DIRTY OLD TOWN. Kaum Perspektiven für (Langzeit-)Arbeitslose in Gelsenkirchen

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I met my love by the gas works wall
Dreamed a dream by the old canal
Kissed my girl by the factory wall
Dirty old town
Dirty old town
Das lässt sich fast sozialromantisch an in diesem (alten) Lied von einer Liebe, die zwischen den Mauern des Gaswerks, den Ufern eines Kanals und der Fabrik aufzublühen scheint. Die Liebe, so hat es den Anschein, hat die Kraft, den Staub, der sich auf Körper und Seelen legt, wegzuwaschen, so dass Raum zum Küssen und Träumen entsteht.
Aber, ach! Das ist halt Poesie, die aus dem Widerspruch zur Wirklichkeit Erhabenes gebiert.
Die ökonomischen Fakten sehen anders aus! Und weil sie Gefahr laufen, in der aufgeheizten Berichterstattung über Flüchtlinge im Allgemeinen, die Vorkommnisse in Köln (und anderswo) in der Silvesternacht im Besonderen und das offensichtliche Versagen der Polizei im Speziellen unter zu gehen, sollen sie hier – wenigstens in einigen Zeilen – dargestellt und gewürdigt werden.
Wie die Agentur für Arbeit in der Bilanz für 2015 erfreut zu vermelden wusste, ist die Zahl der Arbeitslosen im Land abermals gesunken – auf ein schon fast historisch zu nennendes Tief. In Gesamtdeutschland lag die Quote im Dezember bei 6,1 %, in NRW bei 7,7 % .Für all die, die in Arbeit sind – in Lohn und Brot, wie es so schön und so schön altbacken heißt – ein erfreuliches Ergebnis, wobei jetzt einmal davon abgesehen werden soll, mit welchen Tricks die Zahl der Arbeitslosen bekanntlich statistisch nach unten gedrückt wird und wie viele der Beschäftigten in „prekären“ Arbeitsverhältnisse leben, die eine „menschenwürdige“ Teilnahme am gesellschaftlichen Leben kaum ermöglichen.
Von diesem (letztlich) insgesamt positiven Trend sinkender Arbeitslosenzahlen ist Gelsenkirchen abermals und wohl auch auf Dauer abgekoppelt. Mit 15% liegt hier die Quote nahezu doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt. Und im Gegensatz zu anderen Regionen Nordrhein-Westfalens (etwa Südwestfalen) ging hier im Jahresvergleich die Quote nicht zurück, sondern stieg sogar an (fast 10% mehr als 2014). Und die Quote der Langzeitsarbeitslosen (länger als ein Jahr ohne Arbeit) ist hier ebenfalls besonders hoch.
Folgt man der Agentur für Arbeit hat dies neben der bekannten Strukturschwäche (Verlust der Arbeitsplätze im Bergbau und der Montanindustrie), die seit Jahren nicht kompensiert werden konnte, eine Ursache in der Migration. Einerseits in der Migration aus Osteuropa(EU-Ausländer aus Rumänien, Bulgarien, Polen), andererseits aber im Zuzug von Flüchtlingen. Der Anteil der Ausländer an der Zahl aller Arbeitslosen beträgt etwas mehr als 26%. Der Zuwachs um 8,6% gegenüber dem Vorjahr wird von der Arbeitsagentur zu zwei Dritteln Flüchtlingen aus Syrien und zu einem Drittel Migranten aus den drei genannten EU-Staaten zugeschrieben.
Trifft diese Analyse der Arbeitsagentur zu, wird die Problematik für Gelsenkirchen augenfällig. Hier trifft eine große (und noch wachsende) Zahl von Migranten mit geringen Chancen am Arbeitsmarkt auf eine schon von der Struktur her ausgeblutete Stadt mit nur eingeschränkten Entwicklungsperspektiven. Die Konkurrenzsituation um Wohnraum, Kindergarten- und Schulplätze trifft auf eine verschärfte Konkurrenzsituation um die (verbliebenen) Arbeitsplätze für gering Qualifizierte, überlagert von Integrationsproblemen auf der Basis kultureller, ethnischer und sprachlicher Differenzen und in einer Stadt, die es nicht schafft, ihren Schuldenberg abzubauen und deshalb Gefahr läuft, Leistungen für ihre Bürgerinnen und Bürger einschränken zu müssen(etwa Bäder-Thematik).
Wer hier schon lange und vielleicht sogar auf noch längere Zeit ohne Arbeit ist, wird den Migranten (egal ob Arbeitsmigrant oder Flüchtling) nicht unbedingt mit einer herzlichen Willkommenskultur (was immer sich in diesem Wortmonstrum ausdrückt!) überschütten, sondern in ihm das sehen, was er objektiv auch ist: einen Konkurrenten um gesellschaftliche Ressourcen.
Wer hier und gerade hier noch auf die Selbstheilungskräfte des Marktes setzen mag, der ist, angesichts der Entwicklung, entweder mit dem Klammerbeutel gepudert (schlimm) oder ein Demagoge übelster Sorte (mindestens genauso schlimm).
Integration ist in früheren Zeiten nahezu immer über Arbeit bzw. Solidarität am Arbeitsplatz gelaufen – wie aber soll sie entstehen und gelingen, wenn es kaum noch Arbeitsplätze gibt?
Und was passiert dann?
Vielleicht das, was in dem alten Lied passiert, das nämlich gar nicht so sozialromantisch endet wie es zu beginnen scheint:

