Letzte Signale eines sinkenden (Ex-)Tankers

‚All hands on deck, wève run afloat!‘ I heard the captain cry
‚Explore the ship, replace the cook: let no one leave alive!‘
Across the straits, around the Horn: how far can sailors fly?
A twisted path, our tortured course, and no one left alive.

(Procol Harum, A Salty Dog, 1.Strophe)

Soweit die erste Strophe von Procol Harums Klassiker „A salty dog“, einem Lied über ein (anscheinend) dem Untergang geweihtes Schiff.

Immerhin wendet sich der Kapitän in der verzweifelten Lage an seine eigene Besatzung (all hands on deck), um zu retten, was zu retten ist. Eine durchaus nachvollziehbare Handlung, wenngleich der Kapitän, vielleicht überfordert von der Situation, auch Unsinniges von sich gibt oder anordnet (we´ve run afloat! Replace the cook). Aber so schlimm, dass er per Funk andere Schiffe auffordert, ihren Koch auszutauschen, steht es noch nicht um ihn.

Anders ist es mit Lars Klingbeil, der, um im Bild zu bleiben, neben Andrea „Langstrumpf“ Nahles auf der Brücke des (Ex-)Tankers SPD steht, ein Tanker, der, das zeigen die wöchentlichen Umfrageergebnisse, mittlerweile auf Ruderbootgröße geschrumpft ist. Klingbeil, der sich eigentlich um seine eigene Mannschaft kümmern sollte, hat nun im Moment des Absaufens der SPD nichts Besseres zu tun, als sich um die CDU zu kümmern:

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hat die CDU aufgefordert, auf ihrem bevorstehenden Bundesparteitag einen Abgrenzungsbeschluss zur rechtspopulistischen AfD zu fassen. „In der Union mehren sich Stimmen die ein Bündnis mit der AfD nicht mehr ausschließen“, sagte Klingbeil der „Bild“. „Dieser Tabubruch ist brandgefährlich und muss dringend gestoppt werden.“ (Quelle faz.net)

 Wollte die SPD nicht nach der verunglückten Maaßen-Nummer zur „Sacharbeit“ zurückkehren? Wollte man nicht, so die vollmundigen Ankündigungen nach der Bundestagswahl, die AfD inhaltlich stellen? Und jetzt gilt die größte Sorge von Herrn Klingbeil der CDU, so dass er meint vorschlagen zu müssen, was die CDU auf ihrem Parteitag abstimmen soll?

Wollte die SPD den Blick nicht auf sich richten? Wollte man sich nach dem Wahldesaster nicht erneuern?

Ja, wollte man, so ungefähr wie der Raucher, der mit dem Rauchen aufhören will und sich vornimmt, zwischen zwei Zigaretten nicht mehr zu rauchen. Da kann es mit dem Aufhören auch schon mal dauern. So etwa 20 Jahre vielleicht? Warum 20 Jahre?

Auf der homepage der SPD heißt es:

„Viel vor. Und Lust auf morgen.

Wir wollen Bewegung: zum Besseren, nach vorn. Wir wollen in einer Welt, die sich immer schneller dreht, mehr von dem, was uns wichtig ist: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Darum machen wir uns auf für ein besseres Land. In einem besseren Europa. Wenn wir den Mut haben für große Ideen und neugierig sind, werden wir das schaffen. Vielleicht nicht sofort, aber in 20 Jahren.

Wie man auf den Zeitraum von 20 Jahren gekommen ist, steht auf der SPD-Seite allerdings nicht. Aber, wie schon gesagt, in der ersten Strophe von A Salty Dog sagt der Kapitän auch mancherlei Unsinn („Werft den Koch raus/Ersetzt den Koch!).

Übrigens: Im Lied von Procol Harum ist es anders als (voraussichtlich) mit der SPD: Das Schiff erreicht nämlich doch noch den Heimathafen!

 

 

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Bernd Matzkowski

Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

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