversorger wegen der herrschenden Windstille genötigt war, Atomstrom aus Frankreich oder dreckigen Kohlestrom aus Polen dazuzukaufen und ins Netz einzuspeisen.

Danach: Autofahrt!

Eigentlich benutze ich das Auto nur einmal in der Woche für Großeinkäufe (Getränkekästen mit Glasflaschen, Lebensmittel für einen vierköpfigen Haushalt für eine Woche), ansonsten bewege ich mich in der Stadt mit dem Rad. Mein Auto fährt mit Gas. Etwa ein bis zwei Minuten nach dem Start mit Benzin stellt sich der Motor automatisch auf Gasbetrieb um. Die Automatik habe ich ausgestellt und bin dann einfach so ein paar Runden um den Häuserblock gefahren, um Benzin zu verbrennen.

Danach habe ich den Inhalt der gelben Tonne (duales System),  der braunen Tonne (Bio-Abfall) und der blauen Tonne (Papier) in die graue Tonne (Restabfall) geschüttet. Was nicht mehr reinpasste, habe ich in zwei Plastikmüllsäcken verstaut, die ich heute Nacht, wenn es dunkel ist, einfach im benachbarten Park an eine Bank stellen werde.

Warum ich das mache, warum ich ein Ketzer geworden bin?

Weil diese ganze Klimabewegung mittlerweile  zu einer Religion mit sektenhaften Zügen geworden ist – mit einer Heiligen (Greta), mit Kardinälen und Bischöfen (diverse Wissenschaftler und Journalisten) und einem jugendlichen Glaubensvolk, das wie einst, wenn die Pest ausbrach, hüpfend, singend und die Klimagebote herunterleiernd durch die Innenstädte zieht und den Untergang der Welt verkündet und herausschreit, dass wir Angst haben sollen um unsere Zukunft und die des Planeten.

Diese ganze Klimahysterie beruht auf Annahmen, auf Modellen, auf Projektionen. Zwar können die Klimaforscher und Wetterexperten kaum mal eine halbwegs sichere Wetterprognose über mehr als drei Tage im Voraus machen, aber wie das Klima in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren aussehen wird, das wissen sie genau! So genau, wie uns vor Jahrzehnten der „Club of Rome“ vorausgesagt hat, dass die Ressourcen der Welt bald verbraucht sind, so genau, wie uns das Waldsterben vorausgesagt wurde,  und in etwa so genau, wie Papst Sylvester II den Weltuntergang für den 31.Dezember 999 (Mitternacht) vorausgesagt hat.

Und natürlich fühlen sich gerade in Deutschland viele Menschen berufen, der Weltbevölkerung ins Gewissen zu reden. Einmal mehr soll die Welt am deutschen Wesen genesen! Dass unsere Nachbarn –  die Franzosen mit ihren Atomkraftwerken, die Russen mit ihrem Gas und einige osteuropäische Nachbarn mit ihrem Kohleabbau – mit Staunen, mit Unverständnis und Achselzucken auf uns schauen, ist die eine Seite. Dass sie, sobald wir uns aber wegdrehen, schallend über uns lachen, ist die zweite, weil sie ahnen, dass wir dabei sind, aus einem technischen Vorreiterland und einem Industriegiganten eine Zwergenwiese zu machen! Denn die Klimahysterie mischt sich mit einer Industriefeindlichkeit  und zeigt dabei Wesenszüge der Epoche der Romantik, in der man sich angesichts der aufkommenden industriellen Revolution rückwärts ins Mittelalter  wandte, das ebenso verklärt wurde wie die Natur mystifiziert wurde (dass diese Epoche wunderbare Kunstwerke, etwa die Gemälde C.D. Friedrichs hervorgebracht hat, steht auf einem anderen Blatt).

Nüchterne Zahlen sind nicht das Ding dieser aktuellen Menschheitserlösungsbewegung. Schaut man sich Zahlen an, muss man sich verwundert die Augen reiben: Deutschland ist, was den CO2-Ausstoß, also die heutige Pest,  angeht geradezu ein Leichtgewicht, was aus einer unverdächtigen Quelle (Oekostrom-Aktuell) hervorgeht:

Anteil am globalen CO2-Ausstoß

  1. China – 28,03 %
  2. USA – 15,9 %
  3. Indien – 5,81 %
  4. Russland – 4,79 %
  5. Japan – 3,84 %
  6. Deutschland – 2,36 %
  7. Korea – 1,78 %
  8. Kanada – 1,67 %
  9. Iran – 1,63 %
  10. Saudi-Arabien 1,47 %

(Quelle: https://www.oekostrom-aktuell.de/ranking-das-sind-die-groessten-klimasuender-der-welt-1857)

Allein China pustet rund das Zwölffache an CO2 in die Luft, aber hier reagiert die nackte Angst vor dem Untergang; hier wird mit Geboten, Verboten, steuerlichen Belastungen, einem Himalaya-Gebirge von Vorschriften, Regulierungen  und Eingriffen  in persönliche Freiheitsrechte agiert, wo nüchterne Sachlichkeit, ein trockener Verstand und die Aktivierung von technischen Fähigkeiten und Möglichkeiten geboten wären.

Aber es geht eben nicht einfach um die Lösung eines Problems, es geht um eine Glaubensfrage. Und da sind die, die meinen, den richtigen Glauben zu haben, einfach gnadenlos!

Und da muss man, so meine ich, zum Häretiker werden, wenn man noch einen Funken Selbstachtung im Leib hat.

Deshalb werde ich (nächster Schritt!) Kontakt zu einer Quelle im Ausland aufnehmen, wo man noch gute alte Glühbirnen erwerben kann. Und mit dem Rauchen werde ich auch wieder anfangen!

Und jetzt hole ich Plakatpappe und dicke Filzstifte heraus und male ein Plakat. Damit stelle ich mich heute Abend vor die Fensterscheibe eines veganen Restaurants. Auf dem Plakat wird ein gemalter Schweinskopf zu sehen sein und dazu der Satz:

Eure Korrektheit kotzt mich an!

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Bernd Matzkowski

Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

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