I’m going to make me a good sharp axe
Shining steel tempered in the fire
Will chop you down like an old dead tree
Dirty old town
Dirty old town

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Bernd Matzkowski

geb. 1952, lebt in GE, nach seiner Pensionierung weiter in anderen Bereichen als Lehrer aktiv

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Heinz Niski

Vor ein paar Tagen bekam ich Nachhilfe in Statistik (traue nur deiner selber gefälschten..) . In einem Baumarkt weihte mich ein Verkäufer in die geheime Wissenschaft ein: Gelsenkirchen läge an der Spitze – bei den Diebstählen in den Filialen. In keiner anderen Filiale wären so viele Artikel verschlossen oder in Boxen verpackt wie hier. Zu den Rändern des Ruhrgebietes würde die Lage entspannter. Er leitete daraus ab, dass die soziale Situation in GE angespannter als in allen anderen Städten wäre und die Bevölkerung ein anderes Unrechtsbewusstsein und Verhältnis zum Eigentum hätten.
Ich bin sicher, dass der Gelsenkirchener Lokalpatriot diese Statistik so lange differenziert, bis am Ende das Gegenteil bewiesen ist. Höhere Diebstahlquote? Sind alles Zugereiste aus Holland, dem Balkan usw., weil die Fluchtwege in GE excellent sind. No-Go-Aera? Haben wir nicht. Alles eine Erfindung der Polizei, um mehr Personal zu bekommen. Verwahrlosungstendenzen? Haben wir nicht. Alles Wahrnehmungsstörungen von Spießern.
Wenn also die integrative Kraft von (Lohn)Arbeit sich hier nicht entfalten wird, sollten doch an allen Ecken und Enden selbstorganisierte blühende alternative und kreative Lebens- und Wirtschaftsformen diese Stadt bunter, lebens- und liebenswerter machen.
Was sehe ich? Lange Schlangen vor den Tafeln, hier ein bisschen Kauf-Net, da ein paar Second-Hand Läden, damit der Hartz4rer irgendwie überlebt. Die kleveren haben sich in der Schattenwirtschaft vernetzt und commod eingerichtet und das Bewusstsein entwickelt, dass sich das so gehört, wenn der Staat und die Gesellschaft sich nicht, wie versprochen, um sie kümmert.
Perspektiven? Politische Forderungen? Empörung? Solidarität?
Sehe ich nicht.
Statt dessen viele aneinander vorbei lebende soziale, ethnische, kulturelle Gruppen, Politiker die Imagepflege machen (müssen?), Künstler, die Sozial-Arbeiter-Kunst machen (müssen?).

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Klaus Ellenbeck

Ich bin richtig angetan von Ihrem Artikel. Wenige, um nicht zu sagen: wenigste Menschen trauen sich, das so offen und klar zu sagen.
Auf Facebook bin ich in einer Gruppe “Gelsenkirchen…” regelrecht veräppelt und ausgelacht worden, weil ich mal für knapp 2 Wochen vermüllte und von Wildwuchs überwucherte Plätze in der Innenstadt per Foto dokumentiert habe. (ich habe das dann abgebrochen…)
Danke für diese offenen Worte!

Klaus Ellenbeck

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Paul Baumann

Aus welcher Perspektive schreibe, antworte ich auf die Darstellungen von Matzkowski & Niski?

Gelernt habe ich mal zu schreinern, bin dann Feinmechanikergeselle geworden, habe nach meiner W18-Zeit als Sozialpädagoge 10 Jahre bei einem Jugendverband bzw. in einem Haus der offenen Tür in Oberhausen, dann ca. 10 Jahre beim Jugendamt und fast 20 Jahre beim Kulturamt in GE gearbeitet. Nebenbei war ich in Oberhausen ca. vier Jahre Jugendringvorsitzender. Ich kenne mich aus was sozial „unten“ bedeutet. Mein damaliger Arbeitsplatz inmitten einer Arbeitersiedlung mit Schichtmalochern in zu kleinen Wohnungen mit Kindern, die alle irgendwie mit den Bedin-gungen zurecht kommen mussten, kenne ich zudem tiefgreifend durch 7 Jahre ehrenamtliche Knastarbeit in der Jugend-strafvollzugsanstalt Siegburg. In Gelsenkirchen hatte ich als Kommunalbediensteter immer klar zu kommen mit den politischen Ansprüchen, mit den Gegebenheiten von Kindern und Jugendlichen aus Problemfamilien in den städt. Kin-der- & Jugendfreizeithäusern und dem, was von Jahr zu Jahr immer weiter runter gekürzt wurde: benannt freiwillige Leistungen – Gelder für Freizeithilfen in kommunalen Einrichtungen sowie Freizeitprogramme bzw. Ferienmaßnahmen.

Auf einmal wird festgestellt, die Zahlen von Einbrüchen, von Ladendiebstahl, von Taschendieben werden größer und größer. Die Kriminalstatistik soll belegen: Es geht runter mit dieser Stadt. Im Speckgürtel um die Stadt wohnen die eher Wohlhabenden – sogar auch Kommunalbeschäftigte wie der einstige Baudezernent oder auch der Kulturamtsleiter. Nicht Wenige kommen als Pendler morgens in dieses Stadtelend und fahren nach ihrer Arbeit wieder fröhlich heim. Man könnte solches auch als besondere Form einer Ausbeutung bezeichnen.

Diese Kommune, an der Spitze von Arbeitslosigkeit, wird just auch noch die Bürde aufgeladen, Flüchtlinge aufzuneh-men und zu versorgen. Die Kommune an der Spitze von Langzeitarbeitslosen, ist nicht in der Lage, dieses Problem – inmitten der Stadt – allein gelöst zu bekommen. Und das seit vielen Jahren.

Die Einwohnerzahl, einst auf die 300.000 zugehend, verringert sich von Jahr zu Jahr, bewegt sich aktuell schnurstracks auf die 200.000 zu. Mit den Verlusten von Arbeitgebern, Verlusten von Arbeitsplätzen, sind Einnahmeverlusten in Mil-lionenhöhe verbunden, die eine gestaltende Kommunalpolitik so gut wie kaum noch möglich macht – was nicht heißen soll, die Kommunalpolitiker aus der Verantwortung hier heraus zu schreiben. Im Gegenteil. Dennoch steht gegenüber dem immer Weniger ein Mehr an Menschen, Familien, die „Lebenshilfen“ benötigen – also auch finanzielle, um über-leben zu können. Das bedeutet kommunale Überforderung PUR!

In Berlin soll die schwarze Null – koste was es wolle – politische Priorität eingeräumt werden: Dieser Staat darf sich nicht zu Ungunsten seine Kinder und Kindeskinder weiter verschulden!

Welche Milliarden einerseits durch die Politik und Verwaltung jedes Jahr verschleudert werden, kann man z.B. nach-lesen bei nur der einen Fehlinvestition, die da Entwicklung eine Drohne für die Bundeswehr sich nennt. Welche Milli-arden jedes Jahr zudem rausgeworfen werden für die Einsätze in aller Welt, kann man überprüfen was das Engagement in Afghanistan aktuell erbracht hat, nämlich auf ganzer Ebene versagt zu haben bzw. weiter dort Millionen ausgeben zu müssen.
Geld ist also genug da!
Und die Bundes- und Landespolitik lässt eine Kommune wie Gelsenkirchen mehr als nur im Regen stehen!

Die Kommunalparteien haben in Übereinstimmung mit den Sozialverbänden, den Kirchen und Gewerkschaften den sogenannten „GE-Appell“ verabschiedet, der einerseits unterm Strich die Bedeutung hat: Land und Bund müssen in besonderer und gezielter Form diese Stadt dabei unterstützen, von diesem Riesensockel einer Langzeitarbeitslosigkeit runter zu kommen. Was ist bisher aus Berlin für GE geworden? Wiederholung der vor Jahren erkannten und geächteten AB-Maßnahmen z.B. Betreungseinsatz von Langzeitarbeitslosen, um ältere Menschen auf den Friedhof zu begleiten. Solch eine Maßnahme ist zeitlich befristet, was bedeutet, nach der Frist geht es wieder zurück in die Arbeitslosigkeit.
Die Politik kann dann davon sprechen, die Langzeitarbeitslosigkeit (vielleicht für zwei Jahre) unterbrochen – aber nicht wirklich bezwungen zu haben. Ein Betrug, ein polit. Gewollter, an den Langzeitarbeitslosen und am Wähler!

Der „GE-Appell“ muss die Bedeutung haben, dass in GE ein Projekt, ein soziales Wagnis aller Beteiligten versucht wird, nämlich einen 2. Arbeitsmarkt von ganz unten zu wagen – unter der Beteiligung Aller. Warum nicht in einem der aktuell freigewordenen Häuser ein „Armen-Begegnungszentrum“, also ein soziokulturelles Zentrum unter Mitverant-wortlichkeit auch der dort „eingesetzten“ Langzeitarbeitslosen zu setzen, zu entwickeln; sich ein Beispiel zu nehmen an den funktionierenden Bürgerhäusern ob im Süden oder Norden Deutschlands?! Solch eine Entwicklung eines Bürger-hauses mitten in dieser Stadt muss ein Projekt mit einer Mindestdauer von 5 bis 10 Jahre sein! An der Umsetzung solch eines Anliegens müssen nicht nur die „Sozialprofis“ beteiligt werden, sondern ein Bürgerhaus muss Anliegen einer Bürgerschaft sein, sowie diese von Matzkowski beschrieben worden ist.

Es ist nicht verkehrt, Herr Niski, glasklare Kritik zu formulieren. Das Weiterführende sollte aber die konstruktive Kritik sein, die aus der Kritik das sich entwickeln lässt, was helfen kann/könnte, aus dem Elend dieser Stadt raus zu kommen: nämlich durch ein Tätigwerden in einem Miteinander. Und dazu braucht es – vor allen Dingen in GE – eine Basis, poli-tisch entschieden und durchfinanziert, was nur Bürgerhaus oder soziokulturelles Zentrum genannt werden kann – mit dem Beginn bzw. Schwerpunkt: Arbeitsplätze/ Betätigungsfelder anzubieten, die solch ein Zentrum entstehen und sich entwickeln lassen kann. Weil der „GE-Appell“ ein Wollen, ein Muss über alle Partei- bzw. Verbandsgrenzen hinweg be-deutet, sind die Eifersüchteleien bezwungen. Und so kommt man (endlich in GE) gemeinsam weiter: Warum solches nicht in einem genossenschaftlichen Rahmen ALLER?!

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Heinz Niski

Hallo Herr Baumann, ich verstehe folgendes: Sie sind auf Grund ihrer beruflichen Laufbahn, ihres kulturellen, sozialen, politischen Engagements qualifizierter Analyst von Armutsgründen, sowie Kenner der Lebenssituation gesellschaftlich abgehängter Menschen. Sie benennen die Verantwortlichen – “die Politik” – und zeigen Lösungen auf – “ein soziokulturelles Zentrum, in welchem Arbeitsplätze angeboten werden” – so weit korrekt?

Flüchtlinge und Zuwanderer sollen anscheinend keinen Platz dort haben, da schon ohne sie die Situation alle überfordert.

Ob ihr Lösungsvorschlag der große Wurf ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Er ist mindestens so charmant wie regionale Wirtschaftskreisläufe, regionales Geld und scheint in Essen mit dem Unperfekthaus und dem Mehr-Generationen-Haus in Teilen schon praktiziert zu werden.
Ich persönlich würde ja vertieft über das bedingungslose Grundeinkommen nachdenken, ein Begegnungszentrum allein scheint mir zu wenig zu sein.

Dankenswerterweise erlauben Sie ja “glaskare Kritik” – mit der Einschränkung, dass man zugleich Lösungen anbieten müsse. Da ich leider immer nur viele lose Enden habe, nie das Ganze zu fassen bekomme, nicht die EINE Welterklärungsformel anbieten kann, bin ich aus dem gesellschaftlichen Diskurs somit raus?

Gesellschaftliche Auflösungserscheinungen haben ganz sicher immer auch etwas mit der sozialen Situation zu tun, aber eben immer nur etwas. Erst kommt das Fressen, dann die Moral? Erklärt auch nicht, warum die einen Altruisten werden und die anderen einfach nur Arschlöcher bleiben.

Ich verbleibe relativ ratlos mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen

H.N.

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Baumschüler

Die folgenden Betriebe in Gelsenkirchen
und etwas um Gelsenkirchen herum
bildeten den Appendix zum Gelsenkirchener Appell

AWO Unterbezirk Gelsenkirchen/Bottrop

Evangelischer Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid

Der Paritätische Gelsenkirchen

Jüdische Gemeinde Gelsenkirchen

Bündnis 90 Die Grünen Ratsfraktion Gelsenkirchen

SPD Gelsenkirchen Die Ratsfraktion

Katholische Stadtkirche Gelsenkirchen

CDU

Caritas

Diakonie Werk Gelsenkirchen und Wattenscheid

FDP Gelsenkirchen Die Ratsfraktion

Bürger Bündnis Gelsenkirchen

DGB

Sofern diese Liste unvollständig ist, wird um Korrektur gebeten.
———————————————————————–

Aus dem Appell geht nicht hervor, welche Anteile vom Produktionsfaktor
Boden (Grundstücke, Gebäude, Betriebsstätten)
diese Unternehmen selbst auf langfristige Sicht dem Projekt zu welchen Konditionen
zur Verfügung zu stellen bereit sind.

Das Gründungskapital soll soweit erkennbar von Land NRW und Bund BRD
bereitgestellt werden. Ob und über welchen Zeitraum es zurückgeführt werden
soll, ist offen.

Den Produktionsfaktor Arbeit sollen die Erwerbslosen einbringen.
Die Höhe der angestebten Entlohnung ist nicht erkennbar.
Eine Mittel und langfristige Unternehmensbeteiligung im Sinne von
Genossenschaftsanteilen, Pflegezusatzversicherung oder immerhin Sterbekasse
scheint nicht erwogen.

Welche Gewerke, Manufakturen und Dienstleistungen konkret er- und abgearbeitet
werden sollen, ist ebenfalls nicht erkennbar.

Offensichtlich sollen die Entscheidungsprozesse weiter von den bisherigen Akteuren
auf der Leiter zum Hochsitz getragen werden, die seit round about 35 (fünfundreissig) Jahren
den prekären Arbeitsmarkt aus dem „öffentlichen Dienst“ heraus im Patchwork gestalten.

Ein Direktionsrecht durch den Staat im allgemeinen „freien“ (ersten) Arbeitsmarkt
wird seit 1949 nicht wahrgenommen.
Die prekären Arbeitsverhältnisse wurden durch „Zeitarbeit“ und „MiniJobs“
weiter und auf Dauer ausgebaut.

Den 1. Arbeitsmarkt gibt es demnach bereits seit Jahrzehnten, es ist der „öffentliche Dienst“,
mit Rücksicht auf seine Statik. Finanziert durch den 2. („freien“) ebenso wie der
3. („prekäre“) Arbeitsmarkt.

Der 3. Arbeitsmarkt erfährt hin und wieder Unterbrechungen durch
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen von ABM-lern.
Dann nach Hartz-Schröder durch Gemeinwohlarbeiter oder NeuDeutsch GWA-lern.
Demnächst dann Appellanten?

Ohne Teilungsbereitschaft auf Augenhöhe
von Produktionsmitteln, Verantwortung, Produktions- und Dienstleistungsergebnissen
und insbesondere Information wird das nix.

Elementar bleibt dabei: WO soll WAS von WEM gemacht werden?

Für das WO ist „Gelsenkirchen“ allein eine zwar notwendige, jedoch noch keine
hinreichende Antwort.

Schönen Dank für den Gelsenkirchener Appell, gut gemeint aber noch wenig gemacht.

Als Vorschlag von den 12 Leitersprossen in den Hochsitz ging er wohl ins Leere.

Die Art der Ablehnung kann getrost als banale Menschen verachtende Altersdiskriminierung
bezeichnet werden.

Wenn das WO in Gelsenkirchen
hinreichend definiert ist, komme ich gerne auf die Angelegenheit zurück.

Bis dahin rette sich wer kann.

Beaujolais Nouveau 2015 Est Arrive!

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